46-Jähriger kam offenbar nicht bei Abbrucharbeiten ums Leben

TÖDLICHER ARBEITSUNFALL IN ZUG ⋅ Bei einem tragischen Vorfall ist am Montag ein 46-Jähriger auf der Baustelle des neuen Siemens-Campus tödlich verunglückt. Dies jedoch bei einer anderen Tätigkeit als kommuniziert.

12. Oktober 2016, 05:00

Es war ein grässlicher Start in die Woche für die Arbeiter auf der Baustelle des neuen Siemens-Campus an der Theilerstrasse in Zug. Einer ihrer Kameraden starb nämlich am Montagmorgen kurz vor 8 Uhr auf besagter Baustelle. «Gemäss aktuellem Kenntnisstand verunfallte der 46-jährige Bauarbeiter bei Abbrucharbeiten», gab die Zuger Polizei in ihrer Medienmitteilung vom Montag bekannt.

«Der Unfall ist enorm tragisch, ich fühle mit den Involvierten, den Angehörigen und der Firma, für die der Verstorbene ­gearbeitet hat», sagt Roger Illy, Inhaber der Hans Hürlimann AG in Hünenberg, die die Abbrucharbeiten auf der Baustelle durchführt. Trotzdem müsse er sich heftig wehren und seinen Unmut über die Informationen der Polizei kundtun. «Ich habe schon Dutzende Anrufe bekommen, weil die Leute glauben, wir seien in diesen Unfall verwickelt.» Doch dem sei nicht so, betont Illy. Viel mehr sei der Bauarbeiter der Firma Strabag bei Bohrarbeiten ums Leben gekommen und nicht bei Abbrucharbeiten, wie dies seitens der Polizei kommuniziert worden sei. «Wir haben mit dem Unfall überhaupt nichts zu tun, so Illy. «Wir hatten in den 50 Jahren, in denen wir Abbrüche ausführen, noch nie irgendwelche nennenswerten Unfälle und schon gar keinen tödlichen Unfall.»

Ein tragischer und belastender Vorfall

Alexander Böhnke, kaufmännischer Direktionsleiter der Strabag AG Schweiz, bestätigt den Sachverhalt. «Der Unfall passierte bei Spezialtiefbauarbeiten und nicht bei Abbrucharbeiten, wie ursprünglich kommuniziert.» Da diese aber gleich nebeneinander durchgeführt werden, sei es gut möglich, dass dadurch die Verwechslung zu Stande gekommen sei.

Der Einsatz sei auch für die Einsatzkräfte alles andere als einfach gewesen, betont Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Der Vorfall ist äusserst tragisch und sehr belastend.» Man hätte daher möglichst sachlich und ohne nähere Details informiert, führt Kleiner weiter aus. Dies vor allem auch darum, um Spekulationen und Vorverurteilungen vorzubeugen. Frank Kleiner hält zudem an der Ausdrucksweise der ursprünglichen Medienmitteilung fest, dass auch für den Teil der Baustelle, wo bereits gepfählt wird, der Rahmen «Abbrucharbeiten» gelte: «Der Unfall passierte unserer Ansicht nach und gemäss bisheriger Erkenntnisse darum im Rahmen von Abbrucharbeiten. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt und der genaue Unfallhergang erst noch geklärt werden muss, können wir derzeit keine weiteren Details bekannt geben.»

Zur Klärung der genauen Unfallursache wurde bereits am Montag der kriminaltechnische Dienst der Zuger Polizei beigezogen. Ebenfalls aufgeboten wurde je ein Sachverständiger der Schweizerischen Unfallversicherung (Suva) und des Amts für Wirtschaft und Arbeit. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug eröffnete zudem ein Verfahren, wie die Polizei weiter bekannt gab.

Charly Keiser


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