Am Schluss reden sie doch noch

ZUG ⋅ Gestern hat vor dem Jugendstrafgericht der Prozess gegen drei mutmassliche Schläger begonnen. Die Beschuldigten äussern sich nicht zum Tathergang – dann brechen sie ihr Schweigen.

04. Oktober 2016, 05:00

Der Fall ist mittlerweile schweizweit bekannt. Am 4. September 2015 ist es kurz vor Mitternacht am Ufer des Zugersees zu einer Auseinandersetzung zwischen einem jungen Mann (21) und einer Gruppe Teenager gekommen. Der 21-Jährige hat sich bei einer Attacke, die sich im verbalen Disput um die Herausgabe einer Bierflasche entzündete, verletzt. Er hat sich daraufhin im Spital untersuchen lassen. Bei ihm ist unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt worden. Tragisch dabei: Der junge Mann hat sich vier Tage nach der tätlichen Auseinandersetzung das Leben genommen.

Gestern sind nun drei Jugendliche, welche vom Jugendanwalt bezichtigt werden, den Mann mit Fäusten geschlagen und mit Fusstritten traktiert zu haben, vors Jugendgericht geladen worden. Vor Beginn der Verhandlung wäre im Foyer des Zuger Gerichtsgebäudes an der Aa das Fallen eines Fünfrappenstücks von allen bemerkt worden. So still geben sich die Anwesenden.

Die drei Beschuldigten stehen oder sitzen mit ihren Verteidigern und ihren Eltern oder nahen Verwandten in Gruppen still beieinander. Der Jüngste (16) hat sich für Hemd und Anzug entschieden. Der eine 17-Jährige trägt dunkle Kleider, der andere Gleichaltrige setzt auf helle Jeans. Eines ist ihnen aber gemeinsam: Sie zeigen eine ernste Miene und wirken auf den Betrachter nervös.

Zuerst wichtige Vorfragen abgearbeitet

Bevor die eigentliche Verhandlung beginnen kann, muss sich das dreiköpfige Jugendgericht unter Vorsitz von Marc Siegwart mit drei Vorfragen befassen. Unproblematisch scheint aus der Sicht der Richter der Beizug von Strafbefehlen, die im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung stehen. Auch den Rückgriff auf ein Gutachten des Sozialdienstes segnet das Jugendgericht ab. «Wir sind es uns gewohnt, mit solchen Unterlagen umzugehen», sagt Marc Siegwart.

Delikater ist dann der Entscheid, ob der Vater des Opfers im Gerichtssaal bleiben kann. Der Anwalt eines Beschuldigten betrachtet dies als nicht angezeigt. Sein Einwand bleibt aber ungehört. Der Vorsitzende spricht dabei von «besonderen Umständen», welche der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang in einer solchen Sache vorsehe. Der Vater des 21-Jährigen ist es gewesen, welcher mit Hilfe sozialer Medien den Fall der Öffentlichkeit bekannt gemacht hat (Ausgabe vom 30. September 2016). Noch bevor Marc Siegwart die eigentliche Befragung beginnt, spricht er von einem «tragischen, aber nicht so seltenen Fall» – und stellt fest, dass das, «was die Staatsanwaltschaft vorbringt, auch nur eine Behauptung ist». Er warnt aber auch vor «medialer Vorverurteilung».

Dann beginnt Siegwart mit der Befragung der Beschuldigten zur Person. Da geben die drei noch Auskunft. Der eine 17-Jährige sagt, er «fühle sich nicht gut», der andere «ist ein wenig angeschlagen». Der 16-Jährige spricht von einer «gewissen Nervosität». Sie erzählen von ihrem derzeitigen Leben und ihren Zielen.

Doch als sie auf den Vorfall vom 4. September 2015 angesprochen werden, geben sie sich wortkarg. Der eine lässt wissen: «Ich sage nichts.» Genau gleich verhält sich der andere. Der Dritte im Bunde geht noch weiter: «Es stimmt nicht.» Dabei sind die Vorwürfe, die der Staatsanwalt Rolf Meier präsentiert, happig. Er taxiert die Taten der Beschuldigten als schwere Körperverletzung. In der Anklageschrift schreibt Meier: «Sie haben ihre Übermacht heimtückisch und verwerflich ausgenützt.» Sie hätten zudem, so ist in der Anklageschrift zu lesen, «unkontrolliert und hemmungslos gegen den Körper und den Kopf» des 21-jährigen Opfers getreten. Meier verlangt denn auch für die drei jugendlichen Schläger harte Strafen. Er plädiert beim Strafrahmen beinahe für das gesetzlich zulässige Maximum. Dazu kommen noch Massnahmen, die den Beschuldigten bei der Wiedereingliederung helfen sollen.

«Es tut mir leid um das Opfer.»

Erwartungsgemäss zeichnen die Verteidiger ein ganz anderes Bild von ihren Mandanten. Stellen unter anderem die Qualität der Zeugenbefragung in Abrede. Und sagen auch, dass sich alles nicht so zugetragen habe. Immerhin reden die Beschuldigten beim Schlusswort doch noch. Die beiden 17-Jährigen unisono: «Ich wollte nicht, dass es so weit kommt.» Derweil der Jüngste bemerkt: «Es tut mir leid um das Opfer.» Der Urteilsspruch in dieser Sache fällt heute Nachmittag . Das Gericht ist nicht zu beneiden.

Am Montag hat vor dem Zuger Jugendstrafgericht der Prozess gegen drei mutmassliche Schläger begonnen. Die Beschuldigten äusserten sich nicht anfangs nicht zum Tathergang. Erst im Schlusswort brechen sie ihr Schweigen. (Tele 1, 3. Oktober 2016)

Am Montag hat vor dem Zuger Jugendstrafgericht der Prozess gegen drei mutmassliche Schläger begonnen. Die Beschuldigten äusserten sich nicht anfangs nicht zum Tathergang. Erst im Schlusswort brechen sie ihr Schweigen. (Tele 1, 3. Oktober 2016)




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