Ausländische Betagte nehmen wenig Hilfe in Anspruch

KANTON ZUG ⋅ Sprachhürden, Hemmungen und fehlendes Wissen bewirken, dass betagte Ausländer soziale und Gesundheitsdienstleistungen nicht beanspruchen. In den Alterskonzepten in den Zuger Gemeinden fehlt das Thema weitgehend.

15. April 2015, 11:07

Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz bestätigt Wahrnehmungen, die man in der Zuger Direktion des Innern bereits gemacht hat: Betagte Menschen mit Migrationshintergrund nutzen Hilfs- und Beratungsangebote sowie Gesundheitsdienstleistungen im Kanton Zug nur geringfügig. Verantwortlich dafür sind Sprachhürden, Hemmungen und fehlendes Wissen.

Informationslücken

Betagte mit Migrationshintergrund sind oft überfordert und leiden unter einem Informationsdefizit, wenn es um Pflegedienstleitungen, Spitexangebote, Sozialversicherungen, Anmeldung und Umzug in Alters- oder Pflegeheime geht. «Oft weiss diese Bevölkerungsgruppe nicht, an wen sie sich mit ihren Fragen oder Problemen wenden kann», lautet das Fazit von Studienleiterin Luzia Jurt. Sie hat die Studie realisiert.

Die grössten Informationsdefizite bestehen bei den Sozialversicherungen und Ergänzungsleistungen. Einige der befragten Migrantinnen und Migranten befürchten, wegen ihrer Herkunft, Ethnie oder Religion nicht akzeptiert oder schlecht behandelt zu werden. Verbreitet ist die Vorstellung, dass ein Heimeintritt wegen der hohen Kosten dereinst gar nicht möglich ist. Bedauert wurde überdies, dass Bestattungsriten unterschiedlicher Religionen im Kanton Zug oft nicht mit der Friedhofsordnung vereinbar sind und kein muslimisches Grabfeld existiert.

Pro Senectute ist wenig bekannt

Zudem stellt die Studienleiterin fest, dass die Migrationsbevölkerung des Kantons Zug in den gemeindlichen Alterskonzepten kaum thematisiert wird und deren spezifische Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Die Mehrheit der Befragten gab zudem an, die Angebote der Pro Senectute nicht zu kennen.

Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard schliesst aus den Studienergebnissen, dass nicht die Angebote ausgebaut werden müssen, «sondern der Zugang zu ihnen muss verbessert werden». Wegen der demografischen Entwicklung rechnet sie damit, dass das Thema Migration im Alter in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen wird.


Den vollständigen Bericht «Alter und Migration - Zur Situation der älteren Migrationsbevölkerung im Kanton Zug» hier downloaden

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