Blick auf die digitale Zukunft

TECHNOLOGIE ⋅ Die achte Podiumsdiskussionsrunde der Gesprächsreihe «Zukunft Industrie Zug» widmete sich dem Thema «Mensch und Maschine». Sie zeigte interessante Ansätze.
15. April 2017, 08:11

Carina Blaser

redaktion@zugerzeitung.ch

Ein vollautomatischer, autonomer Roboter, welcher nach dem Osterfrühstück das dreckige Geschirr wegräumt. Handelt es sich hierbei um die nahe Zukunft, oder ist dies doch eher reine Fiktion? Unter dem Titel «Zukunft der Maschine» sollte sich das Zugorama der V-Zug am Mittwochabend in eine kritische Denkwerkstatt verwandeln. Nicht nur Unternehmer, sondern auch die Öffentlichkeit war von der Metall Zug AG, dem Technologie-Forum Zug und der Zuger Wirtschaftskammer eingeladen, sich der Vorstellung eines möglichen Lebens an der Seite von künstlicher Intelligenz zu widmen und Chancen wie auch Risiken der technologischen Umwälzung zu besprechen.

Der Schweizer Robotik-Experte und Professor Roland Siegwart eröffnete das Gespräch mit einem Referat. Die Anwesenden wurden über den Stand der Technologie aufgeklärt, erhielten einen Einblick in die Arbeit von Autonomous Systems Lab der ETH Zürich und wurden über mögliche weitere Entwicklungen informiert. «Grundsätzlich sehe ich nur Chancen und wenig Risiken in der Digitalisierung», sagte er.

Mehr Chancen als Risiken

Im Anschluss an diese Ausführungen widmeten sich vier Experten aus der Praxis und der Philosophie dem Thema. Moderator Marco Meier, Philosoph und freier Publizist, erklärte, dass das Ziel der Diskussion das Schaffen eines grundlegenden Verständnisses für die Thematik sei. Roland Siegwart bezeichnete das anfänglich genannte Beispiel eines vollautomatischen Roboters zurzeit noch als Fiktion. Damit der Traum Realität werde, müsse die künstliche Intelligenz physikalische Gesetze verstehen und zu komplexen Interaktionen mit der Umwelt fähig sein. Die Nachahmung der unvergleich­lichen Sensibilität des Menschen stehe noch in weiter Ferne.

An diesem Punkt setzte auch die Kritik des Philosophen und Physikers Eduard Kaeser an. «Wir verstehen unsere eigene körperliche Intelligenz noch gar nicht», so Kaeser. Matthias Dantone vertrat als Start-up-Gründer und Erfinder einer Shopping-App die Meinung, dass eine Maschine ein objektiveres Urteil fällen könne über den Kleidungsstil als der Mensch selber. Laut Franz Grüter, Luzerner SVP-Nationalrat und IT-Unternehmer, werden Fragen nach der Ethik in Unternehmen zweitrangig sein. Schlussendlich stehe in einem Unternehmen der Mensch als Kunde im Zentrum. «Ein Unternehmen überlegt sich, wie man aus einer Innovation ein Geschäft machen kann», so Grüter. Zudem rügte der Nationalrat die Politik: «Sobald es um Digitalisierung geht, leert sich der Saal, und ein paar wenige machen die Stimme.» René Hüsler, Direktor des neuen Informatikdepartements der Universität Luzern in Rotkreuz, forderte, dass das vorhandene Risikokapital der Schweiz risikoreicher investiert werden solle, um Start-ups unterstützen zu können.

Wie und wie stark die Symbiose Mensch und Maschine sein werde, lässt sich heute noch nicht beantworten. Es stellt sich laut Eduard Kaeser die Frage, welches Menschenbild man bedienen wolle. Die Digitalisierung hält Einzug, und sie birgt mehr Chancen als Risiken, darin war man sich am Mittwochabend im Zugorama am Ende einig.


Leserkommentare

Anzeige: