Blumen bleiben zeitlos schön mit neuer Konservierungstechnik

ZUG ⋅ Die Chemikerin Hongli Willimann forscht mit Leidenschaft. Dabei hat sie eine eigene Technik entdeckt, wie sie natürliche Flora im Glas konservieren kann.
04. Dezember 2017, 04:38

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Eine blühende Rose oder eine Orchidee lassen uns ehrfürchtig staunen vor der Natur, die solche Schönheit hervorbringt. «Bei manchem Blumenstrauss fand ich es schade, dass er bald verblühen würde», sagt die ursprünglich aus China stammende Hongli Willimann. Obwohl es bereits Methoden zur Konservierung von Rosen gibt, beispielsweise mit Klarlack, Wachsüberzug oder Glyzerin, suchte die promovierte Zuger Chemikerin eine andere Technik, um frische Blumen so zu konservieren, damit sie Farbe und Schönheit behalten.

«Dafür habe ich in meiner Firma in Cham eigens eine Forschungsecke eingerichtet. Dort gab es diverse Versuche, Hunderte kaputte Gläser und Dutzende Kilos vernichteter Polymermasse. Es dauerte rund vier Jahre, bis ich die Lösung hatte, um die Blüten im schönsten Moment zu fixieren», berichtet Hongli Willimann und lacht bei der Erinnerung. Lange habe auch die Suche nach einer Schweizer Firma gedauert, die hochfeste, temperaturbeständige Gläser herstellt, die absolut rund und blasenfrei sein müssen. «Da gibt es nur wenige Produzenten in Europa. Dank der Zusammenarbeit mit der Glasi Hergiswil hat es geklappt.»

Schwieriger ist es mit Alpenblumen

Jetzt stehen die handgrossen Glaskugeln vor ihr, wo im Polymer-Gel die unterschiedlichsten Blumen dem Betrachter in ihrer natürlichen Schönheit entgegenstrahlen: lila und gelbe Chrysanthemen, rote Rosen, orange Gerbera, rötliche Akeleien, silbrige Pusteblumen, vertrocknete Kräuter oder Funde vom Strassenrand wie das Ahornblatt, das Hongli Willimann in seiner Form an ein tanzendes Paar erinnert. Fast erscheinen die Farben der Blumen im Glas strahlender als in der Natur. Dies löst bei der Erfinderin leichtes Schmunzeln aus. «Ja, das Glas bewirkt einen Vergrösserungseffekt, der die Lichtintensivität erhöht, denn die Kugel sammelt das Licht.» Darum gefällt es ihr, wenn das Glas von unten oder oben elektrisch angestrahlt wird.

Die Zugerin freut sich sehr über ihre blumigen Glaskugeln, aber so ganz zufrieden ist sie noch nicht. Sie würde gerne auch das Edelweiss und die Orchidee verwenden. «Doch es ist sehr aufwendig, um das strahlende Weiss der Alpenblume zu erhalten. Auch Blautöne sind schwierig zu konservieren. Farbe ist das Resultat von Chemie, und sie ist wahnsinnig empfindlich», weiss Hongli Willimann aus Erfahrung.

Das Rezept bleibt geheim

Und wie kommt denn die frische Blume in das rundum geschlossene Glas? Die Produzentin lacht und sagt: «Das ist ein geheimes Rezept. Als Klebstoff-Spezialistin habe ich per Zufall festgestellt, dass gewisse Substanzen die Blumen konservieren, sodass sie weder Farbe noch Formen verändern. Das hat meine Neugierde geweckt.» Sie verrät einzig, dass der Produktionsprozess für jede Kugel rund 10 Tage beträgt. «Das Ganze muss sehr sanft verlaufen, denn die Blume verträgt keinen Stress. Und alles wird in der Region produziert.» Sie betont auch, dass die Blumen von regionalen Produzenten stammen. Eigentlich wollte Hongli Willimann die Glaskugel patentieren lassen: «Dies habe ich aber abgeblockt, weil ich zu viele Details hätte bekanntgeben müssen. Weil die Herstellung so komplex ist und aufwendig, verzichte ich darauf, denn ein anderer Produzent hätte es auch nicht leicht.»

Seit Sommer sind die Glaskugeln in zwei Grössen (80 und 100 ml) über SwissFlora zu erwerben. Als Ziel strebt sie eine Vertriebspartnerschaft an. Abnehmer sind derzeit die Glasi Hergiswil und die Galerie Frank in Zug. Aber eine Glaskugel wird Hongli Willimann ganz sicher behalten – mit einer Blume drin, die sie einmal an einem Muttertag erhielt.

Hinweis

SwissFlora, INC Chemie SA, Alte Steinhauserstrasse 19, Cham: www.blumendeko-swissflora.com.


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