Böser Nachbarschaftsstreit in Steinhausen

ZUG ⋅ Ein Mann macht den Versuch, seinen Nachbarn loszuwerden: Die Zuger Polizei wie auch die Staatsanwaltschaft haben sich bereits mit dem Fall beschäftigt. Ein Ende des Konflikts scheint aber nicht absehbar.

16. Oktober 2016, 07:47

In der Tierfilmerei zählen sie zu den Königsdisziplinen – die Nachtaufnahmen. Ein Luchs am Riss, äsende Hirsche am Waldrand oder ein Wolfsrudel, das eine Talsohle durchquert. Als Nachtfilmer kann auch Robin Escher* auf einen grossen Erfolg zurückblicken. Dem Steinhauser lief jedoch nicht irgendein seltener, nachtaktiver Vierbeiner vor die Kamera, sondern sein Nachbar, Fritz Vollmer*.

Die Schwarz-Weiss-Bilder hinterlassen beim Betrachter einen irritierenden Eindruck. Da huscht nächtens ein Mann durch den Kamerabereich, dessen Bewegungen sich in ruckartiger Abfolge aneinanderreihen. Deutlich zu erkennen ist sein Gesicht. Er wirkt gehetzt, aber er fühlt sich, so macht es zumindest den Anschein, vollkommen unbeobachtet. Was treibt der Mann auf den Bildern zu dieser Uhrzeit?

Offensichtlich wird der flinke Fritz Vollmer zu dieser späten Stunde dabei gefilmt, wie er im Schutze der Dunkelheit Grassamen auf Nachbars Grundstück wirft. Und diese streut er nicht etwa auf die Rasenfläche vor Eschers Haus, sondern schmeisst die Körner in dessen Gemüsegarten. Diese Aussaat fällt dort naturgemäss auf fruchtbaren Boden, keimt und schiesst in die Höhe. Für Escher beginnt dann zum wiederholten Mal die mühselige und zeitaufwendige Arbeit des Unkrautjätens. Eigentlich wollte Escher die Filmaufnahmen dazu benutzen, um bei der bereits informierten Polizei Anzeige zu erstatten. Ein Mediator riet ihm aber von diesem Schritt ab. Im Nachhinein bereut er den Rückzieher.

Denn die wiederholten Samenattacken Vollmers sind gemäss Escher längst nicht die einzigen Schikanen, denen er ausgesetzt ist. Wer durch dessen Haus schreitet, dem kann nicht entgehen, dass allenthalben zentimeterdicke Kunststoffmatten an die Wände fixiert sind. Diese Schutzmassnahmen sind offenbar nötig, weil Vollmer seinen Nachbarn während der Nacht mit Lärm behelligt. Escher sagt: «Mein Nachbar setzt Tiervergrämungsgeräte ein. Diese erzeugen verschiedene höchst unangenehme Geräusche.» Escher hat auch schon Schüsse gehört, vermutlich von seinem Nachbarn abgefeuert mit einer Schreckschusspistole.

Lärmbelästigungen und Sachbeschädigungen

Hält Escher den nächtlichen Lärm nicht mehr aus, bietet ihm ein Verwandter Unterschlupf. Dieser sagt: «Das würde ich nie aushalten. Das Ganze ist wirklich tragisch.» Gemäss Escher wird rund um sein Haus auch regelmässig gestohlen. Einmal verschwinden Rollerblades, ein andermal ein Motorradhelm oder eine Sonnenbrille aus dem nicht abgeschlossenen Auto.

Auch Sachbeschädigungen gehören zu Eschers Alltag. In der Bestätigung eines Motorradhändlers, die der «Zentralschweiz am Sonntag» vorliegt, heisst es unter anderem: «Ausserdem kann ich bestätigen, beim (...) Motorrad am 4. 11. 2015 im Hinterpneu einen ca. 4 Zentimeter langen Einschnitt entdeckt zu haben.» Zudem wurde das Bike mit Streusalz beschädigt. Und ein Garagist hält in einem Schreiben fest, dass Escher sein Auto in der Zeit zwischen Januar und Februar 2016 zweimal mit zu geringem Reifendruck zum Service brachte. Der Garagist konnte an den Pneus aber keine Undichtigkeiten feststellen. Das lässt den Schluss zu, dass jemand bei Escher absichtlich die Luft aus den Pneus liess.

Die Staatsanwaltschaft hat sich bereits mit dem Fall Escher/Vollmer beschäftigt. Einmal ging es unter anderem um Sachbeschädigung, das andere Mal um üble Nachrede. Die Verfahren aber wurden im Februar eingestellt. Es würde nicht erstaunen, wenn sich die zuständige Staatsanwaltschaft künftig wieder mit dem Nachbarschaftsstreit in Steinhausen befassen müsste. Zu den Vorwürfen wollte Fritz Vollmer keine Stellung nehmen.

* Namen von der Red. geändert.

Thomas Heerthomas.heer@luzernerzeitung.ch


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