Bund zahlt für tote Bäume

LANDWIRTSCHAFT ⋅ Der Bund fördert Hochstammbäume mit Subventionsbeiträgen. Wie viel ein Bauer für seinen Baum bekommt, ist abhängig von verschiedensten Faktoren, die genauestens kontrolliert werden.

11. Oktober 2016, 05:00

Charly Keiser

Zuger Bauern lassen tote beziehungsweise beschädigte Hochstammbäume stehen, statt sie zu fällen. Dies, damit sie weiterhin die jährlichen Subventionen kassieren können. Dieser Vorwurf wurde unserer Zeitung zugetragen. Wie unsere Nachfrage beim Landwirtschaftsamt des Kantons Zug zeigt, stimmt dieser Sachverhalt im Grundsatz tatsächlich. Allerdings sei es so, dass die Bauern zu diesem Verhalten animiert werden, wie Amtsleiter Roger Bisig und Sachbearbeiter Thomas Wiederkehr erklären. Wiederkehr weiss genau, wovon er spricht. Er ist der Spezialist des Amts, der die nötigen Subventionsanforderungen der Hochstämmer kontrolliert.

«Bauer kann in rund 2100 Fettnäpfchen treten»

Zugrunde liegt dem Ganzen das Programm Acontroll des Bundes. Dieses liste sämtliche rund 2100 Fehler auf, welche ein Bauer bei der Bewirtschaftung seines Hofs nicht begehen darf, beginnt Bisig seine Ausführungen. «Ein kleiner gemischter Betrieb mit normaler Landwirtschaft und Tieren kann also rund 2100-mal ins Fettnäpfchen treten», doppelt er nach.

Wenn Bauern Direktzahlungen bekommen wollten, müssten sie einen ökologischen Leistungsnachweis erbringen, führt Bisig weiter aus. «Und ein Element für diesen Nachweis können die Hochstämmer sein.» Ein Baum sei, wenn man ihn richtig bewirtschafte, ein Element, das kostendeckend sei, erklärt Wiederkehr weiter und zählt auf: «In der sogenannten Qualität 1 gibt es im Moment einen Grundbeitrag von 13.50 Franken pro Jahr für jeden Hochstämmer, der da steht.» Für die Qualität 2 bekämen die Bauern momentan 31.50 Franken. «Die zusätzlichen Anforderungen sind da die Grösse, das Vorhandensein eines Vogelhäuschens, der Abstand zu anderen Bäumen und die Nähe zu Ökoflächen sowie ökologische Zusatzelemente wie etwa vorhandenes Totholz und so weiter», so Wiederkehr. Wenn der Betrieb ausserdem in einem Vernetzungsprojekt mitmache, würden pro Baum zusätzlich 5 Franken ausbezahlt, ergänzt er und sagt: «Für die Landschaftsqualität werden pro Baum weitere 5 Franken ausbezahlt, wenn die Bäume entsprechend gepflegt – also nicht verwildert – sind.» Und im Rahmen des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG) könnten dem Bauern weitere, bis zu 30 Franken pro Baum ausbezahlt werden, wenn dieser dahingehend qualifiziert sei. Bisig: «Zusammenfassend gesagt, ist der ökologisch optimale Hochstammbaum gross, grün und hat ein paar tote Äste und ein Spechtloch. Dann bekommt der Bauer für den Baum die Landschaftsqualitätsbeiträge.»

Gesunde Bäume müssen gepflegt werden

Der optimale produktive Baum habe natürlich kein Totholz, fügt Bisig an. «Und Bäume, die gesund sein sollen, müssen gepflegt werden.» Auch für produktive Bäume gebe es Subventionen, ergänzt er. So unterstützen Bund und die Kantone Zug, Luzern und Schwyz beispielsweise das Projekt Rigi-Zuger-Chriesi, das Hochstamm-Kirschbäume fördert. Dabei soll die Wertschöpfung aus Kirschhochstammbäumen verbessert und damit möglichst viele Chriesi und deren Produkte hergestellt werden.

Ist das heutige System denn nicht zu undurchsichtig? Könnte man es nicht vereinfachen? «Ja. Die Dichte der Auflagen ist zu gross, weil man dauernd in einen Konflikt gerät», antwortet Bisig und betont: «Es macht einfach keinen Sinn, wenn es so viele Auflagen gibt, dass man eigentlich gar keine Direktzahlungen mehr sprechen dürfte.» Besteht die Gefahr, dass die Bauern resignieren und zur Motorsäge greifen? «Das ist zu befürchten», sagt Bisig. «Darum wäre es wichtig, die Auflagen zu verringern und das ganze System zu vereinfachen. «Ich hoffe, dass der Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann diesbezüglich bald etwas erreichen wird.»


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