Dank Google Maps: Auf den Bus rennen ist jetzt vorbei

ZUG ⋅ Die Zugerland Verkehrsbetriebe kooperieren als erstes Transportunternehmen der Schweiz bei Fahrplaninformationen mit Google Maps. Diese Methode ist auch Sparmassnahmen geschuldet.

29. Oktober 2016, 05:00

Wann kommt der nächste Bus?, fragen sich viele Nutzer der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB). Die Beantwortung dieser Frage ist seit Anfang Oktober auf dem ZVB-Netz abseits der verschiedenen Knotenpunkte – mit elektronischer Fahrplananzeige – einfacher geworden. Voraussetzungen sind ein Smartphone und eine Verbindung mit dem Internet.

Die ZVB haben dafür aber keine eigene App entwickelt, sondern docken als erstes Transportunternehmen in der Schweiz bei Google Maps an, um die potenziellen Fahrgäste über den aktuellen Fahrplanstand zu informieren. Dazu ist es notwendig, auf Google Maps die gewünschte Haltestelle zu finden, von der eine Busverbindung gesucht ist. Dann braucht der ZVB-Nutzer nur auf das Stationssymbol zu drücken und die richtige Buslinie anzuklicken, und er erfährt so, ob es sich noch lohnt, zur Station zu rennen.

«Die Fahrplaninformationen werden alle dreissig Sekunden angepasst», sagt Dominik Herger, der bei diesem ZVB-Projekt die Federführung innehat. Daten über die Busverbindungen sind bis zu 30 Minuten vor der Abfahrt greifbar. Und zwar für das ganze Streckennetz der ZVB. Wichtig dabei: Die ZVB berücksichtigen bei ihrem internen Echtzeitfahrplan die aktuelle Verkehrslage sowie Umleitungen aufgrund von Baustellen oder grösseren Festivitäten. Und sozusagen als Beifang ist Google Maps auch hilfreich, um eine Reise mit dem öffentlichen Verkehr, dem Auto oder mit dem Velo zu planen.

Projekt in einem halben Jahr durchgezogen

Von der Idee bis zur Ausführung dieser virtuellen ZVB-Informationsplattform sei, so Herger, nur gerade ein halbes Jahr vergangen: «Wir haben nur ein Programm für die Schnittstelle entwickeln müssen, über die die Fahrplandaten, über die wir verfügen, mit der Google-Maps-Plattform verbunden werden konnten.» Das hat die ZVB laut Herger «einen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet».

Die ZVB-Mediensprecherin Kathrin Howald räumt ein, dass auch die Lösung mit einer App in Betracht gezogen worden sei: «Diese App zu entwickeln und den aktuellen Gegebenheiten anzupassen, wäre uns wesentlich teurer gekommen.» Und das sei in einer Zeit, in der Sparen angesagt sei, ein wichtiger Faktor gewesen. Howald glaubt auch, dass möglicherweise viele ZVB-Nutzer eine weitere App abgeschreckt hätte, Google Maps hingegen sei auf Smartphones schon beim Start verfügbar.

Auch der Support sei bei dieser Anwendungsart in Sachen Fahrplaninformationen einfacher und billiger. Zudem verlange, so Howald, Google Maps für den Service keine Gebühren.

Natürlich haben sich die ZVB-Verantwortlichen auch Gedanken über den Datenschutz gemacht. ZVB-Mediensprecherin Howald versichert: «Es werden keine heiklen Daten weitergegeben.»

Der Datenschutz ist gewährleistet

Claudia Mund, die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zug, sieht in der Methode, mit der die ZVB Fahrplaninformationen an ihre Nutzer weiterleiten, «kein Problem». Solche sähe sie nur, wenn die ZVB «Personendaten an Google weitergeben würden».

Sie sagt aber auch, dass die ZVB «durch diesen Dienst die Nutzer beziehungsweise wartende Personen auf die Seite von Google Maps leiten». Und Mund gibt auch gleich noch eine Anleitung dafür, wie der Nutzer des ZVB-Echtzeitfahrplans verhindern kann, dass Google Maps Persönliches preisgibt. Sie sagt: «Sie können auf Google Maps gehen, nachdem Sie im Smartphone den Ortungsdienst ausgeschaltet haben. So erfährt Google Maps nichts über den Nutzer.» Den Start des neuen Informationssystems bezeichnet der Projektverantwortliche Dominik Herger als gelungen: «Intern sind die ZVB-Mitarbeiter begeistert.»

Kathrin Howald hat bis jetzt keine Rückmeldungen aus der ZVB-Kundschaft erhalten. Dies wertet sie als «positiv». So oder so mache dieser neue Dienst «das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr im Kanton Zug noch einfacher».

Marco Morosoli

Der Tarifverbund Zug macht bei Fairtiq mit

Seit April 2016 gibt es die App «Fairtiq». Auf dieser Plattform können sich Nutzer des öffentlichen Verkehrs im Kanton Freiburg (Frimobil», in den Kantonen Luzern, Obwalden und Nidwalden («Passepartout») sowie «Engadin Mobil» ein Ticket mit ein paar Klicks erstehen. 
Mittlerweile sind noch «Libero» (Region Bern–Biel–Solothurn) und der STI («Region Thun») hinzugekommen. Und ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember dockt auch der Tarifverbund Zug an das Fairtiq-System an. Dies bestätigt die ZVB-Mediensprecherin Kathrin Howald. 
Der Fahrgast startet beim Einsteigen in den Bus oder in den Zug die Fairtiq-App. Dank der GPS-Ortung des Gerätes kann eruiert werden, wo der Fahrgast einsteigt. Am Ende der Reise schliesst der Nutzer die App. Ihm wird dann das preisgünstigste Billett verrechnet, das er via Kreditkarte oder Handyrechnung bezahlen kann. Vergisst ein Fahrgast, sich am Ende seiner Reise auszuchecken, erhält er nach einer gewissen Zeit automatisch eine Erinnerung, dies nachzuholen. 
Werbung macht der App-Betreiber mit dem Slogan «Die einfachste Fahrkarte der Schweiz», dies, weil dem Fahrgast immer das günstigste Billett verrechnet werde. Und dies ohne umständliches Tarifstudium. Um das Anstehen an einem Ticketautomaten zu vermeiden, muss sich der Fairtiq-Nutzer nur einmal anmelden. Daneben muss noch der Zahlungsmodus geregelt werden. Ebenso notwendig ist es, dass ein allfälliges Halbtax-Abonnement erwähnt wird, um nicht zu viel bezahlen zu müssen. Die Fairtiq-App gibt es kostenlos im App-Store (Apple) und für das Android-Betriebssystem im Google Play Store.


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