Der unsichtbare Dreck muss weg

CHAM ⋅ Die ARA Schönau rüstet auf: An der Delegiertenversammlung des Verbandes wurde der Baukredit für 15,5 Millionen Franken für eine weitere Reinigungsstufe genehmigt.

25. November 2016, 05:00

Medikamente, Kosmetika, Hormone und ähnliche Stoffe verschmutzen das Wasser, sind aber für das menschliche Auge unsichtbar. Diese können in der Natur grosse Schäden anrichten. Im Herbst 2015 hat der Bund deshalb die Revision des Gewässerschutzgesetzes beschlossen. Damit ist eine Abwasserreinigungsanlage (ARA) mit mehr als 100000 angeschlossenen Einwohnern verpflichtet, die Mikroverunreinigungen zu 80 Prozent zu eliminieren. Dies gilt auch für die ARA Schönau, an der 2015 147766 Einwohner angeschlossen waren. Mit der neuen Regelung ist der Gewässerschutzverband der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ) ab diesem Jahr verpflichtet, eine Abgabe von 9 Franken pro angeschlossenen Einwohner in einen Sonderfinanzierungsfonds des Bundes zu leisten. Sobald die ARA Schönau über die weitere Reinigungsstufe verfügt, muss der Verband die Gebühr nicht mehr bezahlen. An der kürzlich abgehaltenen Delegiertenversammlung des GVRZ wurde einstimmig die Genehmigung zum Bauprojekt «Elimination von Mikroverunreinigungen» erteilt.

In diesem Jahr hat der GVRZ bereits eine Abgabe in Höhe von rund 1,27 Millionen Franken an den Bund geleistet. Und diese «Strafgebühr» könnte weiterhin steigen: «Wir haben aktuell einen Zuwachs von 1,5 Prozent an angeschlossenen Einwohnern pro Jahr», sagt Bernd Kobler, Geschäftsführer des GVRZ. So wird bei der ARA Schönau ein bestehendes Becken in ein sogenanntes Kontaktbecken umgebaut: «In diesem wird dem Abwasser nach dem konventionellen Reinigungsprozess Pulveraktivkohle zugegeben. Im bereits bestehenden Sandfilter kann diese nach ihrer Verwendung wieder aus dem Abwasser entfernt werden», erklärt Kobler das künftige Verfahren. «Ziel ist es, die organischen Spurenstoffe aus dem Abwasser sicher und effizient zu entfernen.»

Die Methode mit der Pulveraktivkohle

Neben besagtem Verfahren, das in den vergangenen Jahren in einem Pilotprojekt auf der ARA Schönau getestet worden ist, gibt es noch ein anderes: die Oxidation mit Ozon. «Der Variantenvergleich zeigt, dass beide Verfahren gute Leistungen bringen können», sagt Kobler. Allerdings habe sich gezeigt, dass eine «Ozonung» aufgrund der Nebenprodukte, die beim Prozess entstehen, vermutlich alleine nicht ausreichen würde, so Kobler. So hätte der Verband zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Nachbehandlung nachrüsten müssen, um auch die Nebenprodukte zu entfernen. Deshalb der Zuschlag für die Methode mit der Pulveraktivkohle: «Bei diesem Verfahren geschieht eine vollständige Entfernung der Stoffe, und es entstehen keine Nebenprodukte.»

Das genehmigte Bauprojekt schlägt mit 15,5 Millionen Franken zu Buche. Allerdings: Nicht der Gesamtbetrag werde für die Entfernung der Stoffe gebraucht, schränkt Kobler ein. Aber nur Massnahmen, die für die Entfernung des unsichtbaren Drecks nötig sind, können zu 75 Prozent aus dem Sonderfinanzierungsfonds bezahlt werden. «Wir gehen davon aus, dass 11 bis 12 Millionen Franken zu 75 Prozent finanziert werden.» Diejenigen Massnahmen, die zum Wert­erhalt oder zur Kapazitätserweiterung der bestehenden Anlage dienen, müssten vollständig durch den Verband finanziert werden, erklärt Kobler weiter.

Der Umbau des Beckens zu einem Kontaktbecken beginnt nach der Baubewilligung etwa Mitte nächstes Jahr, und im Oktober 2018 soll das zusätzliche Reinigungsverfahren in Betrieb genommen werden. Denn Fakt ist: Mit der Massnahme spart der GVRZ, und zwar ab 2020 jährlich rund 485 000 Franken, schreibt der Verband in der Botschaft zur Delegiertenversammlung. Denn die erwarteten Betriebskosten der neuen Anlage würden bei 815 000 Franken pro Jahr liegen, dies neben der Zahlung von rund 1,3 Millionen Franken in den Fonds. «Die zusätzliche Reinigungsstufe ist inklusive der Kapitalkosten über den gesamten Zeitraum bis 2040 betrachtet rund 40 Prozent günstiger.»

Andrea Muff


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