Die Zuwebe hat eine Warteliste eingeführt

BAAR ⋅ Die bekannte Institution für die Integration behinderter Menschen spürt die Auswirkungen des Sparhammers und hat die Aufnahme in ihr Wohnprogramm gedrosselt. Ausserdem muss sie mehr nach wirtschaftlichen Kriterien funktionieren.

30. September 2016, 05:00

Was bedeutet die Schliessung der Schlosserei für die Zuwebe (Ausgabe vom 29. September)? Zunächst einmal eine der wenigen öffentlich gewordenen Negativmeldungen dieser Institution im Kanton Zug, die 2017 ihr 50-Jahr-Jubiläum feiern wird. Die Zugerische Werkstätte für Behinderte, wie sie bei ihrer Gründung hiess, ist über alles gesehen eine Erfolgsgeschichte. Allerdings hängt sie stark von der Zuwendung der öffentlichen Hand ab. Das verabschiedete Sparpaket des Kantons wird ein Loch in die Kasse der Zuwebe reissen: 1,3 Millionen Franken weniger erhält sie ab dem kommenden Jahr, das entspricht rund 5 Prozent des gegenwärtigen Gesamtbudgets.

Der Geschäftsleiter Antonio Gallego sagt, dass deshalb der Ausbau der Wohnmöglichkeiten ins Stocken gerät und entsprechend weniger sogenannte Klienten aufgenommen werden können. In den fünf verschiedenen Wohnmodellen ermöglicht die Zuwebe behinderten Menschen, an verschiedenen Standorten im Kanton Zug ein möglichst selbstständiges Leben zu führen. «In einigen Modellen haben wir bereits Wartelisten eingeführt», sagt Gallego.

Die Produktionsstätte im Hünenberger Industriegebiet Bösch wird im Jahr 2018 total saniert. Deshalb sind alle sechs Produktionsbereiche Überprüfungen unterzogen worden, auch in Bezug auf ihre Wirtschaftlichkeit. Bislang war das ein untergeordnetes Kriterium, wenngleich die Zuwebe seit jeher einen Teil ihrer Einnahmen selbst generieren musste. Der Niedergang der Metallverarbeitungsindustrie, der starke Franken und die Verlagerung leichter Arbeiten ins Ausland führen dazu, dass die Schlosserei Ende Januar 2017 geschlossen wird. Zur neuen Auftragslage gesellt sich die veraltete Infrastruktur, wie aus einer Medienmitteilung der Zuwebe hervorgeht. Das ist nicht die einzige Sparmassnahme: Die Zuwebe hat im laufenden Jahr «ein eigenes Entlastungsprogramm durchgeführt, in dem alle Geschäftsbereiche überprüft wurden», sagt Gallego. Das Resultat ist die Streichung von fünf Vollzeitstellen, im Fall der Schlosserei sind zwei Fachkräfte betroffen. Insgesamt beschäftigt die Zuwebe rund 170 Fachleute, die die über 250 arbeitenden Klienten unterstützen oder in der Administration tätig sind. Die Metallverarbeitung wird nach dem Wegfall der ihr zuliefernden hauseigenen Schlosserei unter Beobachtung stehen. Allfällige Konsequenzen würden gemäss Gallego «frühestens Ende 2017 erfolgen. Die Auszubildenden sollen auf jeden Fall ihre Lehre zu Ende machen können.»

Verhandlungen in anderen Bereichen

In Zukunft wird die Institution wohl vermehrt Einnahmequellen ausserhalb der Produktion finden müssen. Ein Anfang ist bereits getan. Die Zuwebe hat ihr Arbeitsangebot ausgebaut. Sie ist in verschiedenen Gastronomiebetrieben tätig sowie im Garten des Klosters Kappel am Albis (Ausgabe vom 12. August). «Die Gartenarbeit ist extrem beliebt bei unseren Klienten», sagt Gallego, der sich eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Kloster wünscht. Diese sei derzeit Gegenstand von Verhandlungen. Das gilt auch für die Zukunft der Zuwebe im Bistro der Hapimag in Baar. Die Firma hat kürzlich ihren Umzug nach Steinhausen bekannt gegeben. Die Zuwebe möchte das Lokal gern unabhängig vom Hauptmieter weiterführen für alle Angestellten im Gebiet Neufeld. Die Zahl möglicher Kunden wird nach der Eröffnung des riesigen Geschäftshauses Quadrolith in der Nachbarschaft zunehmen.

Der heute teilweise defizitären Gastronomie stellt Gallego eine gute Prognose: «Ende 2017 sollten wir aufgrund unserer Einsparungen über alle Betriebe hinweg eine ausgeglichene Rechnung präsentieren können.» Neue Wege geht die Zuwebe auch, was die Absatzkanäle ihrer selbst hergestellten Produkte anbelangt: Zum 50-Jahr-Jubiläum plant sie, einen Onlineshop zu eröffnen.

Raphael Biermayr


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