Ein Gewinn fürs Geschichtsbuch

GENERALVERSAMMLUNG ⋅ Die Kunsteisbahn AG hat den grössten Überschuss seit ihrer Gründung vor 50 Jahren eingefahren. Und in einer heiklen Angelegenheit ist eine Lösung in Sicht.

29. November 2016, 05:00

Der EV Zug feiert 2017 sein 50-Jahr-Jubiläum. Ohne Umschweife kann die Kunsteisbahn Zug AG (KEB) als EVZ-Geburtshelfer bezeichnet werden. Ohne den Bau von zwei Eisfeldern in der Herti wäre der Baarer Schlittschuhclub 1967 nicht im Eissportverein Zug aufgegangen. Das streicht Hans-Rudolf Wild an der 49. Generalversammlung am vergangenen Samstag heraus.

Der KEB-Verwaltungsratspräsident erwähnt vor den 28 anwesenden Aktionären, von denen viele Käufer der ersten Stunde sind, dass der damalige Bau der Herti auf eine private Initiative zurückgehe: «Die Gründerväter haben viel Knochenarbeit geleistet.» Wild vergisst aber den Beitrag der Stadt Zug nicht. «Ohne deren Zutun wäre es nicht gegangen. Sie hat im Laufe der Jahre viel Geld eingeschossen», stellt Wild lobend fest. In diese Kategorie gehört für den KEB-VR-Präsidenten auch der Bau der Bossard-Arena: «Es ist eine Erfolgsgeschichte, wenn ich daran denke, mit welchen Problemen Zürich bei ihrem Eishockeystadion kämpft.» Worte, welche der anwesende Stadtzuger Finanzchef Karl Kobelt gern hört.

Ein Gewinnsprung der erfreulichen Art

Der offizielle Teil einer Generalversammlung ist oft trocken. In diese Kategorie passt die KEB-GV nicht. Hans-Rudolf Wild verzichtet aufs Vorlesen des schriftlich vorliegenden Jahresberichtes. Er lässt vielmehr in freier Rede das Geschäftsjahr Revue passieren. Auf einen Punkt ist er speziell stolz: Die KEB hat im vergangenen Geschäftsjahr – es dauerte vom 1. Juni 2015 bis 31. Mai 2016 – einen Gewinn von 97570 Franken erwirtschaftet. Zum Vergleich: Vor einem Jahr hat dieser Wert bei 10012 Franken gelegen. Ein Ereignis hat diesen Gewinnsprung möglich gemacht: Die Streethockey-WM im Juni 2015. Der Ertrag aus Vermietungen ist – der WM sei Dank – von 156237 Franken auf 301725 Franken gestiegen. Für Hans-Rudolf Wild ist diese Veranstaltung wegweisend: «Es war die beste Vermietungsaktion der KEB seit ihrem Bestehen. Die Weltmeisterschaft hat gezeigt, was auf dem Arena-Platz möglich ist.» Die Vermietung soll bald aus einer Hand erfolgen. Bis jetzt ist die KEB für die Vermietung der Eisfläche verantwortlich, die Stadt Zug für den Arena-Platz. Das neue Vorgehen, so Wild, gäbe dem Veranstalter die Gewissheit, ein Kunde und kein Untertan zu sein. Auch die Bossard-Arena kann durch den Einbau der Sprühflutanlage besser vermarktet werden. Diese ist seit einem Jahr installiert (Ausgabe vom 17. Dezember 2015).

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten

Erfreut meldet der KEB-Verwaltungspräsident auch, dass die Zahl der Eintritte von täglich 576 (2015) auf 586 (2016) erhöht werden konnte. Einen grossen Teil seiner Redezeit verwendet Hans-Rudolf Wil jedoch für ein Ereignis, das fatale Folgen hätte haben können. Wild spricht von «gröberen technischen Problemen» (Ausgabe vom 1. Juni 2016). Die Wärmetauscher, die einerseits notwendig seien, um die Eisaufbereitung zu gewährleisten, andererseits benötigt würden, um die umliegenden Gebäude mit Wärme zu versorgen, hätten nach und nach den Geist aufgegeben. Ein Kauf dieser Tauscher ab Stange sei nicht möglich, die Lieferfristen seien wegen Einzelanfertigung aber sehr lang. Es habe schnell eine andere provisorische Lösung gefunden werden müssen. Denn: Ohne Eis wäre der EV Zug plötzlich «heimatlos» ge­worden.

Wild sagt dazu: «Über die wirtschaftlichen Folgen einer solchen Betriebseinstellung braucht man sich gar keine Gedanken zu machen.» Als Alternative habe sich angeboten, weiter mit den Wärmetauschern zu arbeiten, aber als Kühlmittel Ammoniak einzusetzen. Die Bauherrschaft hat sich beim Bau der Bossard-Arena für Kohlendioxid als Kühlmittel entschieden. Der Nachteil dieses Verfahrens: Die Druckunterschiede zwischen dem primären Kreislauf und dem Kühlmittelkreislauf sind gewaltig. Mit der Methode Ammoniak für beide Kreisläufe, die jetzt praktiziert wird, entfallen diese Differenzen. «Ich kann mir vorstellen, dass wir weiterhin voll auf Ammoniak setzen werden», sagt Wild. Dieses Kühlmittel werde zu Unrecht «verteufelt». Ein Ammoniakaustritt sei nur im Technikraum möglich. Dagegen sei alles Erdenkliche vorgekehrt worden. Wild erhält in dieser Sache Support vom KEB-Geschäftsführer Jürg Casalini: «Die jetzige Lösung hat sich bewährt und soll so weitergeführt werden.»

Auch Stadtrat Karl Kobelt ist dieser Ansicht: «Ich kann mir vorstellen, dass das alte Kühl­regime, das nun provisorisch angelegt ist, eine Dauerlösung wird.» Ein endgültiger Entscheid steht aber noch aus.

Marco Morosoli


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