«Ein Quartierkafi ist gut vorstellbar»

HÜNENBERG ⋅ Seit Anfang 2015 ist Franziska Roos Muff für die Altersarbeit in der Gemeinde zuständig. Im Interview erklärt sie, welche Projekte sie seitdem umgesetzt hat, wo die Herausforderungen liegen – und welche Ideen sie noch hat.

05. Oktober 2016, 05:00

Franziska Roos Muff, hat sich die Altersarbeit in Hünenberg nach gut anderthalb Jahren etabliert?

Ich erhalte viele positive Rückmeldungen und auch Lob. Den Hünenbergerinnen und Hünenbergern wird immer mehr bewusst, wofür ich hier bin und welches meine Aufgaben sind. Dennoch ist meine Arbeit nach wie vor etwas pioniermässig. Bieten wir etwas an, kommen die Leute gerne. Es wäre schön, würden die Senioren ihre Ideen noch mehr selber einbringen.

Kürzlich hat die Veranstaltungsreihe «Informiert in den Mittag» für Senioren gestartet. In kurzen Vorträgen werden dabei unterschiedliche Themen behandelt. Wie ist das Projekt angelaufen?

Ich war positiv überrascht, dass rund 35 Leute gekommen sind. Offenbar hat das Thema «Gedächtnistraining» viele interessiert. Auch die Zusammenarbeit mit Referenten aus der Region scheint gut zu funktionieren. Das freut mich, zumal diese Reihe ein gutes Beispiel für gelungene Netzwerkarbeit ist; beteiligt sind die beiden Kirchgemeinden, der Verein Kontakt sowie das Alterszentrum Lindenpark.

Welche weiteren Projekte haben Sie bislang organisiert?

Die halbjährlich stattfindenden Nachmittagsveranstaltungen sind ebenfalls gut angelaufen. Die letzte Veranstaltung zum Thema Ernährung wurde von rund 50 Personen besucht. Gemeinsam mit der Bibliothek habe ich das Lesebankprojekt wieder ins Leben gerufen. Weiter planen wir eine «Computeria» für ältere Menschen, die Probleme mit der Technik haben. Am 7. November werden wir zudem gemeinsam mit zwei Schulklassen eine Führung im neuen Schulhaus Ehret B durchführen. Seit gut einem Jahr ist die Alterskommission aktiv, ich habe einen Newsletter eingerichtet, die Homepage überarbeitet und schreibe eigene Beiträge im Gemeindemagazin. Es ist also viel passiert.

Welches sind die Herausforderungen bei der Altersarbeit?

Die Themenauswahl gestaltet sich schwierig, weil aus der Bevölkerung noch wenige Inputs kommen. Für die Veranstaltungen muss ich nach wie vor viel persönliche Werbung machen. Ausserdem wünsche ich mir, dass die direkten Anfragen noch zahlreicher werden. Es sind sich offenbar viele nicht bewusst, dass man mich anrufen kann und allenfalls bereits eine einfache Auskunft Probleme etwas lösen kann.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Oft geht es um Geldfragen. Die meisten Anfragen, die ich bislang erhalten habe, kamen von alleinstehenden Frauen, die von der AHV und Ergänzungsleistungen leben. Ich konnte in diesen Fällen zum Beispiel einen Tipp betreffend die Krankenkassenprämien geben oder eine Adresse einer Stiftung oder Genossenschaft vermitteln, die günstige Alterswohnungen anbietet.

Wann haben Sie als Altersfachfrau Erfolgserlebnisse?

Natürlich dann, wenn unsere Veranstaltungen auf Interesse stossen. Oder wenn ich mit Fachwissen weiterhelfen kann. Ich schätze auch das Miteinander. Beispielsweise bin ich mit Vertretern von Sportvereinen zusammengesessen. Wir haben die Möglichkeiten und Angebote von Bewegung im Alter diskutiert. Dieser Austausch und die Netzwerkarbeit machen mir Spass. Und ich spüre von allen Beteiligten eine grosse Offenheit.

Sie haben zu Beginn Ihrer Tätigkeit von einem Pilotprojekt im Bereich der Nachbarschaftshilfe gesprochen. Ist diese Idee bereits fortgeschritten?

Ja. Der Gemeinderat hat kürzlich ein Projekt über drei Jahre gutgeheissen. Wir starten demnächst mit der Planungsphase und werden wohl im kommenden Jahr anfangen. Ob wir ein einzelnes Quartier auswählen oder gleich auf dem ganzen Gemeindegebiet aktiv sein werden, steht noch nicht fest. Es ist wichtig, dass in diesem Bereich etwas geht, denn die Entwicklung, dass die älteren Menschen länger daheim bleiben wollen, spüren wir auch in Hünenberg. Sobald dies reif ist, werden wir informieren.

Das Projekt Kiss («Keep it small and simple») ist derzeit in aller Munde. Immer mehr Gemeinden setzen sich mit der Nachbarschaftshilfe mittels Zeitgutschriften auseinander. Ist das in Hünenberg auch ein Thema?

Der Gemeinderat hat sich entschieden, nicht auf Kiss zu setzen, sondern ein eigenes Modell auszuarbeiten. Der Gedanke dahinter ist, die Nachbarschaftshilfe nicht allzu stark zu formalisieren.

In welchem Bereich möchten Sie die Altersarbeit ausbauen?

Ich will noch mehr hinausgehen zu den Leuten. Gerade im Sommer ist ein Treffpunkt wie ein Quartierkafi gut vorstellbar.
 

Hinweis
Franziska Roos Muff (55) ist in einem 30-Prozent-Pensum als Fachperson Alter bei der Gemeinde angestellt. Sie lebt mit ihrer Familie in Hünenberg.

 

Interview: Rahel Hug
 


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