Quadfahren - ein Spass mit Risikofaktor

VERKEHR ⋅ Der in Oberägeri verunfallte Quad-Fahrer ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Fast jeder kann mit einem solchen vierrädrigen Gefährt fahren. Der Umgang ist jedoch nicht ganz einfach.

15. März 2017, 05:00

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Am Sonntag verunfallte ein 65-jähriger Quad-Fahrer in Oberägeri schwer. Er kollidierte bei einem Selbstunfall mit einer Holzbarriere und zog sich schwere Verletzungen zu. Am Dienstag ist er seinen schweren Verletzungen erlegen. Das teilt die Zuger Strafverfolgungsbehörde in einer Mitteilung mit. Quads gehören zur Kategorie der Kleinmotorfahrzeuge. Vier dicke Räder, ein Chassis, fast ähnlich dem eines Motorrads, und ein freigelegter Motor: Quads rufen nur so nach Freiheit, Wind und Abenteuer. Tatsächlich handelt es sich dabei quasi um Motorräder auf vier Rädern – ideal dafür geeignet um unwegsames Gelände abseits der Strasse zu erkunden.

Sie kommen leicht über Stock und Stein, können je nach Hersteller zudem bis zu 100 Stundenkilometer schnell fahren. Quads werden vor allem in der Freizeit genutzt. Durch das hohe Tempo lassen sich grössere Strecken in kurzer Zeit zurücklegen. Doch die kleinen Geländefahrzeuge haben ihre Tücken: Der Lenker ist trotz Helm und angemessener Kleidung ungeschützt. Quads fahren sich ganz anders als Personenwagen und Motorräder. Die Fahrzeuge sind nicht für die Strasse, sondern eben für das Gelände konzipiert. Deshalb ist die Bodenfreiheit grösser. Das bedingt, dass der Schwerpunkt höher als bei anderen Fahrzeugen liegt. Das bedeutet vor allem, dass ein Quad schnell zur Seite kippen kann. Die Handhabung ist nicht ganz einfach (siehe Infobox).

Jeder Autofahrer darf auch Quad fahren

Eine auf Quads ausgerichtete Gesetzgebung und Regelung gibt es aber nicht. Jeder, der entweder einen Führerausweis der Kategorie B (Auto) oder der Kategorie A (Motorräder bis 35 Kilowatt Leistung) hat, darf ungeprüft mit einem Quad fahren. Auch Fahrstunden sind nicht obligatorisch. Einzig eine Helmpflicht gibt es seit 2006.

Ist ein Quad beim Strassenverkehrsamt korrekt eingelöst, darf er auf allen öffentlichen Strassen bewegt werden. Da ist auch die Autobahn keine Ausnahme. «Vor­ausgesetzt, die bauartbedingte Mindestgeschwindigkeit liegt bei 80 Stundenkilometern», erklärt Sandra Peier, Mediensprecherin der Zuger Polizei. Das allerdings gilt für alle Fahrzeuge, die auf einer Autobahn unterwegs sind. Die korrekte Einlösung beim Strassenverkehrsamt beinhaltet auch, dass jeder Quad ein Motorradkontrollschild erhält. Wie viele Quads im Kanton Zug registriert und damit unterwegs sind, kann Markus Feer, Leiter des Strassenverkehrsamts Kanton Zug, auf die Schnelle nicht genau beziffern. «2016 waren nicht mehr als 110 Kleinmotorfahrzeuge im Kanton immatrikuliert», führt er aus.

Bei Unfällen mit den kleinen Geländewagen kommt es oft vor, dass der Lenker in einer Kurve aus dem Sitz geschleudert wird und mit einem Hindernis kollidiert. Weiterhin auffällig ist der hohe Anteil von Alleinunfällen dieser Fahrzeuge – ganz ähnlich, wie er in Oberägeri geschehen ist. Allgemein ist das Risiko, bei einem Quad-Unfall getötet oder schwer verletzt zu werden, erhöht. Von einer Häufung der Unfälle könne man im Kanton Zug aber nicht sprechen, sagt aber Sandra Peier. Und auch Markus Feer vom Strassenverkehrsamt kann nicht bestätigen, dass das Fahren mit Quads gefährlicher ist als mit anderen Vehikeln. «Kein Fahrzeug ist gefährlich, wenn die Vorschriften über die Betriebs­sicherheit eingehalten sind und der Einsatz sicher und vernünftig ist», gibt er aber zu bedenken. Diese Entscheidung liegt dann ganz alleine beim Fahrer.

 

Der Umgang mit Quads

Quads sind bis zu 200 Kilogramm schwer und als Geländefahrzeuge konzipiert. Bevor man mit hohem Tempo durch das Gelände fährt, sollte man unbedingt die richtige Haltung üben und das Fahrgefühl austesten. Besondere Vorsicht ist in den Kurven geboten. Wie bei einem Auto neigt sich der Quad in Kurven nach aussen. Der Oberkörper muss dabei in Richtung des Kurveninnern verlagert werden. Anders als bei einem Motorrad muss bei einem Quad richtig gelenkt werden, was Kraft braucht. Grundsätzlich gilt: Übung macht den Meister – am Anfang am besten auf abgesperrtem Terrain.

Wichtig ist auch die richtige Kleidung. Es gibt eine Helmtragepflicht. Lange Hosen und bedeckte Arme minimieren das Verletzungsrisiko aber genauso wie Schutzkleidung. Dazu gehören etwa Handschuhe, Schutzbrillen und Knie- und Ellenbogenprotektoren. (cro)


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