Er hat auch die Wirtschaft im Blick

ROTKREUZ ⋅ Luzian Franzini ist bereits der zweite Zuger in Folge an der Spitze der Jungen Grünen Schweiz. Politisch interessiert ist er seit Kindesbeinen.

14. März 2016, 05:00

«Ich will mal Bundesrat werden.» Mit diesen Worten wurde der elfjährige Luzian Franzini in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 16. Juni 2007 zitiert. Der Anlass war die erste ordentliche Generalversammlung des neuen Schülerparlaments in der Gemeinde Risch. Das habe er so deutlich aber nicht geäussert, sagt er heute mit einem Lachen. Die Journalistin habe ihm die Aussage in den Mund gelegt.

Mittlerweile ist Luzian Franzini zwar nicht Bundesrat, spielt aber dennoch auf der Bühne der nationalen Politik eine grössere Rolle. Am 30. Januar wurde der Rotkreuzer neben Judith Schmutz und Ilias Panchard zum Co-Präsidenten der Jungen Grünen Schweiz gewählt. Er trat in die Fussstapfen des Baarers Andreas Lustenberger, der zurückgetreten ist. Franzini ist damit gleich der zweite Zuger in Folge, der an der Spitze der Schweizer Jungpartei steht.

Zivildienst in Muri

Der Zeitpunkt, das Präsidium zu übernehmen, sei für ihn ideal, sagt der aufgeweckte junge Mann im Gespräch. Im vergangenen Sommer hat Luzian Franzini die Matura an der Kantonsschule Zug absolviert. Kurz darauf musste er den Militärdienst antreten – eine Sache, die ihm nicht so richtig behagen wollte. «Ich musste mich überwinden und wurde trotzdem zum Weitermachen gezwungen. Das kam für mich nicht in Frage», erzählt er. Der 20-Jährige entschied sich für den Zivildienst, den er letzte Woche anfing – bei der Jugendarbeit in der Freiämter Gemeinde Muri.

«Bis dahin hatte ich viel Zeit, mich um alles Organisatorische zu kümmern und mich in die Dossiers der Jungen Grünen einzulesen», erzählt Franzini. Er sei sich bewusst, dass es jetzt etwas strenger werde, alles unter einen Hut zu bringen. «Ich freue mich aber auf das, was kommt.» Im September will der engagierte Jungpolitiker mit dem Studium der Internationalen Beziehungen in Genf anfangen. «Ich möchte Zusammenhänge verstehen. Die Kombination aus Wirtschaft, Geschichte und Politik reizt mich.» Das Französisch habe er schon gut im Griff, meint der redegewandte Zuger; im vergangenen Herbst hat er einen Sprachaufenthalt in Montpellier absolviert. Für die Zeit an der Uni will er sich in Genf eine WG suchen. «Zu den Vorstandstreffen in Bern werde ich dann etwa den gleich langen Anreiseweg haben wie bisher.»

Noch lebt Luzian Franzini daheim bei seinen Eltern am Lerchenweg in Rotkreuz, wo er auch aufgewachsen ist. Er komme aus einer politischen Familie, schildert er. Seine Grossmutter politisierte als Grossrätin für die CVP in Luzern. Seine Mutter gehörte 1986 zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe «Gleis 3», aus der später die Grünen Risch-Rotkreuz hervorgingen. «Schon als kleines Kind haben mich in der ‹Tagesschau› die politischen Themen interessiert», erzählt der passionierte Kletterer und Gitarrenspieler. Dass seine Ansichten «grün-rot» sind, wusste er ebenfalls bereits als Primarschüler. «Meine Familie hat mich sicher geprägt», bemerkt er und fügt nicht ohne Stolz an, dass auch sein jüngerer Bruder Konradin seit drei Jahren bei den Jungen Grünen aktiv ist.

Fokus auf wirtschaftliche Fragen

Politisch hat sich Luzian Franzini zum Ziel gesetzt, den Jungen Grünen zu Wachstum zu verhelfen. Ebenfalls möchte er den Fokus vermehrt auf wirtschaftspolitische Fragen legen. «Ich bin der Meinung, die Grünen sollten ein möglichst breites Themenspektrum haben. Dazu gehört eben auch die Wirtschaft.» Es sei schwierig, den Wählerverlust der Partei im vergangenen Herbst zu analysieren. «Es fiel den Grünen schwer, eigene Themenschwerpunkte in die Debatte einzubringen», vermutet der Co-Präsident. Geht es um wirtschaftliche Fragen, ist Franzini vor allem eines wichtig: «In der Ökonomie muss immer der Mensch im Vordergrund stehen. Das ist eines meiner Hauptanliegen.» Gerade in Zug würden multinationale Konzerne agieren, welche «nur an Rendite und keinerlei sozialen oder ökologischen Bedürfnissen interessiert sind».

Bevor sich das Co-Präsidium nun jedoch vertieft mit strategischen Fragen beschäftigen wird, will das Dreierteam vor allem einen Vorstoss vorantreiben. «Wir möchten bis im Oktober die Zersiedelungsinitiative einreichen.» Diese verlangt von Bund, Kantonen und Gemeinden, sich für nachhaltige Wohn- und Arbeitsformen sowie für eine Siedlungsentwicklung nach innen einzusetzen.

Mit seinen neuen Aufgaben hat sich Franzini, der sich als «nicht gerade der Ordentlichste» bezeichnet, arrangiert. «Ich muss viele Mails beantworten oder Medienmitteilungen verfassen», erklärt er. Das alles organisatorisch im Griff zu haben, sei ihm anfangs nicht leicht gefallen. «Mittlerweile funktioniert es aber ganz gut», sagt er mit einem Lachen.

In der Natur anzutreffen

Und wie lebt der junge, motivierte Politiker die grünen Anliegen in seinem persönlichen Alltag? «Meine Familie besitzt beispielsweise kein Auto, und wir bauen Gemüse im eigenen Garten an», erzählt Franzini. Ausserdem achte er auf fair produzierte Kleidung und darauf, nur selten mit dem Flugzeug zu verreisen. Das letzte Mal geflogen ist er als Schüler im vergangenen Sommer, nach Mallorca auf die Matura-Reise. Der Rotkreuzer gibt sich auch selbstkritisch, wenn es um sein eigenes Konsumverhalten geht: «Es gibt immer Verbesserungspotenzial. Ich könnte zum Beispiel noch weniger Fleisch essen.»

Agiert der 20-Jährige nicht auf der Polit-Bühne, ist er häufig in der Natur anzutreffen. «Ich bin gerne in den Bergen, sei es beim Klettern oder auf einer Skitour.» Joggen geht er jeweils im Sijentalwald – direkt vor seiner Rotkreuzer Haustür. Mit seiner Heimatgemeinde und dem Kanton Zug fühlt er sich stark verbunden. «Eine grössere linke Szene oder aufregende Beizen sucht man hier zwar vergebens. Dafür muss man nach Luzern oder Zürich gehen.» Trotzdem sei Zug für ihn «einer der schönsten Flecken der Schweiz». Am liebsten hält sich Franzini im Sommer in Buonas am See auf. Mit seinen Freunden trifft er sich beispielsweise in der Althus-Bar am Zuger Landsgemeindeplatz. «Ich könnte mir gut vorstellen, in der Stadt Zug alt zu werden», verrät er und schiebt nach: «Wenn ich es mir dereinst leisten kann.»

«Politische Arbeit macht Spass»

Für eine Beziehung würde ihm aktuell die Zeit fehlen, gibt Franzini, der sich als zufriedener Single bezeichnet, zu. Im Privatleben etwas zurückstecken zu müssen, nimmt er aber derzeit gerne in Kauf. «Ich habe mich darauf einstellen können, und die politische Arbeit macht mir Spass. Kommt dazu, dass unser Dreier-Präsidium eine echt lässige Truppe ist.» Angst hat der Zuger Jungpolitiker kaum vor etwas. «Obwohl, vor einem Auftritt in der ‹Arena› hätte ich schon Respekt», räumt er ein. «Grundsätzlich stehe ich aber gerne im Scheinwerferlicht.» Wer weiss, vielleicht kommt diese Eigenschaft Luzian Franzini dereinst als Bundesrat zugute?

Rahel Hug


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