Fitnesscenter lassen die Muskeln spielen

ZUG ⋅ Die Fitnessbranche wächst stark. Durch die grossen Anbieter herrscht zunehmend ein Verdrängungskampf. Doch wie ist die Lage im Kanton Zug?

15. Oktober 2016, 05:00

In der Schweizer Fitnessbranche passiert einiges. Grossverteiler wie Migros und Coop bauen eigene Ketten auf und kaufen kleinere Geschäfte. Alleine im letzten Jahr wurden mehr als 50 neue Geschäfte eröffnet, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Im Schnitt gehört jedes vierte zu einer Kette wie One Fitness (Migros) oder Update (Coop). Viele Zentren stehen zum Verkauf, weil sie nicht rentieren. Findet dieser Verdrängungskampf auch im Kanton Zug statt?

Wir haben bei verschiedenen Zentren nachgefragt, ob und wie sie diesen Konkurrenzkampf erleben. Kilian Käppeli, Geschäftsführer des Fitnesszentrums Bodyworx in Steinhausen, erklärt: «Vom Verdrängungskampf merken wir nichts.» Das Studio gibt es seit 2013, und da war die Konkurrenz schon auf dem Markt. «Trotz der wachsenden Konkurrenz haben in den letzten drei Jahren über 2400 Leute ein Abo bei uns abgeschlossen.» Kunden würden sie keine verlieren, im Gegenteil. Anfang 2017 werde in der Stadt Zug ein neuer Standort eröffnet, und aktuell stecke man in Verhandlungen für weitere Zentren in den Kantonen Zug, Luzern und Schwyz, sagt der Geschäftsführer.

Trends bemerken und auf die Welle aufspringen

Ähnlich geht es dem seit letztem Jahr in Zug ansässigen Indigo Fitness Club. Wie Bodyworx verliert auch das Zuger Studio keine Kunden. Nicola Hungerbühler, Club Manager, spürt noch nicht sonderlich, dass die grossen Zentren nach Zug kommen. Dennoch ist Hungerbühler auf der Hut. Falls der Verdrängungskampf wirklich zunehmen würde, dann würden die Grossen durch ihren «immensen finanziellen Rückhalt zuschlagen», erklärt der Club Manager. «Wer also klein ist und nicht zurückschlagen kann, wird geschluckt. Migros und Coop sind stark am Aufrüsten, und man muss aufpassen, dass man sich nicht zurücklehnt», sagt Hungerbühler. Zurzeit sei der Zuger Fitnessmarkt noch konstant, aber die Branche ändere sich schnell. «Wer heute nicht schon an übermorgen denkt, hat längerfristig verloren», sagt Hungerbühler. Klar sei, dass die Fitnessbranche stark abhängig davon sei, wer die Trends schneller bemerke und dann auf die Welle aufspringen könne. Für den David sei das einfacher als für den Goliath. «Sollte es eines Tages tatsächlich nur noch zwei Anbieter geben, wie von gewissen Seiten befürchtet wird, dann sind wir definitiv an der Spitze angelangt, und die Branche verliert ihre Vielseitigkeit und ihre Attraktivität», erklärt Hungerbühler.

Laut dem Club Manager seien der grosse Vorteil einerseits die vielen hochwertigen Services und andererseits die beschränkte Mitgliederanzahl. «Die Kunden können in entspannterer Atmosphäre trainieren, weil es weniger Leute hat.» Nicht jedes neue Zentrum sei auch ein direkter Konkurrent. Manchmal mache es Sinn, nicht alleine an einem Standort zu sein, erklärt er weiter.

Ein Fitnesscenter, welches den Konkurrenzdruck stärker spürt, ist das Trainingscenter mit angeschlossener Arztpraxis Medigym in Baar. Der dortige Sportwissenschaftler Tobias Böhringer erklärt: «Eigentlich sind wir in keiner Weise direkte Konkurrenz für grosse Zentren. Unser Ziel ist es, dass Risikoklienten wie etwa Diabetiker oder Herz-Kreislauf-Patienten die Möglichkeit haben, ohne Angst einem Training nachgehen zu können», sagt Böhringer.

«Dem breiten Markt ist kein kleines Studio gewachsen»

Bei grösseren Ketten haben die Patienten dafür meist gar keine Möglichkeit. «Das ist nur durch hoch qualifizierte Betreuung eines Sportwissenschaftlers möglich. Da dieses Konstrukt jedoch nicht von den Krankenkassen anerkannt wird, müssen wir uns zwangsläufig mit den grossen Studios messen», sagt Böhringer. Vor allem Einsteiger werden von den grossen Ketten meist mehr angezogen, weil sie anscheinend mehr für ihr Geld erhalten, sagt der Sportwissenschaftler.

«Dem breiten Angebot ist kein kleines Studio gewachsen. Dementsprechend richtet sich bei uns notgedrungen der Preis nach Dingen wie Öffnungszeiten und eingeschränkten Werbebudgets. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern, da der normale Konsument uns auch weiterhin kaum wahrnehmen wird», sagt Böhringer. Es sei ihm bewusst, dass sich auch in naher Zukunft wenig an der Nischenposition seines Zentrums ändern wird.

Jonas Indra


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: