Gartenstadt rüstet sich für Gericht

ZUG ⋅ Bewohner der ehemaligen Arbeitersiedlung der Landis + Gyr kämpfen gegen den Abriss einer ganzen Häuserzeile. Dabei machen sie sich nun parat für ihre letzte Hoffnung auf Erfolg.

16. März 2017, 07:16

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

«Der Weg vor Gericht wird wohl noch der einzige gangbare Weg sein, der uns bleibt», sagt Astrid Estermann. Die Politikerin der Alternativen-die Grünen (ALG) und Bewohnerin der Gartenstadt in Zug, organisiert dort den Widerstand. Vor einer Woche hat sie dazu einen Verein gegründet, den Verein Pro Gartenstadt. Dieser soll den finanziellen Rückhalt bei Einsprachen und rechtlichen Verfahren sichern. «Am liebsten hätten wir den Dialog, aber das geht offenbar nicht.»

Objekt des Anstosses ist der geplante Abriss und Neubau von 13 Mehrfamilienhäusern mit zirka 80 Wohnungen in der Gartenstadt, der ehemaligen Landis + Gyr-Arbeitersiedlung. Das Projekt der beiden Eigentümer, der Gebäudeversicherung Zug sowie der Baugenossenschaft Familia Zug, ist seit rund zwei Jahren bekannt. Seither kämpfen ein Teil der Bewohner des Quartiers und einzelne Stadt-Parlamentarier der ALG, CSP und GLP ge­gen das Vorhaben

Weil der politische Weg aber bisher aus ihrer Sicht ohne Erfolg blieb und das Projekt weiter voranschreitet, hat Astrid Estermann nun den Verein aus der Taufe gehoben. Bisher zählt er 22 Mitglieder. Bis auf drei wohnen alle in der Gartenstadt. Das soll aber erst der Anfang sein, wie sie sagt: «Wir suchen weitere Mitglieder und Gönner.» Dies können Bewohner der Gartenstadt sein, aber auch Sympathisanten, die woanders zu Hause sind.

Ein erster Einsatz des Vereins sei bereits klar, sagt, Estermann. «Sobald das überarbeitete Bauprojekt zur Baubewilligung aufliegt, werden wir dagegen eine Einsprache einreichen.» Zusätzlich werde auch sie als Privat­person gegen das Projekt klagen. «Wenn nötig sicher bis zur zweiten Instanz», so Estermann. «Un­ser Ziel ist es, den Abriss der 13 Gartenstadt-Häuser zu verhindern. Je mehr Einsprachen eingereicht werden, desto besser.»

Es gibt keinen Weg zurück

Wenig überrascht über die Vereinsgründung ist die Gebäudeversicherung Zug, welche mit 10 Häusern den Hauptteil des Projektes stemmt. «Dies ist der logische nächste Schritt des Widerstandes», sagt Geschäftsführer Max Uebelhart. Für ihn bedeutet der angesagte Rechtsweg der Gegner vor allem eines: eine Verzögerung. Denn ein Zurück gibt es für ihn offenbar nicht: «Wir können nicht dreieinhalb Jahre ein Projekt vorwärtstreiben und es danach sein lassen.» Die Pläne für die Neubauten der 13 Häuser befinden sich seit rund 14 Monaten in Überarbeitung, da sie die Stadt in der ursprünglichen Form nicht akzeptierte. Nun soll das überarbeitete Projekt im Sommer zur Baubewilligung eingegeben werden. Uebelhart zeigt sich zuversichtlich: «Das ist nicht das erste Projekt, das durch mehrere Instanzen muss.»

Gleichzeitig ärgert er sich aber auch über den Widerstand, den die linke Politikerin organisiert. «Die Häuser sind nicht isoliert. Also sperren sich dieselben, die sich sonst für die Umwelt einsetzten, nun gegen die Verbesserung der Situation.» Denn ein Gutachten sei zum Schluss gekommen, dass der Rückbau und Neubau der Häuser die einzige sinnvolle Lösung sei. Zudem habe man heute teilweise Mühe, die Wohnungen zu vermieten. «Mit den kleinen Zimmern und nur einer Nass- zelle entsprechen sie einfach nicht mehr den Anforderungen von heute».


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