In der Stadt Zug eröffnet eine Hanftheke

ALTSTADT ⋅ Die erste Hanftheke Zugs hat eröffnet. Verkauft werden Spaghetti aus Hanf, Nahrungsergänzungsmittel und Fläschchen mit dem«Wundermittel» Cannabidiol. Die bisherigen Kunden sind überwiegend älteren Semesters.
21. März 2017, 05:00

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Wer glaubt, statt nach Amsterdam reisen zu müssen, für einen legalen Hanfrausch zukünftig einfach ins Raingässli 3 in der Zuger Altstadt gehen zu können, liegt falsch. Die neue Hanftheke, über die «Zentralplus» letzte Woche berichtete, lässt sich nicht mit einem holländischen Coffeeshop vergleichen.

Das Einzige, was ansatzweise doch an eine solche erinnern könnte, sind die Hanfblüten, von denen einige wenige auf dem Verkaufstresen ausgestellt sind. «Wir empfehlen, die Hanfblüten aus Gesundheitsgründen nicht zu rauchen, sondern sie zum Kochen oder Würzen zu verwenden. Aber der eine oder andere Kunde gesteht uns ganz offen, dass er sie zum Rauchen kauft», sagt der 30-jährige Alessandro Bernasconi. Sein Bruder und sein Vater haben letzte Woche das kleine Geschäft im Keller eröffnet. Er selbst ist einer der drei Verkäufer, die sich abwechseln. Die Kunden, welche die Blüten doch rauchen würden, seien solche, die sich gerade das Kiffen abgewöhnen würden, sich aber aus Gewohnheit das Gefühl bewahren wollten. «Für eine Betäubung sorgen unsere Blüten aber nicht mehr, ihr THC-Gehalt ist gering», sagt Bernasconi weiter.

Eine Mischung aus Bioladen und Drogerie

Der Grossteil des Sortiments der Firma Swiss Cannabis SA, deren Franchisenehmer die Hanftheke ist, sieht aus wie eine Mischung aus Drogerie- und Bioladenprodukten: Spaghetti mit Hanf, geröstete Hanfsamen, eine Brille aus Hanf, Nahrungsergänzungsmittel auf Hanfbasis und ein Hanfsüssmost. «Von dem ist nur noch eine Flasche übrig, der ist ein richtiger Verkaufsrenner», sagt Bernasconi. Die Produkte auf Hanfbasis wie die Spaghetti würden vor allem Menschen ansprechen, die Wert auf natürliche Produkte legen würden. Von Lifestyle lasse sich aber noch nicht ­reden. Jedes Produkt steht in einem separaten Regalfach. In einem Teil des Regals sind die Fächer nur mit kleinen Fläschlein gefüllt. Oft stehen nur zwei oder drei davon darin. «Wenn fünf Personen gleichzeitig hier sind, besteht durchaus Diebstahlgefahr», erklärt Bernasconi. Denn diese Fläschlein haben ihren Preis: Er liegt oft bei über 100 Franken.

Sie enthalten den so genannten Wunderstoff Cannabidiol, jedoch fast kein THC. Cannabidiol (CBD) ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus dem weiblichen Hanf. CBD hemmt nachweislich Entzündungen und wirkt entspannend und hat damit eigentlich die gegenteilige Wirkung von THC. Mit diesem Wirkstoff hat der Boom der Hanftheken, die es schon in etlichen Schweizer Grossstädten, so auch in Luzern, gibt, hauptsächlich zu tun. Beflügelt wurde dieser durch eine Dokumentation des Fernsehsenders CNN vor einigen Jahren. Diese handelt von Charlotte Figi, die an einer seltenen Form von Epilepsie leidet. Da keines der vorhandenen Medikamente half, überlegten die Ärzte schon, sie zur Erholung von ihren Anfälle in ein künstliches Koma zu versetzen, als die Eltern sich entschieden, es mit Cannabidiol zu versuchen, und dieses selbst herstellten. Heute hat sich die Zahl ihrer Anfälle deutlich reduziert.

Am Nachmittag nimmt er die Tropfen

Auch Alessandro Bernasconi nimmt das Cannabidiol. Er nutzt die wasserlöslichen Tropfen mit 10 Prozent Cannabidiol-Anteil. «Es hilft gegen meine Migräne. Diese setzt meist gegen Nachmittag ein. Normale Tabletten wirken erst etwa nach einer halben Stunde, Cannabidiol viel schneller.» Auch etliche Kunden, die er seit der Eröffnung bedient habe, würden das Cannabidiol aus ähnlichen Gründen einnehmen. «Einer kaufte es wegen Schlafstörungen und hat mir schon berichtet, dass es ihm geholfen habe.» Eine Heilungsempfehlung dürften die Mitarbeiter des Geschäfts nicht aussprechen. «Ich kann höchstens von positiven Rückmeldungen berichten.»

Die meisten Kunden des Geschäfts würden zum ersten Mal mit seinem Angebot in Kontakt kommen. «Sie haben schon davon gehört und wollen es jetzt einfach einmal ausprobieren.» Einige davon seien auch schon wiedergekommen. Die meisten Kunden sind überraschenderweise über 50 Jahre alt. «Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass eher Junge kommen, die vielleicht von den Grasblüten angelockt würden.» Noch nicht zu Besuch gekommen sei die Polizei. «Wir haben durchaus damit gerechnet und sind bereit, ihnen unsere Produkte zu erklären», so Bernasconi (siehe dazu das Kurzinterview mit Polizeisprecher Frank Kleiner). Auch negative Rückmeldungen im Sinne von «Das ist eine Drogenabgabestelle» hätten sie bisher noch keine erhalten. Damit rechne er aber auch nicht, sagt Bernasconi, denn das Geschäft sei seriös. Dies solle auch das Firmenschild verdeutlichen, das keine Hanfpflanze beinhaltet, sondern aus einem nüchternen Schriftzug und dem Wappen des Kantons Zug besteht. «Wir tragen keine weissen Kittel, doch vom Stil her soll das Geschäft eher an eine Apotheke als an einen Hanfshop erinnern.»


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