Geniesser mit Kämpferherz

FUSSBALL ⋅ Der SC Steinhausen hat drei der vier letzten 3.-Liga-Spiele verloren. Der Verteidiger Flavio Fruci hofft, die Negativserie bald beenden zu können. Doch er weiss nur zu gut, dass es Wichtigeres gibt im Leben.
21. April 2017, 08:13

Martin Mühlebach

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Nach dem Rücktritt von mehreren Stammkräften sah sich der SC Steinhausen im vergangenen Sommer gezwungen, ein neues Team aus vorwiegend jungen Spielern aufzubauen. Trainer Kusi Winiger sprach von einer «reizvollen Aufgabe» und hoffte, möglichst bald einen Platz im vorderen Mittelfeld der Tabelle einnehmen zu können.

Die Hoffnung schien in Erfüllung zu gehen. Nach dem Abschluss der Vorrunde lag sein Team mit 15 Punkten aus elf Spielen auf dem sechsten Tabellenrang. Nach einer guten Vorbereitung im Trainingslager in Santa Susanna in Katalonien nahm der SC Steinhausen die Rückrunde mit einem Vorsprung von sechs Punkten auf die beiden Tabellenletzten Goldau und Menzingen in Angriff. Trainer Winiger war frohen Mutes, die zum vorzeitigen Ligaerhalt benötigten Zähler rasch ergattern zu können.

Aber es kam anders. Der Rückrundenstart misslang gründlich. Aus den bisher gespielten vier Partien resultierte nur ein einziger Punkt, während die Teams aus der hinteren Tabellenregion fleissig punkteten. Für Steinhausen ist die Luft dünn geworden. Der Vorsprung auf den elften Tabellenrang, der am Ende der Saison den Abstieg in die 4. Liga bedeuten würde, beträgt nur noch einen Punkt.

Flavio Fruci, der 20-jährige rechte Aussenverteidiger des SC Steinhausen, erkennt: «Statt wie geplant im vorderen Mittelfeld der Tabelle Unterschlupf zu finden, sind wir nun in den Abstiegskampf verwickelt. Die Stimmung in unserem Team ist aber weiterhin sehr gut. Alle sind bestrebt, ihr Bestes zu geben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die zum Ligaerhalt nötigen Punkte noch einfahren werden.» Um wieder auf die Erfolgsstrasse zurückzufinden, müssten individuelle Fehler behoben werden. Die Zuspiele kämen nicht beim Adressaten an, was dem Spielfluss schade. «Wir wissen, wo der Hebel anzusetzen ist», sagt ­Fruci, der seit seiner Zeit als F-Junior die grün-weissen Farben des SC Steinhausen trägt.

Besonders gerne erinnert er sich an seine Zeit als A-Junior, wo der heutige Aussenverteidiger im zentralen Mittelfeld spielen durfte. Fast enthusiastisch erzählt er: «Ich versuchte, meinen Idolen Gennaro Gattuso und Zinédine Zidane nachzueifern, deren Spielweise mich beeindruckte. Gattuso bewunderte ich wegen seines unermüdlichen Einsatzes, Zidane wegen seiner stupenden Technik und Übersicht.»

Von Schicksalsschlag geprägt

Flavio Fruci sagt, er sei im Privaten gerne mit seinen Kollegen unterwegs, wenn etwas los sei. Aber ebenso gerne sei er im Kreis seiner Familie oder für sich allein. Unvermittelt erzählt er: «Oftmals vermisse ich meinen Vater Franco.» Jener war früher selber in der ersten Mannschaft des SC Steinhausen aktiv und danach als Schiedsrichter tätig. Er verstarb im Alter von nur 51 Jahren an einem Herzstillstand.

Heute sei ihm erst so richtig bewusst, sagt Flavio Fruci, wie schön die gemeinsame Zeit mit seinem Vater gewesen sei. Besonders gerne erinnere er sich an die gemeinsamen Ferien in Italien. Früher habe er das als selbstverständlich erachtet. Heute wisse er die Erinnerung als Privileg zu schätzen. Und durch den frühen Tod seines Vaters sei ihm auch klar geworden, wie schnell sich alles ändern könne. Als glücklicher Single, der «auf keine Freundin Rücksicht nehmen» müsse und tun und lassen könne, was er wolle, geniesse er jeden Tag, so gut es gehe. Im Sommer schliesst er die Ausbildung zum Polymechaniker ab. Die praktische Prüfung hat er bereits bestanden. Das gilt auch für die Autofahrprüfung – allerdings auf den letzten Drücker: «Ich war seit eineinhalb Jahren im Besitz des Lernfahrausweises. Vor vier Monaten habe ich festgestellt, dass dieser am 1. April abläuft.» Sichtlich stolz führt Fruci aus: «Am 29. März habe ich die Prüfung abgelegt – und zum Glück bestanden.»

Morgen zu Gast beim Tabellenführer

Morgen muss der SC Steinhausen um 18 Uhr beim Leader Sins auf dem Sportplatz Letten antreten. Dazu sagt der Verteidiger: «Wir müssen über den Kampf ins Spiel kommen, um auf dem für uns ungewohnt engen Spielfeld etwas Zählbares herausholen zu können.» Sins ist der klare Favorit. Das heisst aber auch, dass Steinhausen trotz seiner momentan ungemütlichen Tabellenlage unbelastet antreten und etwas riskieren kann.


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