Gier, Gold und etwas Käse

ZUG ⋅ In der Shedhalle wurde sehr viel gelacht. Grund dafür war die Aufführung von Gardi Hutters Programm. Und ihr darin beklagtes käseloses Dasein.

20. März 2017, 09:25

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch

Zottlige Mähne und eine niedliche Stupsnase – das Mäuschen, welches immer wieder über seinen langen Schwanz stolpert, ist dem Publikum in der Zuger Shedhalle augenblicklich sympathisch. Seit langer Zeit beobachtet es mit Akribie einen Käse in einer Falle liegend, notiert sich Veränderungen zu Form und Farbe in der Hoffnung, irgendwann in den Käfig hineinzukommen, um sich dort genüsslich den Bauch vollzuschlagen. Dabei hat diese Versuchung schon viele Verwandte in den Tod geführt.

Mit wenig Worten, stattdessen mit viel Gestik und Mimik sind Gardi Hutter die Lacher im Publikum garantiert. Immer wieder wird dieses an der Aufführung vom Freitagabend auch miteinbezogen. So sollen sich vier männliche Zuschauer auf die Schultern steigen, um den Mond einzufangen, der aussieht wie ein durchlöcherter Käse.

«Ein sensationelles Programm, welches mich vor allem überzeugt hat, weil es mit viel Mimik umgesetzt wurde und äusserst lebendig wirkte», findet Zuschauer René Fasan aus Zug. Immer wieder werden auch musikalische Szenen eingespielt, so zupft die Maus an den Gitterstäben wie an einem Saiteninstrument und beklagt ihr käseloses Dasein.

«Der Mond ist nicht zu hoch»

«So ein Käse» beschäftigt sich auf äusserst humorvolle Weise mit Sein und Haben, Geld und Gold, Übersättigung und Langeweile, Gier und Konsum. «Der Mond ist nicht zu hoch, du musst nur an dich glauben», meint das Mäuschen, kurz bevor es seinen Freund, die Fliege, in eine ­Kanone setzt, um sie hochzuschiessen – und ist entsetzt, als die Fliege explodiert. Eine groteske Sturheit der Maus, die bei Jung und Alt für Lacher sorgt. Die Theater- und Musikgesellschaft Zug hat sich entschieden, das Stück «So ein Käse» zu zeigen, weil die Themen nach wie vor hochaktuell sind.

Ein Spass, der zum Nachdenken anregt

Sobald die Maus an den Käse kommt, macht sie es sich gemütlich im «Einfallenhaus» und frisst sich ein Bäuchlein an. Eindrucksvoll spielt die Clownin die Maus, sodass manch einer vollends völlig abtaucht und miteifert. Ein lebendiges Stück, das in erster Linie Spass macht und in zweiter Linie vielleicht doch zum Nachdenken anregt, wenn die Maus dann von Langeweile geplagt in ihrem neuen Heim vor dem Fernseher bummelt. «Besonders beeindruckt haben mich auch die vielen schrägen Ideen, welche die Maus hatte. Aus wenig Requisiten wurde viel gemacht», meint Zuschauer René Fasan. Der kräftige Applaus für Gardi Hutter beweist, dass gute Stücke nicht alt werden.


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