Grosser Einsatz für günstigen Wohnraum

CHAM ⋅ Seit mehr als 50 Jahren stellt die Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham Wohnungen für Familien und ältere Menschen zur Verfügung. Nun übergibt Präsident Toni Luginbühl die Führung in neue Hände. Er geht mit einem guten Gefühl.
21. April 2017, 08:00

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Mit total 240 Wohnungen ist die Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham (GBC) eine der grössten Wohnbaugenossenschaften im Kanton. Und sie blickt auf eine lange Geschichte zurück: Im Jahr 1964 gründete der spätere Gemeindepräsident und Regierungsrat Heinrich Baumgartner die GBC. Bereits 1966 wurden am Enikerweg die ersten Familienwohnungen gebaut.

Besonders in den letzten Jahren hat die Genossenschaft einen grossen Wandel erlebt. So haben moderne Strukturen, ein professionelles Controlling sowie die klare Trennung zwischen dem strategisch tätigen Vorstand und der operativ agierenden Geschäftsstelle eine vereinsartige Organisation abgelöst. Das ist zu einem wesentlichen Teil das Verdienst von Toni Luginbühl. Er wirkte während sechs Jahren als Präsident der GBC. Nun hat er an der letzten Generalversammlung das Zepter seinem Nachfolger Josef Huwyler übergeben.

Erhalten und Erneuern, lautet die Devise

Luginbühl verlässt die GBC mit einem guten Gefühl. «Wir sind gut aufgestellt», sagt der ehemalige Chef der Zuger Kantonalbank, der das Präsidium der GBC nach seiner Pensionierung übernommen hatte. Die bei seinem Amtsantritt formulierten Ziele habe man erreicht, die Neuerungen erfolgreich umgesetzt und gleichzeitig die Philosophie der Gründer bewahrt, erklärt der 69-Jährige. Konkret spricht Luginbühl unter anderem die zahlreichen Sanierungen an. «Wir haben Liegenschaften, die zum Teil vor 50 Jahren gebaut wurden, auf Vordermann gebracht. So können wir bezahlbare Wohnungen erhalten. Private Investoren hätten diese Gebäude möglicherweise abbrechen lassen.»

Erhalten und Erneuern, lautet also kurz zusammengefasst die Devise der Genossenschaft. «Dadurch gibt es bei uns auch sehr wenige Kündigungen», führt Luginbühl aus. Und er sagt nicht ohne Stolz: «So verstehen wir gemeinnützigen Wohnungsbau.» Das alles bedeutet aber nicht, dass die GBC nicht wachsen soll. Waren es im ersten Jahr noch 48 Genossenschafter, sind es heute bereits 380. In den letzten sechs Jahren ist das Angebot um rund 15 Wohnungen gewachsen. Weitere 13 entstehen im Sommer an der Ecke Enikerweg–Pilatusstrasse.

Für den abtretenden Präsidenten ist dieses Projekt «ein Musterbeispiel für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand». Zwar seien dem Neubauprojekt lange Verhandlungen vorausgegangen, doch es habe sich gelohnt. Die Gemeinde Cham hat der GBC die freie Ausnützung auf der Parzelle übertragen, was eine verdichtete Bauweise ermöglicht. Ausserdem hat das kantonale Amt für Wohnungswesen zugesichert, die Wohnungen mittels Zusatzverbilligungen zu fördern. Der Spatenstich ist für diesen Sommer vorgesehen.

Der Bezug zur Gemeinde Cham ist wichtig

Die GBC hat zum Ziel, in erster Linie Wohnraum für Familien und ältere Menschen zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist dabei auch der Bezug zur Gemeinde. «Personen, die zu Cham eine besondere Beziehung haben, bevorzugen wir bei der Wohnungsvergabe», schildert Ruth Dössegger. Die 68-Jährige ist seit 2011 Leiterin der Geschäftsstelle an der Mugerenstrasse. In dieser Funktion hat sie mit den Mietern und den Interessenten viel Kontakt. «Es sind zum Teil berührende Schicksale, die wir antreffen», erzählt sie. «Vielen Menschen geht es finanziell nicht ganz so gut, wie man auf den ersten Blick in einem Kanton wie Zug vielleicht denkt.»

Es sei für sie eine grosse Motivation, mit der Arbeit in der Genossenschaft für solche Menschen etwas tun zu können. Doch nicht allen gelingt es, eine Wohnung der GBC zu bekommen. «Unsere Wartelisten sind lang. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren klar gestiegen», sagt die Geschäftsleiterin. Das erstaunt kaum, bietet doch die Genossenschaft heute noch 4-Zimmer-Wohnungen an, die pro Monat nicht mehr als 1000 Franken kosten.

Interesse an Wohnungen auf dem Papieri-Areal

Wohin steuert die Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham in Zukunft? «Wir halten die Augen und die Ohren bezüglich Bauland offen», sagt Toni Luginbühl. Eine grosse Herausforderung sieht er darin, dass in Zukunft mit dem Abriss von alten Liegenschaften und geplanten Neubauprojekten vermehrt preisgünstiger Wohnraum zu verschwinden drohe. «Die grosse Frage ist, wie wir diese Wohnungen erhalten können. Um solche Liegenschaften zu erwerben, braucht es Geld und die richtigen Rahmenbedingungen.» Könnte da die Initiative für bezahlbaren Wohnraum der Jungen Alternativen und der Juso Zug Abhilfe schaffen? Dazu möchten sich sowohl Toni Luginbühl als auch Ruth Dössegger nicht äussern. «Wir wollen uns nicht in den Abstimmungskampf einmischen. Es ist einfach wichtig, dass gemeinschaftliches Engagement aus der Gesellschaft heraus entsteht», sind sich beide einig.

Die Verantwortlichen der GBC jedenfalls wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Auf dem Papieri-Areal sollen dereinst 100 preisgünstige Wohnungen entstehen. Der Vorstand hat sein Interesse angemeldet. «Es ist noch nichts spruchreif», sagt Toni Luginbühl. «Sollte die GBC den Auftrag erhalten, freut uns das natürlich. Wenn nicht, realisiert jemand anderes die Wohnungen. Das ist auch in Ordnung. Hauptsache, es entsteht preisgünstiger Wohnraum.»


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