Haus der Religionen wird ausgezeichnet

ZUG ⋅ Der Doron-Preis wird aus Stiftungsgeldern von Marc Rich finanziert und hat gestern zwei einzigartige Häuser geehrt. Eines davon ist das interkulturelle «Labor des Zusammenlebens» in Bern.
23. März 2017, 05:00

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Gestern Abend ist im Rathaus am Fischmarkt zum 32. Mal der mit über 100000 Franken dotierte Doron-Preis verliehen worden. Dieser wurde von Glencore-Gründer Marc Rich ins Leben gerufen und soll jährlich innovative und gemeinnützige Aktivitäten mit einem Bezug zur Schweiz anerkennen und fördern. Dieses Jahr wurden die Association Maison blanche aus La Chaux-de-Fonds sowie das Haus der Religionen in Bern ausgezeichnet. Ersterer ist es zu verdanken, dass das Erstlingswerk des Jahrhundertarchitekten Charles-Édouard Jeanneret-Gris – besser bekannt unter dem Namen Le Corbusier –, die Villa Maison blanche, restauriert und für die Nachwelt erhalten wurde. Das Haus der Religionen ist ein Haus Gottes, dessen Dach sich Gemeinden von fünf Glaubensrichtungen teilen. Seite an Seite feiern und beten hier am Europaplatz in Bern seit über zwei Jahren Buddhisten, Christen, Hindus, Aleviten und Muslime in ihren Sakralräumen. Delegationen von beiden Projekten fanden sich gestern im Gotischen Saal in der Altstadt ein und nahmen die Preise entgegen.

Das Haus der Religionen ist ein Raum der Dialoge. Ein «Labor des Zusammenlebens», sagte David Leutwyler, Geschäftsleiter der fünf Räume im Haus Gottes. Leutwyler und sein Team versuchen die Erfahrungen, die sie in diesem einmaligen Projekt sammeln, in die Welt zu tragen. Auch Besuch von weit her zieht das innovative Projekt an. Am 28. März erwartet das Haus der Religionen eine Delegation von je einem hochrangigen Vertreter der jüdischen, muslimischen und christlichen Religions­gemeinschaften aus Aserbaidschan, um Modelle interreligiösen Zusammenlebens zu diskutieren. «Viel Arbeit gibt es aber nicht nur in Krisengebieten, sondern auch hier bei uns in der westlichen Gesellschaft», sagte Leutwyler.

Zurzeit läuft in Bern etwa die Aktionswoche gegen Rassismus mit dem Slogan «Ich bin kein Rassist, aber …». Leutwyler hofft dabei auf eine grosse Beteiligung der Bevölkerung. «Denn Vertrauen entsteht nicht in Zeitungen oder übers Fernsehen, sondern nur im praktischen Austausch.»

Die Worte von Roger de Weck

In seiner Laudatio gestern betonte der SRG-Chef Roger de Weck die «gewaltige Sprengkraft», die religiöse Konflikte in Europa in der Vergangenheit hatten. Von den Konquistadoren in Südamerika über den Sonderbundskrieg in der Schweiz zum Holocaust, dem Versuch, eine ganze Glaubensgemeinschaft auszurotten, dem die «Katastrophe unseres Kontinentes schlechthin» entsprang. «Gerade auch im Kontext der überall in der Welt aus ihren Löchern kriechenden Hitzköpfe ist das Haus der Religionen ein wichtiger Entwurf eines Gegenpols. Wir brauchen Orte wie diesen, an dem der Dialog kultiviert wird», so de Weck.


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