Hochhäuser in Zug sind «ehrlich»

STÄDTEBAU ⋅ Seit Monaten liegt das neue Hochhausreglement der Stadt Zug auf dem Tisch. Noch ist es politisch nicht in trockenen Tüchern. Jetzt nimmt das Bauforum Zug Stellung.

07. Oktober 2016, 06:40

Hochhäuser sind eine emotionale Angelegenheit: Weil mit ihnen das Image von Modernität und Urbanität verbunden wird – aber auch jenes von anonymen Grossstadtverhältnissen. Auch in Zug, wo Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schiessen, werden diese immer wieder diskutiert – wie etwa der aktuelle Bebauungsplan Unterfeld unterstreicht.

Nun will die Stadt Zug mit dem Hochhausreglement klare Regeln festlegen – damit ein Wildwuchs von Hochhäusern nicht möglich ist und das Stadtbild in Sachen Wachstum und Verdichtung nicht leidet. Dafür hat die Stadt klare Bauzonen definiert (siehe Box).

Nach aussen internationalen Rohstoffhandelsplatz zeigen

Zum Projekt, das sich momentan in der Vernehmlassung befindet, meldet sich nun das Bauforum Zug zu Wort. «Anders als etwa in Luzern haben Hochhäuser in der Stadt Zug eine gewisse Tradition und sollten unserer Meinung nach auch künftig das Bild unserer Stadt prägen können und ­dürfen», heisst es zu Beginn der Stellungnahme. Das Bauforum spricht sogar davon, dass Hochhäuser in Zug neben dem Kern der historischen Stadt ein «identitätsstiftendes städtebauliches Element» schaffen könnten. «Vielleicht ist das Bild der Stadt mit einer Ansammlung von hohen Volumen entlang der Nord-Süd-Achse ein sehr ehrliches, wenn es darum geht, nach aussen hin den internationalen Rohstoffhandelsplatz zu zeigen.»

Apropos. Gerade die Nord-Süd-Achse der Stadt Zug, vom Bahnhof Zug ausgehend beidseitig entlang der Gleise bis vor die Gemeindegrenze Baar, erscheint dem Bauforum als ideales Territorium für weitere Hochhäuser. «Diese städtischen Gebiete sind bereits heute stark frequentiert. Hochhäuser können in dieser urbanen Zone neue Identitäten schaffen», versichert Bauforums-Präsident Thomas Baggenstos. Allerdings sei nicht geklärt, wie und wo diese Hochhauszone im Norden ihren Abschluss finde. Deshalb müsse die Stadt Zug mit der Gemeinde Baar diesbezüglich das Gespräch suchen.

Darüber hinaus empfiehlt die Architektenvereinigung, die vorgeschlagene Hochhauszone Richtung Westen nicht mehr weiter ins Kalkül zu ziehen. Die Gründe: Erstens seien dort keine weiteren Hochhäuser mehr möglich. Zweitens veranschauliche gerade das Uptown-Hochhaus neben der Bossard-Arena, «dass dort besonders hohe Häuser städtebaulich nicht überzeugen».

Auch was die Fassadengestaltung künftiger Hochhäuser in Zug angeht, redet das Bauforum Klartext. Bei einem Hochhaus spiele eine sorgfältig gestaltete und im «städtebaulichen Kontext eingewobene Fassade» eine wesentliche Rolle. Baggenstos plädiert auch für eine bessere Dachgestaltung – weil Zug aufgrund seiner Topografie von oben gut einsehbar sei. Und wenn es um die Nutzung etwaiger künftiger Obergeschosse von Hochhäusern geht, zieht die Zuger Architektenvereinigung die Lehren aus dem politischen Hickhack um den öffentlich nutzbaren Raum im Park-Tower sowie aus der kränkelnden «Sky-Lounge».

Mehrwert für Öffentlichkeit und Städtebau gefordert

«Viel wichtiger für das öffentliche Interesse ist die Beziehung des Hochhauses zum Strassenniveau», steht in dem Papier. Will heissen: Es soll künftig der Nachweis erbracht werden, dass der Aussenraum eines Hochhauses einen öffentlichen und städtebaulichen Mehrwert erzeugt. Was die «Ausfransung» der Hochhauszone in Richtung Nordosten in Zug angeht, sprich im Areal der V-Zug AG, soll die Zuger Firma mehr Sorge dafür tragen, dass eine Verzahnung mit den umliegenden Wohnquartieren stattfindet.

Kritik übt das Bauforum Zug auch an der Vision einer von Hochhäusern gesäumten äusseren Lorzenallmend. «Die geplanten Dimensionen haben ein neues massgeblich höheres Level als alles Bisherige.» Dabei sei noch gar nicht geklärt, welche Konsequenzen dieses Projekt auf die Gemeinden Cham und Steinhausen habe. Nicht zuletzt trete dieser Entwurf eben in Konkurrenz zur Haupthochhausachse in Zug.

Wolfgang Holz


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