Hungriger Biber hinterlässt an der Lorze seine Spuren

HAGENDORN ⋅ Umgestürzte Bäume zu Wasser und zu Lande: Einem Nager behagts derzeit bestens – unweit von Zuger Wohnquartieren.

12. Januar 2014, 17:04

Ein Biber hat beachtliche Zähne – den grossen Bäumen nach zu schliessen, denen das Tier an den Stamm gerückt ist. Zum Teil 50 Jahre alte Weiden hat der Nager einfach flachgelegt: Sieben Bäume hat der Biber bis Mitte Dezember letzten Jahres gefällt, drei angefressen. Zwei liegen im Land, fünf im Wasser.

«Biber sind nicht scheu»

«Nicht zum ersten Mal wagt sich ein Biber im Kanton Zug so nahe an das Siedlungsgebiet», sagt Peter Ulmann, Co-Leiter des kantonalen Amts für Wald und Wild. «Biber sind nicht extrem scheu», erklärt Ulmann den Vorstoss des Nagers, der, nicht zu übersehen, auf der Suche nach Futter und Baumaterial unterwegs ist. Wobei der Biber die Bäume fälle, um vor allem an das feinere Astmaterial und an die zartere Rinde in den Baumkronen zu gelangen – wohin es das zottige Kerlchen mit seinem langen Schwanz sonst nicht hoch schaffen würde. «Das Totholz auf dem Boden ist sehr gut für das Ökosystem», versichert der Amtsleiter. Und am Baumstrunk würden dadurch wieder junge Triebe austreiben. Dass es an der Lorze wieder Biber gebe, wertet Ulmann als «gutes Zeichen» für die Qualität des dortigen Naturraums. Und dass Biber sich generell in der Schweiz wieder so zahlreich vermehrten, könnte mit der grossen Zahl an Renaturierungen zu tun haben.

So weit, so gut. Aber was ist mit den gefällten Bäumen? Bleiben die einfach so liegen? Der Bauer, dem das angrenzende Feld gehört, konnte nicht einmal sein Maisfeld im Herbst vollständig abernten. «Die Bäume stellen keine akute Gefährdung dar», sagt Ulmann. «Wir haben die Entwicklung an der Lorze im Blickfeld und werden die vom Biber gefällten Bäume bis spätestens Ende Februar in den Ufersaum hineinziehen lassen, damit sich die Behinderungen für die Landwirtschaft im Rahmen halten, und damit es keine Gefahr bei Hochwasser geben kann.» Eventuelle Dammbauten des Bibers würde man aber aus Sicherheitsgründen entfernen. Ausserdem könnte man bestimmte Einzelbäume bei Bedarf vorbeugend einzäunen, damit diese der Biber nicht fälle und diese dann nicht auf Häuser oder Strassen stürzen könnten. «Mehr können wir aber nicht tun, denn der Biber ist eben ein Wildtier und gestaltet sich auf diese Weise seinen Lebensraum», so Ulmann.

Anderer Biber verunfallt

Besagter Biber hält sich anscheinend schon seit drei Jahren an der Lorze zwischen dem Frauental und Hagendorn auf und ist offenbar von der Reuss den Fluss hochgewandert, um sich ­einen neuen Lebensraum zu schaffen, so der kantonale Wildhüter Ernst Suter. «Der Biber ist derzeit sehr aktiv. Er ist ein totaler Landschaftsgestalter», sagt er und schmunzelt. Momentan sei dieser Biber wohl der einzige im Kanton Zug. Es seien aber auch schon Exemplare am Binnenkanal der Reuss und einmalig am Zugersee erspäht worden. Den «südlichsten» Artennachweis für einen Biber an der Unteren Lorze hat es übrigens laut dem Amt für Wald und Wild durch ein am 7. Juni 2013 beim Kraftwerk Hagendorn tot aufgefundenes Tier gegeben. Dieses wurde dem Naturhistorischen Museum zur Obduktion und Präparation übergeben.

Die Todesursache war offensichtlich ein schwerer Unfall, bei dem der Biber aus grösserer Höhe gestürzt sei und sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen habe. Peter Ulmann sagt dazu: «Aus den Fundumständen muss geschlossen werden, dass das Tier das Kraftwerk Hagendorn umwandern wollte und dabei von einer Umfassungsmauer abgestürzt ist.»


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