In Zug gehen die Musikhäuser aus

STADT ⋅ Jede Gemeinde im Kanton Zug hat seine Musikvereine. Der entsprechende Fachhandel verschwindet aber immer mehr. So könnte es in Zug schon bald keine Instrumente mehr zu kaufen geben.

27. November 2016, 05:00

Zug scheint Musikern nicht gut gestimmt zu sein. Das Blashaus in der Neustadt hat sein Hab und Gut gepackt und ist nun in Luzern stationiert. Nachdem bereits im September die Eigentümer des Musikhaus Röllin in Pension gingen und die Türen des Unternehmens für immer geschlossen haben (Ausgabe vom 11.November) gibt es nun nur noch ein grösseres Musikgeschäft in der Stadt: das Musikhaus Schmitz an der Ägeristrasse. Doch auch dessen Inhaber Daniel Gempeler will das Geschäft noch höchstens ein Jahr lang betreiben und dann in Pension gehen. Findet er keinen Nachfolger, wird auch er Ende 2017 für immer schliessen, wie er sagt. Dann wäre das auf Streichinstrumente spezialisierte Il Violino in der Unteraltstadt das einzig Musikhaus in der Stadt.

Der Wegzug des Blashauses, der einzigen lokalen Werkstatt für Holz- und Blechblasinstrumente in Zug, ist insbesondere für Besitzer von solchen ein ziemlicher Verlust. Es sei schade, dass das Blashaus nun weg sei, sagt Nicki Jäger. Er ist Präsident der Big Band Zug. «Es war super, wenn man sein Instrument am Morgen vor der Kanti oder bevor man auf den Zug ging, noch kurz beim Blashaus vorbeibringen konnte und es am Tag darauf bereits wieder zurück hatte. Das wird nun fehlen.» Auch ­Käthi Schmid von der Harmoniemusik der Stadt Zug, bedauert den Wegzug. Sie ist Materialwartin und kümmert sich unter anderem um die fünf Blechblasinstrumente, welche die Harmoniemusik selber besitzt. «Wenn bei diesen eine Revision anstand, war ich immer sehr froh um das Blashaus», sagt sie. «Ich finde es sehr schade, den Service nicht mehr in Zug zu haben.»

Viele auswärtige Kunden

Blashaus Eigentümer Martin Suter wäre eigentlich auch gerne noch etwas in Zug geblieben. Wie er sagt, habe er jedoch die Kündigung für das Atelier erhalten, weil dieses umgebaut und renoviert wird. «Bei den Gesprächen mit den Eigentümern wurde klar, dass wir uns mit einem Handwerksgeschäft wie unserem Blashaus die neuen Mieten nicht mehr leisten können.» An der Kundschaft habe es nicht gefehlt, auch wenn die Zuger alleine nicht ausgereicht hätten. «Ich hatte viele auswärtige Kunden.» Deshalb sei ihm der Schritt nach Luzern auch nicht so schwer gefallen.

Dass es ausreichend Kunden für ein Musikgeschäft in Zug gibt, bestätigt Daniel Gempeler. Aber auch er hat viel auswärtige Kundschaft. Anstatt das Geschäft dann einfach zu schliessen, will er nun einen Nachfolger suchen. «Wenn wir auch noch zugehen, dann fehlt etwas in Zug», ist er überzeugt. Die Suche nach jemandem, der das Geschäft übernimmt, sei jedoch relativ schwierig. «Viele scheuen sich, selbstständig zu werden. Vor allem ist es aber auch viel Aufwand, wenn man ein Fachgeschäft hat. Zudem ist die Übernahme auch mit Kosten verbunden.»

Für Martin Suter vom Blashaus ist der Wegzug im Nachhinein betrachtet jedoch eine gute Sache, wie er sagt. Er habe sich schon lange überlegt, in ein grösseres Atelier zu ziehen. «Die Kündigung gab mir dann den nötigen Anstoss dazu.» In der Stadt Zug habe er jedoch keine für ihn bezahlbare Lokalität mehr gefunden.

Trotzdem ist er zuversichtlich, dass er auch in Luzern weiterhin Zuger Musiker bedienen kann (siehe Kasten). Er sagt: «Die Zuger gehen gerne in die grösseren Nachbarstädte, um Besorgungen zu machen. Ich denke deshalb, dass wir einiges an Kundschaft erhalten können.»

Zoe Gwerder


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