In den Wohngebieten gibt es mehr Lärm

ZUG/OBERWIL ⋅ Seit Juni 2014 fahren alle Busse der Linie 3 bis zur Klinik Zugersee. Das hat für einige Häuser an der Widenstrasse eine höhere Lärmbelastung gebracht. Jetzt reagiert der Stadtrat.

24. November 2016, 05:00

Lange Jahre ist jeder Bus der Linie 3 (Baar Lättich–Oberwil) von der Widenstrasse direkt über die Tellenmattstrasse wieder Richtung Endstation im Norden abgefahren. Und so haben sich Busfahrer aus der grossen Überbauung Fuchsloch wohl oder übel auf einen Fussmarsch den Berg hinauf machen müssen. Seit dem aussergewöhnlichen Fahrplanwechsel im Juni 2014 ist diese körperliche Ertüchtigung nicht mehr notwendig. Der auf der Achse Baar–Zug–Oberwil verkehrende Bus bedient nun die Endhaltestelle Klinik Zugersee jedes Mal. Derzeit fährt der «Dreier» vom Montag bis am Freitag 66 Mal den Berg zur bekannten Oberwiler Institution hoch und wieder runter.

Das ist allerdings für zahlreiche Anwohner entlang der Widenstrasse nicht nur ein Segen. Sie müssen mehr Lärm ertragen. Jetzt hat die Stadt Zug als Eigentümerin der Widenstrasse, die in der Kategorie der Gemeindestrassen eingereiht ist, reagiert und am letzten Freitag eine Lärmsanierung in die Wege geleitet. Die dazugehörenden Pläne sind noch bis am 7. Dezember beim Stadtzuger Baudepartement einsehbar.

Eine Lärmsanierung ist angezeigt

Die zuständigen Stellen haben sich dabei in umfassenden Untersuchungen mit der Fragestellung Lärmsituation in diesem Wohngebiet auseinandergesetzt. Aufgrund der ermittelten Daten kommt die Bauherrschaft – hier die Stadt Zug – zum Schluss, dass die Fahrplanverdichtung der Zugerland Verkehrsbetriebe lärmrechtlich als «wesentliche Änderung einer Anlage» zu beurteilen ist. Es ist deshalb eine Lärmsanierung im Gebiet der oberen Widenstrasse, das heisst von der Bahnunterführung bis zum Strassenende bei der Klinik Zugersee, vorzunehmen. Eine mögliche Reduktion des Lärms ist auf der Widenstrasse östlich der Bahnstrecke Zug Oberwil–Walchwil bereits installiert worden: Die Strasse ist als Tempo-30-Zone deklariert. Und die Tempobeschränkung, so ist im Bericht zur Lärmsanierung zu lesen, werde «relativ gut beachtet». Eine weitere Reduktion bringe nichts, da das «Motorengeräusch bei noch tieferen Geschwindigkeiten kaum absinkt, da vermehrt in tieferen Gängen gefahren werden» muss.

Fakt ist, dass bei elf der untersuchten Gebäude der Immissionsgrenzwert um rund 1 Dezibel überschritten wird. Die Lärmbelastung im Aussenraum der besagten elf Liegenschaften beträgt tags 60 bis 61 Dezibel und während der Nacht zwischen 50 und 51.

Die Bauherrschaft hat auch den Einsatz von Lärmschutzwänden angeschaut. Und dabei festgestellt, dass «wirkungsvolle Lärmschutzwände» entlang der Strasse durchgehend sein müssten. Damit würde eine solche «Mauer» die seitlichen Einfahrten und Zugänge zu den Liegenschaften faktisch abriegeln. Um im erwünschten Masse effizient zu sein, müssten solche Lärmschutzwände auf rund 4 Meter hochgezogen werden. Ein Werk, das den Bewohnern der Liegenschaften nicht nur Lichtquellen «stehlen», sondern auch das Ortsbild «übermässig beeinträchtigen» würde. Mehr noch, «die Wohnqualität des Quartiers mindern» würde. Es hätten zwar auch transparente Konstruktionen installiert werden können, aber auch diese Schallmauerart ist für diese Lokalität wegen der Lärmreflexionen auf die gegenüberliegende Strassenseite nicht möglich.

Nun sollen es Schallschutzfenster richten

Nicht in Abrede stellt die Stadt Zug aber, dass bei elf Liegenschaften etwas gegen den Lärm von der Widenstrasse unternommen werden soll. Und zwar sollen Schallschutzfenster eingebaut werden. Dies soll, so ist dem Dossier zu entnehmen, auf Kosten der Stadt Zug gehen. Wie viel das ganze Projekt kosten wird, geht aus dem öffentlich aufliegenden Bericht nicht hervor. Der städtische Bauchef André Wicki führt jedoch aus: «Vorliegend geht es um Schallschutzfenster, aber auch um den Einbau von kontrollierten Lüftungen. Insgesamt entstehen hier Kosten von rund 260000 Franken.» Teils gebe es Rückerstattungen für bereits durch die Eigentümer veranlasste Fenstersanierungen, teils würden die Fenster erst eingebaut. Die Eigentümerschaft sei im September darüber informiert worden.

Langes Zuwarten liegt dabei nicht mehr drin, denn wie ebenfalls dem Dossier der Stadt zu entnehmen ist, muss die Sanierung von Gemeindestrassen gemäss der geltenden Lärmschutzverordnung bis spätestens im Jahre 2018 abgeschlossen sein. Dies auch vor dem Hintergrund, dass auf dem besagten Strassenabschnitt der Verkehr in Zukunft eher noch zunehmen wird. Zudem ist dem Bericht noch eine Empfehlung beigefügt. Bei der nächsten bautechnisch erforderlichen Erneuerung des Deckenbelages sei ein lärmtechnisch möglichst günstiger Belag einzubauen.

Marco Morosolimarco.morosoli@zugerzeitung.ch


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