Zuger Kantonsräte wollen alte Zugstrecke zurück

ZUG ⋅ Bis 1970 fuhren zwischen Cham und Steinhausen direkte Züge. Jetzt regen 14 Kantonsparlamentarier an, die Strecke wieder in Betrieb zu nehmen. Dies soll vor allem ein Nadelöhr entlasten – und hätte auch Vorteile für Luzern.

19. März 2017, 09:07

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Vierzehn Kantonsräte verlangen in einem Postulat vom Regierungsrat, dass sich dieser für den Neubau und die Wiederinbetriebnahme der Bahnverbindung zwischen Cham und Steinhausen einsetzt. Von 1864 bis 1970 war besagte Strecke in Betrieb, wurde dann aber von den SBB stillgelegt und in der Folge rückgebaut.

Die Bahninfrastruktur sei im Kanton Zug direkt abhängig von der Entwicklung am Zimmerbergtunnel mit dem Nadelöhr zwischen Horgen und Baar-Litti, begründen die Kantonsräte, die zum grössten Teil aus den Gemeinden Cham und Steinhausen stammen, ihre Forderung an die Regierung. Diesbezüglich seien bereits zahlreiche parlamentarische Vorstösse eingereicht worden. Aber: «Alle diese Vorstösse zielen auf die Hauptachse Luzern–Zug–Zürich und haben den Zimmerbergtunnel als Nadelöhr», schreiben die Petenten.

Die Angst vor dem Verkehrskollaps

Diese Bahnverbindung würde den Kanton Zug an seine Grenzen bringen. Die Auswirkungen würden sich beim motorisierten Pendlerverkehr niederschlagen und seien als erhöhtes Verkehrsaufkommen markant wahrnehmbar. «Ein Verkehrskollaps zeichnet sich ab. Die Folgeschäden für die Wirtschaft und den Standort Zug sind absehbar.» Dafür gebe es aber einen Ausweg: ein neues Gleis. Die zukunftsweisende Alternativverbindung auf der Achse Luzern–Zürich via Steinhausen-Cham über das Säuliamt schliesse zusätzlich den Kanton Zug an den Kanton Zürich an, werben die Kantonsräte für ihre Idee. «Die Wirtschaftsregion Zürich Limmattal und damit Altstetten, Schlieren und Urdorf wird dadurch direkt verbunden mit den Wirtschaftsregionen Ennetsee und Luzern.»

Doch warum haben die Parlamentarier ein Postulat und nicht eine Motion eingereicht, die für den Regierungsrat verbindlicher wäre? «Wir fordern Sachen, die eher einem Auftrag entsprechen und darum zum Teil nicht motionsfähig sind», begründet Jean-Luc Mösch (CVP/Cham), der den Vorstoss initiiert hat. Es sei durchaus denkbar, die Kernziele als Motion einzubringen, wenn sich die Regierung nicht substanziell bewege. «Doch ich bin zuversichtlich», sagt Mösch, denn Landschreiber Tobias Moser habe ihm erklärt, dass rund 70 bis 80 Prozent der Postulate vom Regierungsrat umgesetzt würden. «Wir haben nichts Falsches gemacht und uns noch nichts vergeben», betont Mösch.

Das neue Gleis wäre nur 1300 Meter lang

«Es geht primär darum, zum letztmöglichen Zeitpunkt – also fünf vor zwölf – das Thema aufs Tapet zu bringen und den wichtigen Denkanstoss zu geben.»

Nur rund 1300 Meter lang sei die Lücke zwischen dem Alpenblick und dem bestehenden Gleis zwischen Zug und Steinhausen, die geschlossen werden müsse. Damit könnten das Gebiet Städtler Allmend und die Kollermühle perfekt erschlossen und die betroffenen Strassen, aber auch der Bahnhof Zug und das Nadelöhr zwischen Baar und Horgen, entlastet werden. «Für Zug-West und Steinhausen wäre es ein Glücksfall, wenn wir die Verbindung wieder hätten, und für die Hochschule in Rotkreuz brächte es eine Wertsteigerung.»

Der Neubau des Gleises sei im Übrigen problemlos möglich, ergänzt Mösch. «Das Land befindet sich zwar in der Naturschutzzone, ist aber nicht ‹diffizil› und könnte sogar ökologisch aufgewertet werden, wie mir ein Spezialist erklärt hat. Und der Neubau ist schnell und günstig zu realisieren.»


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