Haaranalyse: Keine Hinweise auf K.-o.-Tropfen

ZUGER AFFÄRE ⋅ Die Analyse der Haarprobe der Zuger Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin ergibt keine Hinweise auf die Einnahme oder Verwendung von K.-o.Tropfen. Sie hat es nicht anders erwartet, Markus Hürlimann spricht von «erheblicher Entlastung».

02. März 2015, 17:39

In der am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich ausgewerteten Haarprobe sind keine Spuren von GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) nachweisbar. Es liegen demzufolge keine Anhaltspunkte vor, wonach die 34-Jährige mit solchen Substanzen betäubt worden war, wie die Zuger Strafverfolgungsbehörden am Montag mitteilten.

Die Blut- und Urinproben seien auf alle bekannten Stoffe, wie beispielsweise Beruhigungsmittel untersucht worden, sagte Mediensprecher Marcel Schlatter. Weil sich GHB jedoch nur acht Stunden nach der Einnahme nachweisen lasse, wurde ein Haarprobe noch auf diesen speziellen Stoff hin untersucht.

Strafuntersuchung wird fortgesetzt

Der Fall ist mit dem Ausschluss von K.-o.-Tropfen noch nicht erledigt. Die Strafuntersuchung wegen möglicher Delikte gegen die sexuelle Integrität wird fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat bereits zahlreiche Personen befragt. Ihre Aussagen werden zurzeit ausgewertet. Weitere Einvernahmen erfolgen noch.

Wann die Strafuntersuchung abgeschlossen ist, lasse sich noch nicht sagen, schreiben die Strafverfolgungsbehörden.

Hintergrund der Untersuchung ist ein mutmasslicher sexueller Übergriff nach der Feier für den neuen Landamann in der Nacht auf Sonntag, 21. Dezember, bei der viel Alkohol geflossen war. Spiess-Hegglin war am Morgen nach der Feier nach eigenen Angaben mit Unterleibsschmerzen erwacht. Weil sie sich an nichts erinnern konnte, ging sie ins Spital. Die Ärzte dort informierten schliesslich die Polizei.

Unter Verdacht geriet SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann. Mit dem 40-Jährigen war Spiess-Hegglin zuletzt gesehen worden. Hürlimann wurde verhaftet und einen Tag später wieder auf freien Fuss gesetzt. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Handlungen gegen die sexuelle Integrität eingeleitet. Sowohl Hürlimann als auch Spiess-Hegglin nehmen ihre Aufgaben als Kantonsräte weiterhin wahr.

Auf die Haarprobe angesprochen, lässt sich Jolanda Spiess-Hegglin wie folgt von ihrem Sprecher zitieren: «Das war nicht anders zu erwarten».

«Haarproben entlasten Hürlimann erheblich»

Markus Hürlimann hat am Montag über seinen Anwalt Markus Dormann Stellung zur Haarprobe genommen. Dormann schreibt:

«Die negativen Ergebnisse der Haarproben entlasten Markus Hürlimann erheblich. Markus Hürlimann hat bereits mehrmals festgehalten, dass er in seinem Leben weder jemals über K.o.-Tropfen oder ähnliche Substanzen verfügt noch daran gedacht hat, solche zu verwenden. Die Staatsanwaltschaft hat bereits am 5. Januar bestätigt, dass weder im Blut noch im Urin von Jolanda Spiess-Hegglin K.o.-Tropfen oder andere Substanzen auffindbar waren. Die Haarproben haben dasselbe Resultat ergeben.

Damit steht fest, dass Jolanda Spiess weder von Markus Hürlimann noch von einer Drittperson in irgendeiner Weise betäubt worden ist. Das wenig überraschende Ergebnis der Haarproben stellt allerdings nur ein weiteres entlastendes Momentum für Markus Hürlimann dar. Auch die übrigen bisherigen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergaben keinerlei Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten. Insbesondere die Zeugenbefragungen tragen wesentliches zu einer entlastenden Aufklärung der Vorgänge bei.»

sda/nop/rem/wh


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