Kinderbetreuung: Stadt stellt auf Gutscheine um

ZUG ⋅ Wer sein Kind fremdbetreuen lassen will, wird ab 2019 Unterstützung in Form von Gutscheinen erhalten. Damit sollen mehr Familien von einem finanziellen Zustupf profitieren.
28. Dezember 2017, 04:40

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

 

Der Stadtrat will das System bei den subventionierten Betreuungsplätzen umstellen. Neu wird die Stadt nicht mehr bei den Kindertagesstätten (Kita) subventionierte Betreuungsplätze einkaufen, sondern die Eltern erhalten die Unterstützung direkt von der Stadt in Form eines Betreuungsgutscheins. Dieses Modell kennen im Kanton bereits die Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen. Wie das Gutscheinsystem und das Reglement dazu ausgestaltet werden sollen, hat der Stadtrat vor kurzem in seiner Vorlage für den Grossen Gemeinderat ausgeführt.

Von Subventionen profitieren sollen nach dem neuen Modell alle Eltern, die über ein steuerbares Jahreseinkommen von maximal 120 000 Franken verfügen. Die maximale Höhe des Gutscheins liegt bei 108 Franken pro Betreuungstag und Kind, wobei die Stadt mit Kosten von 128 Franken pro Betreuungstag und Kind ausgeht. Eltern zahlen also einen Mindestbetrag von 20 Franken. Dieser Mindestbetrag gilt allerdings nur für Eltern mit einem steuerbaren Einkommen von bis zu 18 000 Franken. Mit steigendem Einkommen steigt der Selbstbehalt linear an. Auch das Vermögen einer Familie hat Einfluss auf die Höhe der Subventionen. Ab einem steuerbaren Vermögen von 500 000 Franken werden – unabhängig vom Einkommen der Eltern – keine Subventionen mehr entrichtet. Der Stadtrat liefert in seinem Bericht einige Rechenbeispiele mit. Für eine Familie mit einem Jahreseinkommen von 60 000 Franken beläuft sich der Selbstbehalt auf 50,4 Prozent. Sie erhält damit einen Betreuungsgutschein im Wert von 63.50 Franken pro Tag und Kind. Der Selbstbehalt einer Familie mit einem Jahreseinkommen von 100 000 Franken liegt bei 83,5 Prozent. Die Höhe des Betreuungsgutscheins beträgt damit 21.20 Franken pro Tag und Kind.

Gewisse Familien erhalten weniger Unterstützung

Die Umstellung des Systems hat nicht nur Folgen für die Geldflüsse, sondern auch für das gesamte Auswahlsystem. Eltern erhalten durch die Betreuungsgutscheine mehr Freiheiten, da nicht mehr nur Plätze in bestimmten Kindertagesstätten von der Stadt subventioniert werden. «Alle Eltern erhalten mehr Auswahlmöglichkeiten», führt der Stadtrat dazu aus. Da sie den Beitrag direkt von der Stadt erhalten, können sie selber bestimmen, in welcher Kita sie ihr Kind betreuen lassen wollen. Laut dem stadträtlichen Bericht kann sich die Kita auch ausserhalb der Stadt Zug im Kanton befinden. Dies wiederum hat Folgen für die Kitas. «Aufgrund der Wahlmöglichkeiten der Eltern stehen fortan sämtliche Anbieterinnen und Anbieter unter gleichen Bedingungen in einem Wettbewerb», führt der Stadtrat aus. In Gemeinden, in denen die Gutscheine bereits eingeführt wurden, habe man zudem beobachtet, dass die Wartelisten in den Tagesstätten abgebaut werden konnten. «Mit dem Gutschein ist potenziell jeder vorhandene Betreuungsplatz unabhängig von der Einrichtung ein subventionierter Platz», sagt der Stadtrat.

Dem Gutschein-Modell liegt eine andere Berechnungsgrundlage für die Subventionen zugrunde als dem bisherigen Modell. Auch das werden Eltern zu spüren bekommen. Einige werden durch den Systemwechsel schlechtergestellt. Dies trifft laut Bericht vor allem Familien in den höheren Einkommensklassen, jene mit einem grossen Vermögen und Familien mit Säuglingen. Sie müssen mit dem Gutscheinmodell tiefer in die Tasche greifen. «Im Gegenzug profitieren jedoch insgesamt mehr Familien von den Beiträgen. Ausserdem werden Familien in den unteren Einkommensklassen mit dem neuen Modell gleichgestellt oder sogar begünstigt», führt der Stadtrat weiter aus.

Stadtrat will «Qualitätsdialog» lancieren

Abgegeben und berechnet werden die Betreuungsgutscheine neu zentral über die Stadtverwaltung. Dazu benötigt die Stadt ein geeignetes IT-System. Welches dies sein wird, ist noch nicht geklärt. Zusammen mit der Systemumstellung will die Stadt auch etwas zur Qualitätsentwicklung in den Kitas beitragen. Unter anderem soll – auch weiterhin – die Ausbildung von Lernenden finanziell unterstützt werden. Kitas in der Stadt Zug erhalten bereits heute pro Lernenden jährlich einen Betrag von 1000 Franken. Neu will der Stadtrat zudem einen sogenannten Qualitätsdialog lancieren. Ziel sei der Austausch unter den Kitas. Vorgesehen ist ein Gefäss für alle Stadtzuger Kitas, die finanzielle Leistungen der Stadt erhalten, sowie für Kitas innerhalb des Kantons, die mindestens drei Stadtzuger Kinder mit Betreuungsgutscheinen betreuen. Die Dialoge können jährlich oder halbjährlich statt­finden.

FDP und SVP finden Obergrenze zu hoch

Die Umstellung des Systems wird finanzielle und personelle Konsequenzen für die Stadt haben. Der Stadtrat rechnet mit einem zusätzlichen Verwaltungsaufwand von 50 Stellenprozent. Die Qualitätsmassnahmen kosten rund 60 000 Franken pro Jahr. Die Totalkosten für das neue Modell belaufen sich auf rund 3,8 Millionen Franken jährlich. Knapp 3,7 Millionen Franken davon machen die Subventionsbeiträge aus.

Der Stadtrat hat seinen Vorschlag für das neue System bereits in die Vernehmlassung gegeben. Äussern konnten sich dazu unter anderem die politischen Parteien sowie die Vertreter von Kitas. Der Reglementsentwurf wird laut Angaben der Stadt grundsätzlich unterstützt. Einwände habe es bezüglich der Vermögensobergrenze gegeben, die laut FDP und SVP zu hoch sei.

Dass die Stadt ihr System umstellt, geht auf eine Motion der FDP zurück. In ihrem Vorstoss vom Sommer 2015 forderte sie die Einführung der Betreuungsgutscheine. Ziel des Stadtrates ist es, das Gutschein-System bis ­Januar 2019 einzuführen.

Der Bericht des Stadtrates unter: www.zugerzeitung.ch/bonus


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