Knapp an der schwarzen Null vorbei

MENZINGEN ⋅ Die Jahresrechnung schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 130000 Franken viel besser ab als budgetiert. Das freut die Finanzchefin – täuscht aber nicht über die Probleme hinweg.
18. April 2017, 09:24

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Nach mehreren Jahren der Überschüsse – wenn es auch zum Teil nur kleine waren – schreibt die Gemeinde Menzingen nun erstmals wieder rote Zahlen. Bei einem Aufwand von 24,2 Millionen und einem Ertrag von 24,1 Millionen Franken resultiert für das Jahr 2016 ein Minus von 130000 Franken.

Isabelle Menzi, die Finanzvorsteherin der Einwohnergemeinde, ist trotzdem zufrieden mit dem Resultat der Rechnung. Sie schliesst nämlich wesentlich besser ab als budgetiert. Prognostiziert war ein Aufwandüberschuss von 2,2 Millionen Franken. «Wir erreichen fast eine schwarze Null. Das freut mich natürlich», sagt die CVP-Gemeinderätin. Zum besseren Ergebnis beigetragen haben «höhere Steuereinnahmen und konsequente Sparbemühungen», wie es in der Medienmitteilung der Gemeinde heisst. Sowohl die ordentlichen Steuern bei natürlichen und juristischen Personen als auch die übrigen Steuern, sprich die Grundstückgewinn-, die Erbschafts- und Schenkungssteuern, schliessen über den budgetierten Werten ab. In Zahlen heisst das: Mit 7,1 Millionen Franken liegen die Steuererträge rund 1,1 Millionen über Budget. Über die Gründe kann Isabelle Menzi nur spekulieren: «Offenbar ist die Wirtschaftslage wieder besser. Im Gespräch mit anderen Finanzvorstehern habe ich erfahren, dass die Erträge fast in jeder Gemeinde höher ausfallen. Woran das genau liegt, ist schwer zu sagen.»

«Haben das Optimum herausgeholt»

Ein erfreuliches Bild biete sich auch auf der Aufwandseite, heisst es im Bericht zur Jahresrechnung. Bei praktisch allen Abteilungen konnte der Aufwand gegenüber dem Budget unterschritten werden. «Dort, wo Spielraum besteht, haben wir das Optimum herausgeholt», freut sich die Finanzchefin. Die Investitionsrechnung weist für 2016 Nettoinvestitionen von 4,5 Millionen Franken aus. Im Vordergrund stehen die Ausgaben für den neuen Werk- und Ökihof. Auch hier habe man kostenbewusst gearbeitet, betont Menzi: «Es sieht ganz danach aus, als könnten wir den Kredit unterschreiten.»

«Kleine Brötchen backen», wie es die Finanzchefin ausdrückt, will der Gemeinderat auch bei der Schulinfrastruktur. Was diesen Bereich betrifft, wird das Klosterdorf in den kommenden Jahren grössere Investitionen tätigen müssen. An der nächsten Gemeindeversammlung vom 31. Mai ist das Thema traktandiert. «Wir sind gefordert, auch weiterhin alles Mögliche zu unternehmen, um den Gemeindehaushalt mittel- bis längerfristig ausgeglichen gestalten zu können.»

Das Problem mit dem strukturellen Defizit

Denn Isabelle Menzi ist sich bewusst, dass die finanzielle Zukunft nicht gerade rosig aussieht. «Wir rechnen auch in den kommenden Jahren mit roten Zahlen. Wir haben nach wie vor keine geeigneten Mittel und Massnahmen gefunden, um aus dem strukturellen Defizit herauszufinden.» Ausserdem seien die Wachstumsmöglichkeiten in der Berggemeinde gering. Am Steuerfuss zu schrauben, das kommt aber momentan nicht in Frage. Isabelle Menzi sagt: «In naher Zukunft müssen wir, Stand heute, mit einer Erhöhung rechnen. Doch wir werden mit Hochdruck daran arbeiten, dies zu verhindern. Bevor wir die Steuern erhöhen, wird zuerst die im letzten Jahr geschaffene Steuerausgleichsreserve aufgelöst.»


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