Kolin Brass: Ein Ensemble bläst zum Advent

ZUG ⋅ Die sechs Musiker von Kolin Brass luden am vergangenen Freitagabend in der Gewürzmühle zum Weihnachtskonzert – Glühwein, Guetzli und geschmückte Tannenbäume inklusive.
04. Dezember 2017, 04:38

«Der Abend sollte zu einem Erlebnis werden, darum haben wir uns mit der Deko so ins Zeug gelegt», erzählt Stephan Landtwing hinter der Bühne. Gerade haben die sechs Musiker ihre Gäste mit dem ersten Set begrüsst. «Let It Snow» und «White Christmas» ignorieren die zwar kalte, aber schneefreie Wetterlage draussen, und der in roten Backstein eingemauerte Fernseher auf der Bühne strahlt mit seinem Kaminfeuer ab DVD besinnliche Wärme in die Herzen der Anwesenden.

Stephan Landtwing ist Präsident der kleinen Bläserformation. «Viele der Stücke, die wir heute spielen, sind Weihnachtslieder. Aber die Arrangements haben diesen Kick, diesen Twist in der Interpretation, der sie wieder spannend macht.» Für diesen Twist hat der Tubist Timothy van Veelen Musiker aus aller Welt angeschrieben, um die Noten ihrer Arrangements verwenden zu dürfen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Das spritzige Kleid steht den oft amerikanischen Weihnachtsklassikern gut und hebt sie aus der verstaubten Adventskiste in abwechslungsreiche und überraschende Spannungsbögen.

Mit Gefühl für die Situation

Themenabende wie diese sind die Spezialität der Kolin Brass. Im Rathaus spielten sie klassische Stücke, im Strandbad Zug Beachbrass mit karibischen Rhythmen. So konnten sich die sechs Bläser mittlerweile ein beachtliches Repertoire aneignen. Nicht ohne Stolz zeigt der Posaunist Daniel Moos einen dicken Ordner voller Noten. «Wer einen Riesenhit hat und sich daran eine goldene Nase verdient, spielt den vielleicht gerne tausend Mal. Uns macht’s aber mehr Spass, immer mal wieder etwas Neues zu spielen», erklärt Stephan Landtwing. Denn darum geht es den sechs Jugendfreunden, seit sie sich vor über zwanzig Jahren bei den Kadetten an der Musikschule Zug kennen gelernt haben. Heute spielen sie öfters an Hochzeiten, Geburtstagen und Firmenanlässen. Oder an Events, wie dem Weihnachtskonzert in der Gewürzmühle, die sie selber organisieren. Dabei begleitet sie eine treue kleine Fangemeinde. «Viele der Gäste, die uns heute Abend besuchen, sind Stamm­gäste bei unseren Konzerten. Freunde und Bekannte, denen unsere Musik gefällt. Das gibt dem Ganzen nochmals eine familiäre Note», meint der Trompeter Adrian Gross. Reto Iten spielt normalerweise eine der beiden Tubas der Truppe. «Heute spielt er ausnahmsweise an der Bar», erklärt Stephan Landtwing sein Fehlen auf der Bühne. Unterstützt werden sie dafür vom Schlagzeuger Jonas Burren, der dem kompakten Sound des Sextetts noch einen griffigen, rhythmischen Rahmen gibt. «Je nach Situation erweitern wir unsere Besetzung, um ein bestimmtes Genre oder Gefühl herauszustreichen», sagt Gross. So widmen sie sich in ihrer stilistisch ungewöhnlich breiten Palette jeweils gekonnt einem bestimmten Genre und versuchen, ein stimmiges Gesamtpaket von Anlass, Location, Musik und Musikern zu schnüren.

 

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch


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