Landis+Gyr zügelt 50 Stellen ins Ausland

WIRTSCHAFT ⋅ Von Zug nach Korinth: Landis+Gyr plant die Verlagerung von 50 der 400 Stellen nach Griechenland. Gleichzeitig soll die Arbeitszeit von heute 40 auf 43 Stunden erhöht werden.

16. April 2015, 15:28

Landis+Gyr will die Kleinserienfertigung von Präzisionszählern von Zug in sein griechisches Werk in Korinth verlagern. Am Standort Zug würden 50 Stellen wegfallen. Grund dafür seien «die im internationalen Vergleich hohen Kosten am Standort Zug und den weltweit verschärften Wettbewerbs- und Preisdruck im Markt», teilt das Unternehmen mit Sitz in Zug mit. Die starke Aufwertung des Frankens belaste die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich und schränke die Planungssicherheit ein.

In Zug würde der Hauptsitz, der Sitz der Verkaufsregionen sowie ein wichtiges Entwicklungszentrum verbleiben. Mit der Verlagerung würde Landis+Gyr von den dort tieferen Kosten profitieren. Darüber hinaus könnten die dortigen Ressourcen besser ausgelastet werden, heisst es.

Auf Anfrage sagt Landis+Gyr, dass inzwischen ein Konsultationsverfahren eingeleitet worden ist. Es wird damit gerechnet, dass dieses rund drei Wochen dauern wird und die Geschäftsleitung dann Mitte Mai einen definitiven Entscheid fällt. Die Verlagerung würde dann vermutlich in der zweiten Jahreshälfte durchgeführt.

Landis+Gyr fertigt seit 1896 am Standort Zug Elektrizitätszähler. Im Jahr 2014 waren es rund 280’000 Messgeräte. Sie wurden zu rund 98 Prozent in das Ausland exportiert. Mit Abstand wichtigster Absatzmarkt ist der Euro-Raum.

Im griechischen Korinth hat Landis+Gyr seit 1973 eine Zählerfertigung. Aktuell sind dort rund 480 Beschäftigte angestellt.

Erhöhung der Wochenarbeitszeit

Parallel zur Verlagerung will die Unternehmensführung am Standort Zug die wöchentliche Arbeitszeit befristet von 40 auf 43 Stunden erhöhen. Sollte die Betriebsvereinbarung mit der Arbeiternehmervertretung zustande kommen, würde die Arbeitszeit per Juni oder Juli erhöht, heisst es.

Darüber hinaus sollen die Mitglieder des Managements auf fünf Kompensationstage für Überstunden, die Mitglieder des oberen Managements und der Geschäftsleitung zusätzlich auf durchschnittlich 5 Prozent ihres Jahreszielgehalts verzichten. Von diesen Massnahmen erwartet die Geschäftsleitung einen Beitrag, um die gegenwärtige Nachfrageschwäche überbrücken und gleichzeitig wichtige Zukunftsprojekte zeitnah realisieren zu können.

Syna besorgt über Verlagerung

Die Gewerkschaft Syna zeigt sich in einer Mitteilung «besorgt» über die geplante Verlagerung. Einmal mehr sei fast die Hälfte der Betroffenen zwischen 51 und 60 Jahre alt. Die Gewerkschaft appelliert an die soziale Verantwortung der Geschäftsleitung. «Es macht den Anschein, dass Landis+Gyr die aktuelle Euro-Turbulenz, genau wie zahlreiche andere Firmen, dazu benutzt, den Standort Zug auf Kosten der Angestellten für die Aktionäre zu optimieren», schreibt Syna.

Angestellte Schweiz stellte in ihrer Mitteilung fest, dass es keinen Sinn mache, Stellenverlagerung und Arbeitszeiterhöhung gleichzeitig durchzuführen. Insbesondere müsse abgeklärt werden, ob nicht eine Erhöhung der Arbeitszeit gekoppelt mit weiteren Sparmassnahmen genügen würde, um die Stellen in der Schweiz zu erhalten.

pd/rem/sda


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