Auf der Suche nach den Eltern: «Man legt mir Steine in den Weg»

ZUG ⋅ Marco Hauenstein hat mit einem Facebook-Aufruf seine Mutter gesucht. Hinweise deuten darauf hin, dass sie tot ist. Nun will der 19-Jährige seinen Vater finden, um endlich der Wahrheit näher zu kommen.
16. April 2017, 05:00

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Marco Hauenstein gibt nicht auf: Noch immer versucht der 19-jährige Oberägerer in Deutschland Akteneinsicht zu bekommen und mehr über seine Mutter zu erfahren. «Doch das ist nicht so einfach, man legt mir gewaltig Steine in den Weg.» Nur dank finanzieller Hilfe von Dritten habe er sich einen deutschen Rechts­anwalt besorgen können. Einen Schweizer hätten die Deutschen nicht akzeptiert, sagt er und fügt an: «Doch bald sollte es so weit sein, und ich kann die Akten endlich einsehen und so zu weiteren Informationen bezüglich meiner Mutter kommen.»

Marco Hauenstein hat im Januar dieses Jahres in einem Facebook-Aufruf nach seinen Eltern und seinen Verwandten gesucht («Zentralschweiz am Sonntag» vom 12. Februar). Gefunden hat er stattdessen seine Grossmutter, einen Onkel und eine Tante. Marco Hauenstein wurde kurz darauf eröffnet, dass 2013 im Landkreis Waldshut in Deutschland ein Stück des Oberschenkelknochens seiner Mutter gefunden worden sei und sie wohl tot sei.

Die verspätete Benachrichtigung und das diesbezügliche Verhalten der Untersuchungsbehörden haben Hauenstein aber misstrauisch gemacht. Er sagte darum im Februar gegenüber unserer Zeitung: «Die Wahrscheinlichkeit, dass meine Mutter noch lebt, ist zwar klein, dessen bin ich mir bewusst. Doch es ist nichts ausgeschlossen, ich glaube schon noch daran, dass ich sie lebendig finden könnte.»

Hund hat Knochen der Mutter gefunden

Bereits getroffen hat der Oberägerer die Frau, die damals den Knochen gefunden hat. «Ich habe mit ihr den genauen Ort angeschaut, wo der Oberschenkelknochen meiner Mutter gefunden worden ist», sagt Hauenstein gegenüber unserer Zeitung. Die Frau habe ihm erzählt, dass sie mit ihrer Familie baden und grillieren wollte und ihr Hund dabei den Knochen gefunden habe.

«Sehr überrascht hat mich ihre Aussage, dass ihr jüngerer Sohn im Wasser einen zweiten Knochen gefunden habe. Denn davon hat mir die Polizei nichts gesagt. Zu einem Augenschein mit der Polizei sei es auch nicht gekommen, hat mir die Frau zudem erzählt», sagt Hauenstein. Als Grund habe die Polizei angegeben, sie sei unterbesetzt. Die Polizei habe sich den Ort lediglich per Google Maps zeigen lassen. «Ich bin darum sehr gespannt, was in den Akten zu lesen ist – ob, wo und wie die Polizei gesucht hat.» Inzwischen habe sich auch ein Medium bei ihm gemeldet, sagt Marco Hauenstein. Dieses habe ihm gesagt, dass sein Vater tot sei. Und es gebe tatsächlich den von diesem Medium genannten Peter, der in Zürich gestorben sei. Da der Leichnam wohl aber verbrannt wurde, hegt Hauenstein diesbezüglich nur wenig Hoffnung auf Klarheit.

«Gib nicht auf, finde die Wahrheit!»

«Ich habe die Hoffnung, meinen Vater zu finden. Und ich glaube noch ein kleines Stück daran, dass meine Mutter lebt», sagt Hauenstein heute.

Auf einen Beitrag im italienischsprachigen Programm des Schweizer Fernsehens hat sich ein Mann gemeldet. «Er ist Tessiner und war ein guter Freund meiner Mutter. Ich habe ihn in Zürich getroffen», sagt Hauenstein. «Er hat mir viel über meine Mutter erzählt, und er hat einen Vaterschaftstest gemacht. Er hatte mit meiner Mutter eine Beziehung und hätte sich vorstellen können, mein Vater zu sein.» Leider sei der Test negativ ausgefallen. Aus Akten habe er zudem vom Ex-Freund seiner Mutter erfahren, der sie am Morgen, bevor sie verschwunden sei, nach Hause gefahren habe. «Er dürfte der letzte Mensch gewesen sein, der meine Mutter lebend gesehen hat.» Leider sei auch dieser Vaterschaftstest negativ ausgefallen. «Bald besucht mich jedoch ein Mann, der heute in Kroatien lebt, meine Mutter gut gekannt hat und mir Fotos und Sachen meiner Mutter zeigen will.»

Volle Unterstützung bekommt Hauenstein von seiner Grossmutter, die sagt: «Gib nicht auf, finde die Wahrheit.» Andere Familienmitglieder sind von den Nachforschungen nicht begeistert. «Meine Tante verweigert den Kontakt und ist sogar weg­gezogen.»


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