Mit beiden Füssen auf dem Boden

MODELLFLUG ⋅ Vergangenes Wochenende zeigten auf dem Flugplatz Cham/Niederwil des Modellflugvereins Zug die besten Modellflieger der Schweiz, was sie an Luftakrobatik auf dem Kasten haben.
26. September 2016, 05:00

Passanten heben interessiert die Blicke, als die Modellflugpiloten der F3A Swissliga 2016 ihre spektakulären Manöver am Himmel vollführen. Sie stehen zwar mit den Füssen auf dem Boden, man sieht ihnen aber an, dass sie in Gedanken ganz bei ihrer Maschine sind.

Qualifikation für das Nationalteam der Schweiz

Abgesehen vom Motorenknattern liegt auf dem Modellflugplatz bei Cham auch Nervosität in der Luft, immerhin geht es um nichts Geringeres als die Qualifikation für das Nationalteam der Schweiz im Modellflug, Kategorie Kunstflug, und somit die Teilnahme an der Europa- und Weltmeisterschaft. Der leidenschaftliche Modellflugpilot Pirmin Jund (31) lebt inzwischen zwar in Nidwalden, ist aber in Cham aufgewachsen und trainiert für gewöhnlich auf ebendiesem Flugplatz, auf dem es heute um die Wurst geht. Durch das Heimspiel errechnet er sich durchaus kleine Vorteile. «Man kennt so eben die Umgebung und die Witterungsverhältnisse schon etwas besser», sagt er.

Wer es im Modellflug zur Meisterschaft bringen wolle, müsse viel Zeit und hartes Training investieren. Er persönlich fliege besonders im Sommer fast täglich. Wer die Fernsteuerungen für die Flugzeuge gesehen hat, kann diesen grossen Trainingsaufwand leicht nachvollziehen. Sie sehen aus wie ein Stück Zukunftstechnologie mit tausend filigranen Schaltern. «Unsere Fernsteuerungen sind fast so kompliziert wie ein PC. Es gibt unzählige Feinabstimmungen, die es in den Griff zu bekommen gilt», meint Pirmin Jund dazu. Für ihn war die letzte Saison ein durchschlagender Erfolg. Er war für die Nationalmannschaft nominiert worden und gewann obendrein mit dem Schweizer Team die Europameisterschaft in der Kategorie Kunstflug in Deutschland.

Piloten mit Biss sind gefragt

Über solche Erfolge freut sich auch Werner Glanzmann (58) aus Hagendorn, der Organisator des Anlasses. «Das in Deutschland war ein tolles Team, wie wir es noch nie gehabt haben», schwärmt er. Für ihn persönlich sei der Kunstflug die Königsdisziplin des Modellflugs, da es sonst in keiner Kategorie so viel Kontrolle und genaues Handling brauche. Ihn hat die Faszination am Modellfliegen schon mit elf Jahren gepackt, doch aufs internationale Niveau hat er es nie gebracht. Dafür hat es in ihm die Faszination für einen beruflichen Werdegang geweckt – heute ist er Linienpilot bei der Swiss. «Der Modellflug spiegelt viele Aspekte des richtigen Fliegens recht akkurat wieder», erklärt er. «Diese Fernbedienungen sind wie winzig kleine Cockpits. Ausserdem braucht ein Pilot Biss, und diese Art des Früheinsteigens kann diesen einem jungen Piloten vielleicht verleihen und die nötige Begeisterung wecken.» Im Wettbewerb konnte sich Marc Rubin klar gegen Pirmin Jund und Sandro Matti durchsetzen.

Hinweis

Mehr Infos finden Sie unter www.mfg-zugerland.ch

Julian Kollerredaktion@zugerzeitung.ch


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