Mit einem Klick das richtige Billett

VERKEHR ⋅ Die Nutzer des öffentlichen Verkehrs im Kanton kommen ab dem Fahrplanwechsel dank der App Fairtiq noch einfacher zu ihrem Ticket. In einem Fall ist aber noch ein wenig Geduld gefragt.

01. Dezember 2016, 05:00

Es ist ein häufig zu beobachtendes Schauspiel. Leute eilen an eine Bushaltestelle und sehen schon ihren Bus anfahren. Die potenziellen ÖV-Nutzer ohne einen Zuger Pass oder eine andere Vielfahrerkarte müssen abwägen: sich am Automaten oder auf dem Handy ein Ticket erstehen und dann allenfalls den Bus verpassen. Beim Eintritt dieses Falles bleibt als ehrlicher Busfahrer nur der Einbau einer ungeplanten Warteschlaufe. Oder, diese Variante ist die einfachste, aber nicht zu empfehlen: mit einem schlechten Gewissen einsteigen und darauf hoffen, dass kein Kontrolleur zugegen ist.

Das Zittern in letzterem Fall ist ab dem kommenden Fahrplanwechsel am 11. Dezember nicht mehr notwendig. Denn ab diesem Datum gehören die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) zum Kreis der App-Plattform «Fairtiq» (Ausgabe vom 29. Oktober). Das Gebiet umfasst alle Transportmittel (Bahn und Bus) im Tarifverbund Zug (TVZG).

Ein alter ÖV-Grundsatz gerät ins Wanken

Die Organisation hinter dem Fairtiq-Konstrukt sitzt in Bern und macht Werbung mit dem Slogan «Die einfachste Fahrkarte der Schweiz». Das Prinzip bringt ein Paradigma zum Wanken, welches sich bei Nutzern von Bahn und Bus eingebrannt hat: Wer mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, muss zuerst ein Ticket lösen, bevor er seine Reise antritt.

Das Fairtiq-System ist diesbezüglich eine kleine Revolution. Der Fahrgast startet beim Einsteigen in den Bus die App. Dank der Ortung des Gerätes kann nachvollzogen werden, wohin er fährt. Der ÖV-Nutzer muss hinterher beim Aussteigen nur die App wieder schliessen. Vergisst er dies, erhält der Busfahrer nach einer gewissen Zeit eine Meldung, dass er diesen letzten Schritt ausführen soll.

Vor allem für Gelegenheitsfahrer ideal

Die Fairtiq-Macher versprechen, dass ihm jeweils die günstige Fahrkarte via Kreditkarte oder Handyrechnung belastet wird. Die Abrechnung wird erst am Folgetage morgens um 5 Uhr erstellt. So erhält der Kunde bei mehreren Fahrten innerhalb von 24 Stunden automatisch eine Tageskarte ausgestellt. Die ZVB haben dabei, wie Mediensprecherin Kathrin Howald sagt, vor allem Bus- und Bahnnutzer im Fokus, die diese Verkehrsmittel in unregelmässigen Abständen nutzen und keine Mehrfahrtenkarte haben. «Im Zeitalter des Smartphones verlangen Kunden nach Ticketing-Möglichkeiten, die einfach zu bedienen und überall verfügbar sind», sagt der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber. Die Fairtiq-App sei ideal, «diesem Kundenbedürfnis nachzukommen».

Die Krux mit den Grenzen der Tarifverbunde

Um die Vorteile der Fairtiq-Plattform anwenden zu können, muss sich der Nutzer registrieren. Ticketkategorien wie Halbtax-Abonnements, 1. oder 2. Klasse können auf der Plattform einfach hinterlegt werden. Ist bei Fahrantritt der Startort gefunden, reicht laut den Fairtiq-Machern eine Wischbewegung auf dem Handy, um die App zu starten und hinterher wieder zu schliessen. Die neue App hat allerdings noch einen Mangel: Es können bei der Lancierung am 11. Dezember noch keine Billette über das Tarifgebiet des Tarifverbundes Zug hinaus gelöst werden. Eine Verknüpfung mit dem Verbund Passepartout ist vorderhand nicht möglich. Zu dessen Gebiet gehören die Verbindungen in den Kantonen Luzern, Obwalden und Nidwalden. Doch es naht schon eine Lösung, wie Kathrin Howald sagt: «Wir haben eine Mail der Fairtiq-Macher erhalten. In dieser wird versprochen, dass auch verbundübergreifende Billette ab dem kommenden Sommer über die App gelöst werden können.»

SBB hatten auch schon den grossen Wurf im Kopf

Die weiteren Fairtiq-Mitglieder sind Frimobil (Kanton Freiburg), Libero (Region Bern-Biel-Solothurn) und der STI (Region Thun). Bis jetzt ist die App seit April rund 18000 Mal heruntergeladen worden.

Auch die SBB, die Postauto AG und der Verband des öffentlichen Verkehrs haben schon solche Lösungen für ihr System im Blickfeld gehabt. Der Arbeitstitel lautete damals «Easy Ride». Das Kernelement des angedachten Systems war eine Chipkarte. Die Kosten für diese Variante hätten, so ist Pressetexten zu entnehmen, rund 600 Millionen Franken betragen. Die Initiatoren haben daraufhin im Jahr 2001 die Reiss­leine gezogen. Die SBB haben aber immer noch Pläne, ein solches System einzuführen.

Bereits vorgeprescht ist in diesem Bereich die BLS (Bern-Lötschberg-Simplon). Sie hat im Sommer die App «Lezzgo» lanciert, die nach dem gleichen Prinzip wie Fairtiq funktioniert.

Hinweis

Fairtiq ist kostenlos im App Store (Betriebssystem iOS) oder im Google Play Store (Betriebs­system Android) erhältlich.

Marco Morosoli


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: