Transocean-CEO Steven Newman tritt zurück

ÖLFÖRDERUNG ⋅ Wechsel an der Transocean-Spitze: Der Konzernchef des im Kanton Zug ansässigen Ölbohrunternehmens tritt als CEO per sofort zurück. Der Entscheid ist in gegenseitigem Einverständnis mit dem Verwaltungsrat gefällt worden.

16. Februar 2015, 17:19

Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Verwaltungsratspräsident Ian Strachan interimistisch die Führung des Unternehmens. Gründe für den Abgang Newmans wurden vom Unternehmen, das nächste Woche den Jahresabschluss vorlegen will, nicht genannt.

Newman habe das in Zug ansässige Unternehmen mit texanischen Wurzeln in den letzten fünf Jahren «kompetent geleitet» und «aussergewöhnliche Führungsqualitäten» bewiesen, wird Strachan in der Mitteilung zitiert. Es sei die «herausforderndste Zeit der Firmengeschichte» in Folge des Macondo-Störfalls gewesen, heisst es weiter.

So bezeichnet das Unternehmen die Brandkatastrophe auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon, die 2010 im Golf von Mexiko zu einer Ölpest geführt hat. Zudem habe Newman grundlegende Veränderungen der Flotten- und Kostenstrukturen sowie der Abläufe bei Transocean auf den Weg gebracht.

Newman war 1994 zu Transocean gestossen und hatte die Leitung seit April 2010 inne. Kurz danach war es zum Unglück auf Deepwater Horizon gekommen.

Einbussen wegen tiefen Ölpreisen

Der stark gesunkene Ölpreis macht dem Ölserviceunternehmen zu schaffen. Im vergangenen November meldete es für das dritte Quartal einen Verlust von 2,2 Mrd. Dollar. Der Umsatz reduziert sich um 7,3 Prozent auf 2,27 Mrd. Dollar. Transocean verwies auf Überkapazitäten. Der Rückgang sei enttäuschend gewesen, gestand Newman damals ein.

In Folge des gesunkenen Preises für Rohöl hat die Bereitschaft der Mineralölkonzerne, Geld in die Erschliessung neuer Vorkommen zu investieren, stark abgenommen. Zuletzt hatten sowohl Shell als auch BP die Investitionen deutlich zurückgefahren.

Geringere Dividende

In einer weiteren Mitteilung kündigte der Verwaltungsrat am Montag an, der Aktionärsversammlung Merrill «Pete» Miller Jr. zur Wahl als Verwaltungsratspräsident vorzuschlagen. Zudem beantrage das Gremium eine Ausschüttung von 0,60 Dollar pro Aktie. Im vergangenen Mai hatte die Generalversammlung der Ausschüttung einer steuerfreien Dividende von 3 Dollar pro Aktie zugestimmt.

Der Abgang des CEO wurde von Analysten mit gemischten Gefühlen betrachtet. Einerseits sei dies ein weiterer Unsicherheitsfaktor, andererseits könne eine neue Führungspersönlichkeit zumindest kurzfristig für Auftrieb sorgen. Eine Dividendenkürzung sei allgemein erwartet worden, auch wenn in geringerem Umfang.

Die Börse reagierte dennoch freundlich auf die Mitteilungen. Die Aktie von Transocean legte bis um 14.30 Uhr um 1,8 Prozent auf 17,98 Franken zu. Im Jahr 2014 hatte sich der Aktienkurs allerdings mehr als halbiert.

sda


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