Oberstufenschüler machen den Wald erlebbar

WALCHWIL ⋅ Die Oberstufenschüler bauen während der Projektwoche einen Erlebnispfad in der Umgebung des Spielplatzes Usseregg. Dieser besteht aus mehreren Teilen und steht schon bald jedermann offen.

07. Oktober 2016, 06:42

Es ist herbstlich geworden, manche Berggipfel sind in Schleier gehüllt, wie man vom Spielplatz Useregg in Walchwil sieht. Im Hintergrund tollen einige Jugendliche. Ihre schwitzenden Köpfe sind in der kühlen Luft ebenfalls von schwachen Schwaden umgeben. Ein Grossteil der 68 Oberstufenschüler der Jahrgänge 2000 bis 2004 werkt und wirkt derzeit in dieser Umgebung, unterstützt von Korporations- und Werkhofmitarbeitern. Ein anderer Teil unterstützt Gemeindeangestellte bei Forstar­beiten. Stilecht wird eine Büezer-Znünipause abgehalten. Einige Jugendliche sind jedoch freiwillig fast pausenlos im Einsatz: Die Projektwoche übt einen beson­deren Reiz aus.

Nach dem Motto «Aus dem Dorf, für das Dorf» bauen die Schüler einen mehrteiligen Erlebnispfad, der heute eingeweiht werden soll und hernach der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Pfad spricht verschiedene Sinne an: Im ersten Teil kann man an mehreren Posten mit den baren Füssen verschiedene Waldprodukte erfühlen: Tannzapfen beispielsweise oder Baumrinde, aber auch Matsch. Johanna Hürlimann (14) schlägt an einem Posten gerade verzierende Furchen in einen Holzpflock. «Das sieht nachher aus wie ein Elefantenfuss», erklärt sie.

Im zweiten Teil des Rundgangs werden einem sechs Walch­wiler Sagen vorgelesen, die man mittels QR-Codes mit seinem Smartphone aufrufen kann. Im dritten Teil schliesslich liest und lernt man etwas über die Öko­logie des Waldes. Der Weg folgt am Anfang dem Lauf des Wihelbachs und kreuzt den Vita-Parcours. An einem dessen Posten ist eine lauschige Feuerstelle mit famoser Aussicht entstanden. Auch hier haben Schüler Hand angelegt – und den Platz während eines Mittagessens auf dessen Qualität überprüft. Während oben im Dorf also Muskelkraft und -ausdauer gefragt sind, werden diese Attribute im Oberstufenschulhaus vorwiegend vom Hirn abverlangt. Denn hier werden zum Beispiel die Sagen- Texte eingesprochen und mit Geräuschen hinterlegt. Eine Hörprobe der Arbeit von Sabrina Hürlimann (15), Fabienne Schnee (13) und fünf weiteren Schülern klingt vielversprechend. Stammt das Kirchengeläut in der Sage «D Pfaffechällnery» von einer der beiden Dorfkirchen? «Nein», sagt Hürlimann und ergänzt, «aus dem Internet.»

Jenes ist omnipräsent. Seit dem laufenden Schuljahr erhält jeder Schüler ein iPad gestellt. Die Datenübertragung in der Redaktion der Projektwochen-Zeitung namens – man beachte die Doppeldeutigkeit – «Waldblick» funktioniert kabel- und medienlos. Und die Vorlagen für die Beschilderung des Pfads in der Useregg werden am riesigen Touchscreen begutachtet, der die Wandtafel abgelöst hat. Eine technologische Ausnahme bildet der Werkraum, wo die Verzierungen der Holztafeln nicht mittels Laserschneidern, sondern durch den Einsatz von (elektrischen) Laubsägen gemacht werden.

Sprachdschungel im Unterholz

Den Eindruck, dass diese Projektwoche Spass bereitet, bestätigen angefragte Schüler auch ohne das Beisein des Schulleiters Hanspeter Jäger oder der Lehrer. «Es ist lässiger, als im Schulzimmer zu sitzen», sagt beispiels­weise Patrick Fischlin (14). Der Schüler der 3. Oberstufe arbeitet hier Hand in Hand mit dem gleichaltrigen Matthias Roth aus der 1. Oberstufe. Selbstredend ist die Durchmischung der verschiedenen Schul- und Altersstufen beabsichtigt.

Doch in Walchwil geht es um mehr: «Die Integration ist ein grosses Thema», legt Hanspeter Jäger dar, der seit 13 Jahren in der örtlichen Schule tätig ist. Er nennt – lustigerweise mit dem englischen Begriff – die zahlreichen «native speakers», die sich untereinander vorwiegend in ihrer Muttersprache unterhalten, aber zum Deutschsprechen ermuntert würden. Auch im Oberstufenschulhaus begegnen ei­nem manchenorts Sprachbarrieren, die aber rasch überwunden sind.

Dieses Alltagsphänomen im Dorf hat auch Auswirkungen auf den Erlebnispfad: Je drei Sagen wurden auf Schweizerdeutsch und Hochdeutsch gesprochen. «Neben dem Fördern gegenseitigen Verständnisses soll der Pfad den Kindern auch deren Um­gebung näherbringen», sagt der Heilpädagoge Martin Senn. Seine Begeisterung kennt kaum Grenzen: für die Projektwoche, aber auch für die Dorfgemeinschaft. «Wir werden sensationell unterstützt von der Gemeinde und von privaten Geschäften. Hier kennt man sich noch und hilft sich gegenseitig», hat er in den letzten Tagen erfahren.

Eine Hilfe ist der Erlebnispfad für manche Kinder schon vor seiner Eröffnung, nämlich in einer kulinarischen Frage. So habe ein Mädchen aus dem Verpflegungsteam grosse Augen gemacht, als Martin Senn ihr sagte, dass man ihren Waldfund essen könne. Dabei handelte es sich um ein wahrhaftiges Walchwiler Wahrzeichen: Kastanien.

  • Luzerner Zeitung AG
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Oberstufenschüler bauen einen Erlebnispfad beim Spielplatz Usseregg in Walchwil.

Raphael Biermayr


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