Pilgern wie vor 500 Jahren

HAGENDORN ⋅ Patricia Jeker hat sich als Freiwillige für ein Fernseh- und Radioprojekt gemeldet und wurde zum Casting eingeladen. Wenn sie mitmachen darf, wartet eine Herausforderung auf sie.
11. März 2017, 08:48

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Mit Sack und Pack von Basel nach Lausanne pilgern: eine Möglichkeit, die sich Lehrerin Patricia Jeker nicht entgehen lassen möchte. Im Radio hat sie gehört, dass Radio SRF 1 und «Schweiz aktuell» Freiwillige suchen, die sich ein «Leben wie vor 500 Jahren» vorstellen können – zur Zeit des Beginns der Reformation 1517. Nebst der Pilgergruppe wird eine Familie bei der Neu-Bechburg in Oensingen SO einen Bauern­betrieb führen.

Patricia Jeker hat aber erst noch gezögert: «Ich habe meinem Bekanntenkreis davon erzählt und gefragt, was sie denken, wenn ich bei diesem Projekt mitmachen würde», erzählt die 43-Jährige aus Hagendorn. Als ihr Umfeld äusserst positiv reagiert habe, wagte sie den Schritt und bewarb sich für das «Living History»-Projekt.

«Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt»

Von insgesamt 260 Bewerbungen wurden 32 Personen zum Casting geladen. «Ich habe nicht erwartet, dass das eine so grosse Sache wird», gibt Patricia Jeker zu. Generell sei sie überrascht gewesen, dass auch das Fernsehen eine Rolle spielt: «Es ist eigentlich überhaupt nicht meine Art – ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt.» Damit könne sie aber umgehen, fügt sie hinzu. Ihr Ziel: «Ich möchte einfach laufen, für einmal abschalten, ohne von der digitalen Welt abgelenkt zu werden», versucht sie ihre Faszination für das Pilgern zu erklären. Die Lehrerin erzählt weiter von der Jugendherberge in Brienz, in welche sie regelmässig mit Schulklassen gereist sei: «Dort habe ich oft Pilger getroffen. Ihre Geschichten haben mich immer fasziniert.» Es gibt aber noch wei­tere Gründe: «Ich könnte ganz neue Gegenden und Kraftorte der Schweiz kennen lernen, interessante Lebensgeschichten erfahren und einfach mal alle Zeit der Welt geniessen», fasst die Mutter zweier Kinder zusammen.

Im Casting am vergangenen Wochenende in der Neu-Bechburg wurden ihre Teamfähigkeit, Fitness und ihr Wissen über die Reformation getestet. «Es hat mich schon immer mal gereizt, eine Zeitreise zurück ins Mittelalter zu machen – allerdings würden mir dann zwei Tage reichen», sagt sie lachend. Speziell auf das Casting vorbereitet habe sie sich aber nicht. «Es kommt, wie es kommen muss.» Eine Art Motto für die 43-Jährige. An besagtem Wochenende hat sie auch mit Radiomoderator Ralph Wicki gesprochen. Dieser wird die Pilgerreisenden auf den 240 Kilometern vom 24. Juli bis 4. August begleiten.

Übernachtet wird in Pilgerstätten, Klöstern und auch mal im Freien. «Das wäre die grösste Herausforderung. Ich bin überhaupt nicht der Campingtyp und habe in meinem ganzen Leben noch nie draussen geschlafen», gibt sie zu und lacht laut über sich selbst. Und falls sie für das SRF-Projekt nicht ausgewählt wird, hat Jeker bereits Pläne: «Pilgern gehe ich sowieso, das habe ich mit meiner Freundin schon abgemacht. Aber wir übernachten in Hotels, haben einen richtigen Rucksack und essen auch mal einen Schokoriegel – nicht nur Äpfel.»


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