Ringen um altes Schulgebäude in Rotkreuz

RISCH ⋅ Dass das ehemalige Rektoratshaus in Rotkreuz abgerissen werden soll, liess die Emotionen an der Gemeindeversammlung hochgehen. Der Gemeinderat konnte schliesslich einen Erfolg verbuchen – musste zuvor aber zittern.

30. November 2016, 07:24

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Soll das ehemalige Rektoratsgebäude an der Meierskappelerstrasse in Rotkreuz abgerissen werden oder nicht? Diese Frage wurde an der gestrigen Gemeindeversammlung im Dorfmattsaal kontrovers diskutiert. Der Gemeinderat will bekanntlich auf dem Schulareal Waldegg zwei Neubauten realisieren, um der zunehmenden Schülerzahl gerecht zu werden. Dafür legte er der Bevölkerung einen Planungskredit von 1,8 Millionen Franken vor. Bestandteil des Projekts ist der Abriss des schmucken roten Hauses an der Meierskappelerstrasse. Dieses Traktandum sowie die zahlreichen anderen Projekte, die es zu behandeln gab (siehe Box), mobilisierten 297 Stimmberechtigte. Ein Wert, der nur selten so hoch liegt.

Der Grund, weshalb die Emotionen bei den Schulneubauten derart hochgingen, liegt in der Geschichte des Gebäudes, in dem heute die Ludothek untergebracht ist. Es wurde in den 1880er-Jahren gebaut und gilt als das erste Schulhaus in Rotkreuz. Es befindet sich allerdings nicht im Inventar der schützenswerten Denkmäler.

Alternativprojekt wurde präsentiert

Kurt Müller, alt Gemeinderat von Risch, ist es ein Anliegen, diesen Zeitzeugen zu erhalten. Er präsentierte der Versammlung ein Alternativprojekt zum Vorschlag des Gemeinderats. «Wir müssen uns für alte Bausubstanz einsetzen, müssen Sorge tragen zu Gebäuden, die eine geschichtliche Bedeutung haben», votierte Müller. Als Beispiel erwähnte er die Suurstoffi beim Bahnhof Rotkreuz. Auf dem Areal haben zwei alte Gebäude «überlebt», sie stehen heute inmitten der modernen Überbauung. Müller machte den Vorschlag, den vom Architekturbüro geplanten länglichen Bau zu verkürzen und somit Platz zu schaffen, damit das alte Rektoratshaus bestehen kann. Dieses soll saniert werden und schulischen Zwecken dienen.

Der Gemeinderat wehrte sich gegen die Pläne. «Wir haben alles seriös vorbereitet», betonte etwa Schulpräsident Markus Scheidegger. Fast alle im Wettbewerb involvierten Planerteams hätten sich für einen Abbruch des Gebäudes ausgesprochen. «Eine Renovation wäre sehr teuer. Die Denkmalpflege erachtet das Objekt nicht als schützenswert.» Ausserdem könne man das Raumprogramm mit einem verkleinerten Neubau nicht mehr einhalten. «Wir stehen nicht zuletzt unter grossem Zeitdruck», so der Gemeinderat. Der Zeitplan könne mit seinem Vorschlag eingehalten werden, konterte Müller und präsentierte einen umfassenden Variantenvergleich. Dafür erhielt er viel Zuspruch. Es sei «typisch Rotkreuz», ältere, identitätsstiftende Bauten abzureissen und dafür «moderne Glaspaläste» aufzustellen, meinte ein Mann aus dem Publikum. Doch es gab auch Unterstützung für den Gemeinderat. Die Alternative wirke zwar auf den ersten Blick reizvoll, auf den zweiten Blick sei sie jedoch für die wichtigsten Nutzer, die Kinder, nicht die beste Lösung, votierte ein Einwohner. Der Gemeinderat konnte nach einer hitzigen Diskussion die Bevölkerung für sich gewinnen. 164 Hände gingen für den Antrag der Exekutive in die Höhe, 108 für den Antrag von Kurt Müller. Die Schulraumplanung kann also wie vom Gemeinderat vorgesehen weitergeführt werden.


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: