Segelclub ist auf Kollisionskurs

OBERÄGERI ⋅ Beim Segel-Club Ägeri tobt ein Kampf. Während die einen für eine Öffnung sind, wollen andere unter sich bleiben und ihre Privilegien verteidigen. Dem Präsidenten war das zu viel – er hat den Bettel hingeschmissen.

17. Oktober 2016, 05:00

Noch ist Martin Plüss als Präsident des Segel-Clubs Ägeri auf der Homepage des Vereins aufgeführt. Fälschlicherweise. Denn wie unserer Zeitung zugetragen wurde, hat Martin Plüss den Bettel «entnervt hingeschmissen». «Stimmt», bestätigt Plüss auf Anfrage: «Ich habe mich als Präsident des Segel-Clubs Ägeri zurückgezogen.» Dafür gebe es verschiedene Gründe, unter anderem auch die Belastung im Beruf.

Doch das gab wohl nicht allein den Ausschlag. Denn innerhalb des Segel-Clubs brodelt es. Grund dafür ist die Studenhütte am Seeplatz Oberägeri. Im Erdgeschoss dieser Hütte ist der Segel-Club seit Jahren eingemietet. Er hat den Bereich zum Clublokal umgebaut, wie der Oberägerer Gemeinderat Peter Staub erklärt. Im oberen Stock der Studenhütte befindet sich der Jugendtreffpunkt, der ins «alte Bahnhöfli» hätte umziehen sollen. Doch dieser Umzug scheint immer unwahrscheinlicher. Dies, weil nach wie vor nicht klar ist, ob das alte Stationsgebäude mit seinem Schuppen unter Denkmalschutz gestellt wird. Damit ist für den Moment zumindest klar, dass die Jugendlichen ihren Treffpunkt weiterhin im oberen Stock der Studenhütte haben werden.

Gemeinde will eine öffentliche Beiz

Klar ist auch, dass die Gemeinde im Erdgeschoss der Hütte künftig ein öffentliches Restaurant betreiben lassen will, wie 2014 an der Gemeindeversammlung entschieden worden ist. Und dann gibt es die Angelegenheit «Sunneschmatz». Der 58-jährige Bruno Neuweiler betreibt seit zwölf Jahren diese improvisierte Beiz auf dem Seeplatz. Nachdem im vergangenen Sommer deren Ende angekündigt wurde, setzten sich «Sunneschmatz»-Stammgäste ein. Sie sammelten Unterschriften für eine Petition, deren Ziel der Erhalt der Beiz ist oder dass Neuweiler zumindest das Restaurant in der Studenhütte als «Sunneschmatz» weiterführen kann. 1300 Unterschriften kamen zusammen. Ein deutliches Zeichen im 6000-Seelen-Dorf.

Das neue Restaurant in der Studenhütte soll öffentlich ausgeschrieben werden, sagt Gemeinderat Staub. Bruno Neuweiler könne sich bewerben und geniesse sicher einen Vorteil, weil er beim Seeplatz schon alles kenne. Doch bis es so weit ist, muss Staub sich noch mit dem Segel-Club einig werden. «Der Club hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, und die Gespräche liefen prima», erzählt Staub. Doch dann habe der Wind gedreht, und die Stimmung sei gekippt. «Es sind wohl weniger als eine Hand voll Leute, die schon immer gegen eine neue Lösung waren und diese auch jetzt torpedieren», sagt der zuständige Gemeinderat weiter. Sie beharren auf ihrem exklusiven Platz, der meist nur an einem Abend und zeitweise am Wochenende genutzt wird. Diese Mitglieder verspielten die Chance, den überalterten Club zu öffnen und so zu neuen, jungen Mitgliedern zu kommen, sagt einer, der für die Öffnung des Clubs und ein Restaurant ist. Die Ablehnung gegen die Pläne der Gemeinde zeigten sich etwa darin, dass ein Teil des Vorstands einen von der Gemeinde Oberägeri anberaumten und gewünschten Gesprächstermin nicht wahrnahm.

«An der Gemeinde soll es nicht liegen»

Und dabei ist rechtlich eigentlich alles klar. Grund und Boden wie auch die Hütte gehören der örtlichen Korporation und sind im Baurecht von der Gemeinde gepachtet. Letztere kann tun und lassen, was sie will, und könnte dem Segel-Club mit dem Verweis auf die öffentliche Nutzung und den öffentlichen Zweck auch den Vertrag kündigen. Ihm täten die Leute des Segel-Clubs leid, die sich für eine gute Lösung einsetzten, sagt Peter Staub. «Die haben ja genauso wenig davon wie ich.»

Trotzdem wolle er nicht aufgeben, betont der Gemeinderat. «Dem Segel-Club zu künden, ist nicht die Lösung, die wir wollen. Ich setzte mich weiter für einen runden Tisch ein und hoffe und glaube, dass für alle Beteiligten eine richtig gute Lösung gefunden wird. «An der Gemeinde soll es nicht liegen», doppelt Staub nach.»

Charly Keiser


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