So erwartet Zug die Demonstranten

ZUG ⋅ Noch herrscht in der Stadt gespannte Ruhe. Doch hinter den Kulissen wappnen sich viele auf den Besuch der angekündigten WEF-Gegner. Sie sollen gewaltbereit sein.
22. Januar 2016, 05:00

Charly Keiser

Der Schwarze Block ist laut Wikipedia eine Demonstrationstaktik von Gruppierungen, die sich schwarz kleiden und vermummen. Dabei handelt es sich meist um Linksautonome, die sich immer wieder an unbewilligten Demonstrationen beteiligen. In den vergangenen Jahren tauchten Mitglieder des Schwarzen Blocks auch an 1.-Mai-Demonstrationen in Zürich auf und sorgten für Aufregung.

Genau diese Leute könnten morgen der Stadt Zug einen Besuch abstatten (Ausgabe vom 15. Januar). «Wipe out WEF», heisst die Veranstaltung, zu der die Gegner des Weltwirtschaftsforums, das derzeit in Davos stattfindet, auf bekannten linksautonomen Plattformen im Internet aufrufen. Und das mit deutlichen Worten: «Zug mit all seinen Konzernen, Briefkastenfirmen und Steuerflüchtlingen ist ein passender Ort», begründen sie ihre Wahl und fordern: «Steueroase trockenlegen – auf nach Zug!» Treffen wollen sie sich um 15 Uhr auf dem Bundesplatz.

«Ich will das Risiko nicht eingehen»

«Womöglich bin ich ein Trottel oder aber gescheit», sagt Raffael Weidmann, Vertreter der Eigentümer des «Gotthardhofs». Denn der Rechtsanwalt will nicht das Risiko eingehen, dass sein Haus von Chaoten verwüstet werden kann. Er habe nämlich gehört, dass bis zu 1000 Demonstranten in Zug erwartet würden und Mitglieder des Schwarzen Blocks dabei sein dürften, verrät er und sagt: «Darum habe ich einen Schreiner aufgeboten.» Dieser stattete gestern den «Gotthardhof» mit viel Holz aus, das nun das Gebäude vor Schäden schützen soll. «Diese Massnahmen sind kostengünstiger als der potenzielle Schaden», betont Weidmann und ergänzt: «Ich kann ja nicht für den ‹Fall, dass› einen Glaser verpflichten und will auch nicht riskieren, dass das Restaurant Gotthardhof womöglich tagelang geschlossen ist.»

Sie stünden mit Ladenbesitzern und Privatpersonen im Innenstadtbereich in Kontakt und hätten dort Sicherheitsmassnahmen und Verhaltensanweisungen besprochen, erklärt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Sachbeschädigungen könnten nicht ausgeschlossen werden. «Ein gewisses Risiko besteht», räumt Aklin ein und sagt weiter: «Wir stehen deshalb auch weiterhin mit den Ladenbesitzern in Kontakt und beraten sie. Es ist den Ladenbesitzern überlassen, Massnahmen zu ergreifen.»

Sorgfältig vorbereitet

Auch bis gestern Nachmittag ist kein Gesuch für eine Demonstration bei der Stadt eingegangen, wie Stadtrat Urs Raschle auf Anfrage erklärt. Da kein Gesuch für eine Bewilligung gestellt worden sei, habe die Stadt auch keine Ansprechpersonen bei den Demonstranten. «Trotz intensiver Bemühungen ist es uns bisher nicht gelungen, eine Kontaktperson ausfindig zu machen», sagt Raschle. Die Polizei habe sich deshalb mit einem sorgfältig geplanten Dispositiv vorbereitet, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung morgen aufrechtzuerhalten. «Ich persönlich stehe seit Tagen mit der Zuger Polizei in Kontakt und bin in ihre Arbeit einbezogen», so der Stadtrat. Die Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration sei eine Übertretung und werde mit einer Busse geahndet, antwortet Raschle auf die entsprechende Frage. Und Judith Aklin ergänzt: «Wer sich in irgendeiner Form strafbar macht, zum Beispiel bei Sachbeschädigungen, muss mit Konsequenzen rechnen.»

Ob die Demonstranten gefilmt und fotografiert würden, wollen wir von Aklin zudem wissen, die dazu aber nur sagt: «Operationelle Belange werden nicht bekannt gegeben.»

Das raten Stadt, Polizei und SBB

Die Polizei habe in Absprache und Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt Zug die erforderlichen Massnahmen getroffen und werde mit einem entsprechenden Aufgebot im Einsatz stehen, sagt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Beeinträchtigungen für Passanten oder im Verkehr kommt.» Der Bevölkerung werde vorsorglich empfohlen, die Stadt Zug, insbesondere den Bereich des Bundesplatzes sowie das Gebiet in und um den Bahnhof, ab Mittag zu meiden beziehungsweise zu umfahren.

Lose Gegenstände entfernen

Noch deutlicher werden die Bundesbahnen (SBB), die ihre Mieter per Brief informieren und entsprechende Tipps abgeben. Die SBB habe für diesen Tag entsprechende Sicherheitsorgane aufgeboten und werde am Bahnhof Zug präsent sein, schreibt die Vermieterin und verlangt: «Lose Gegenstände wie Stühle, Tische et cetera, die als Wurfgegenstände verwendet werden könnten, dürfen an diesem Tag nicht auf die Aussenfläche gestellt werden.»

Die SBB warnen die Mieter, sich selber nicht in Gefahr zu begeben und empfiehlt, die Verkaufsstelle bei entsprechender Bedrohung zu schliessen. Bei Schäden sei es in der Verantwortung der Mieter, einen Strafantrag zu stellen. «Wenn möglich raten wir Ihnen an, nicht mit dem Privatauto anzureisen und dieses in unmittelbarer Nähe des Bundesplatzes und des Bahnhofs abzustellen.»


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