Spontanes Varieté entzückt das Publikum

ZUG ⋅ Am «Schrägen Mittwoch» geht im Burgbachkeller die Post ab. Profis, Anfänger und «schräge Vögel» zelebrieren grossartige Kleinkunst.
16. März 2017, 14:46

Der St. Galler Christian Johannes Käser, alias Pumpernickel, eröffnete den 86. Schrägen Mittwoch im Burgbachkeller in Zug mit wortgewandter musikalischer Stegreif-Comedy. In der Folge führte er humorvoll durch ein Programm, das keine Wünsche offenliess.

Die Nidwaldnerin Bruna Guer­riero nahm, dick in einen Mantel eingehüllt, ein fiktives Radiointerview eines Zürcher Lokalsenders aufs Korn, ehe sie als Varieté-Sängerin die Träume einer alternden Diva offenlegte.

Der an den Rollstuhl gefesselte, halb dominikanische, halb spanische Eddie Ramirez zeigte seine Schlagfertigkeit als Stand-up-Comedian. Einem Arzt, der ihn vier Stunden auf eine Konsultation warten liess und sich dann als Doktor Hübsch vorstellte, beschied er: «Mir wäre lieber, Sie würden Doktor Pünktlich heissen.» Die aus Freiburg im Breisgau angereiste mollige Kerstin Luhr machte sich über die «Körnlipicker» lustig. Sie bekannte: «Ich bin mal fett und lege mehr Gewicht auf Comedy.»

Das Fado-Ensemble Madrugada mit den Gitarristen Kurt Brägger und Gioi Geniale sowie der begnadeten Sängerin Sibil Rossi beeindruckten mit leicht melancholischen Fado-Liedern, die die «Lust am Unglücklichsein» derart überzeugend ausdrückten, dass es den Zuhörern kalt den Rücken hinunterlief. Dabei ist zu erwähnen, dass die drei Künstler am Mittwoch zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen.

Roland Hürlimann provozierte im Publikum als Clown Toni Bouton eine Lachsalve nach der anderen, als er sich vor der Pause beim Putzen der Bühne urkomisch anstellte. Dass er mehr verschmutzte als reinigte, versteht sich von selbst.

Nach der Pause sang die in Innsbruck geborene und in Zug aufgewachsene Liedermacherin Julia Costa herzergreifende Mundartsongs, mit denen sie die Lebendigkeit des Menschseins wachrüttelte. Gregor Schaller demonstrierte als Sozialarbeiter extrem schräg, wie aus Abfall eine Weihnachtskrippe gebastelt werden kann, die schliesslich wildfremde Menschen vereint. Die Clownin Blanca Böll verhedderte sich in einem Seil, ehe sie sich mit akrobatischer Eleganz zu befreien vermochte.

Schwarzer Humor krönt das tolle Programm

Den Abschluss des 86. Schrägen Mittwochs machte das professionelle Theaterkabarett Ruedi & Heinz (Rhaban/Straumann). Mit ihrer Interpretation eines lustvollen Abends in einem Altersheim voller Sturheit und Vergesslichkeit rissen sie das Publikum förmlich von den Sitzen. Der Mix aus schwarzem Humor à la Muppet Show und existenzialistischer Radikalität von «Warten auf Godot» setzte dem tollen Programm die Krone auf.

Ein dickes Lob an Maria Greco

Die Künstler und das Publikum befanden unisono: «Die Baarer Geschichtenerzählerin Maria Greco, die den Schrägen Mittwoch vor fünf Jahren ins Leben gerufen hat und ihn bis heute umsichtig organisiert, hat ein dickes Kompliment verdient.» Was sie immer wieder zu Stande bringt, sei wirklich geradezu phänomenal.

Martin Mühlebach

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Das Theaterkabarett Ruedi & Heinz tritt am Donnerstag, 6. April, in der Rathus-Schüür in Baar auf. Bruna Guerriero ist am 7. April in der Industrie 45 in Zug zu sehen, und die Liedermacherin Julia Costa wird demnächst am Troubadix in Bremgarten auftreten.


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