Die Nordzufahrt heisst Oberdorfstrasse

WALCHWIL ⋅ Auf dem Lienisberg werden zwei Tennisplätze gebaut, und die Fussballer freuen sich über eine Beleuchtung. Die Gemeindeversammlung legt auch den Namen für die Nordzufahrt fest.

01. Dezember 2016, 10:08

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Die Stimmung im Walchwiler Gemeindesaal erinnerte an ein Kino: Schummriges Licht, eine Leinwand und sogar ein Platzanweiser waren auszumachen. Doch es stand gestern Abend keine Filmvorführung auf dem Programm, sondern die Gemeindeversammlung. Der Platzanweiser war der Bauchef René Loosli (FDP), der die nach einem freien Stuhl suchenden Besucher dirigierte. Es war tatsächlich grosses Kino gestern Abend, wovon die 358 Stimmberechtigten und die zahlreichen Gäste Zeuge wurden.

Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Sportanlagen auf dem Lienisberg hofften einige dortige Bewohner auf einen Teilsieg: Nach teilweise emotionalen Voten stellte einer von ihnen, Werner Fuchs, den Antrag, die Tennisplätze aus dem Text des anzupassenden Artikels in der Bauordnung zu streichen und damit zu verunmöglichen. Dieser wurde mit 187:131 Stimmen deutlich abgelehnt. Die Anpassung des Artikels wurde schliesslich grossmehrheitlich angenommen. Damit blieb aber offen, ob Tennisplätze auf Gemeindekosten gebaut werden. Schliesslich bewilligte die Versammlung den Bau zweier Tennisplätze (180:134 Ja-Stimmen), verwehrte aber einen dritten (205:119 Nein-Stimmen). Die Beleuchtung für den Fussballplatz wurde hingegen mit nur 15 Gegenstimmen angenommen. Damit kommen Gesamtkosten in der Höhe von 600 000 Franken auf die Gemeinde zu.

Befürchtungen, dass diese Erweiterung der Sportanlagen auf dem Berg Begehrlichkeiten für weiteren Ausbau weckt, hielt der Bauchef Loosli entgegen: «Wir wollen kein zweites Magglingen.» Damit spielte er auf das Bundessportzentrum in jenem Ort an.

Die neue Strasse hat einen Namen

Nach 90 mehrheitlich ernsten Minuten wurde das nächste Traktandum mit leichtem Gelächter aufgenommen: das Hin und Her um die Benennung der Nordzufahrt. Der Gemeindepräsident Tobias Hürlimann (CVP) machte keinen Hehl aus seiner Genervtheit über die epische rechtliche Auseinandersetzung. Christian Gut von den gegen den Namen «Emmuetenstrasse» opponierenden Anwohnern am Hörndlirain versuchte alles und stellte den Antrag, auch über den Namen «Hörndlistrasse» abzustimmen. Es war ein von vornherein aussichtsloses Unterfangen. Die Abstimmung wurde verwehrt, weil die Namensgebung Aufgabe des Gemeinderats sei und nicht an die Gemeindeversammlung delegiert werden könne, begründete Hürlimann. Die Abstimmung über die Benennung ging eindeutig aus: Die neue Strasse wird Oberdorfstrasse heissen.

Der vom Gemeinderat portierte Name «Emmuetenstrasse» dürfte aber noch in der Internetadresse über das Grossprojekt weiterexistieren – die Domain www.oberdorfstrasse.ch ist schon vergeben. Und höchstwahrscheinlich wird die Bezeichnung jeweils im Frühjahr aufleben: als Fasnachtssujet.


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