Stadttunnel in verkleinerter Form

REGENWASSER ⋅ Damit das Nass nicht wie bisher einfach in die Kläranlage läuft, baut die Stadt Zug bis 2018 für 19,5 Millionen Franken ein ausgeklügeltes Kanalsystem. Dabei wird fast diskret unter der Erde gebohrt.

23. September 2016, 05:00

Regenwasser endet in den Gemarkungen der Stadt Zug heute noch häufig in der Kläranlage. Das müsste nicht sein. Deshalb soll im Untergrund ein System installiert werden, welches unverschmutztes und verschmutztes Regenwasser und gesammeltes Material aus Drainagen in verschiedene Kanäle lenkt. Schwerpunkt dieser Arbeiten ist in naher Zukunft das Gebiet Guthirt, Baarer­strasse und Loreto.

Das bereits detailliert ausgearbei­tete Projekt hat der Zuger Stadtingenieur Jascha Hager nun an einer Medienorientierung präsentiert: «Es ist vorgesehen, das Baugesuch noch in diesem Monat öffentlich zu machen.» Nur noch in einem Punkt wartet die Stadt auf eine Zusage. Laut Hager soll diese aber fristgerecht erfolgen. Vorausgesetzt, dass die not­wen­digen Bewilligungen innert geplanter Frist erfolgen, könnte der Baustart bereits im kommenden Februar er­folgen. Sie sollen im Herbst 2018 ab­geschlossen werden.

«Microtunneling-Verfahren» beschert grabenloses Bauen

Das Spezielle beim Bau dieser Werkleitungen ist, dass die Bevölkerung davon fast nichts mitbekommt. Der Grund: Der Einbau der Röhren mit einem Innendurchmesser von zwei Metern erfolgt im Microtunneling-Verfahren. Das heisst: Ein Bohrer frisst sich in acht bis zehn Metern unter Boden durch das Gelände. Die Röhren werden dann nachgeschoben. Sichtbar sind dabei nur der Start- und der Zielschacht. Geplant ist in diesem Ausbauschritt die Erstellung von neuen Werkleitungen, die insgesamt 1,57 Kilometer lang sind.

Bereits definiert sind die Orte, an denen mit dem Bohren begonnen werden soll respektive wo die Untergrundarbeiten enden. Die Stadt hat bereits in früheren Jahren mit dem Microtunneling-Verfahren Werkleitungen verlegt; unter anderem an der Zugerbergstrasse. Die Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise – in Fachkreisen als «grabenloses Bauen» bekannt – waren durchwegs positiv. Der Vorteil dieser Arbeitsme­thode liegt für Jascha Hager denn auch auf der Hand: «Der Bau der Leitungen bringt für den Verkehr kaum Behin­derungen.»

Nur an einem Ort muss eine Strasse für längere Zeit gesperrt werden, und zwar die Aabachstrasse zwischen der Gubel- und der Grafenaustrasse. Auf diesem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft des kantonalen Verwaltungszentrums soll der Bauinstallationsplatz platziert werden.

Knackpunkt: Gubelloch-Unterführung

Das hat Auswirkungen auf die Buslinie Nummer 7 der Zugerland Verkehrsbetriebe, die Zuger Polizei, den Rettungsdienst und alle anderen Verkehrsteilnehmer. Doch bei einer konventionellen Bauweise – bei der ganze Strassenzüge aufgerissen werden müssten – wären die Behinderungen noch weit umfangreicher und langwieriger. Ein Knackpunkt des geplanten, weit verzweigten Stadttunnels im Miniatur­format ist sicher der Abschnitt, der im Bereich der Gubelloch-Unterführung ausgeführt wird. Dort liegt der Tunnel nur gerade 2,6 Meter unterhalb des Strassenniveaus. Der grösste Teil der Tunnelstrecke liegt auf öffentlichem Grund.

Doch beim Bahnhof Zug musste sich die Stadt von den SBB die Durchleitungsrechte zusichern lassen. Das gesammelte Wasser wird dann, wenn die Bauarbeiten Ende 2018 fertig sind, in den Zugersee geleitet. Die Auslauftiefe in diesem Gewässer liegt 14 Meter unterhalb des Wasserspiegels. Im gleichen Aufwisch wird auch noch die Hochwassersicherheit des Arbachs, des Göbli­bachs und des Siehbachs verbessert. Die Gesamtkosten für den Leitungsbau liegen bei rund 19,5 Millionen Franken.

Andere Projekte werden verzögert ausgeführt

Allenfalls schliesst sich die WWZ Energie auch noch dem Projekt an. Das Zuger Unternehmen will einen Wärmeverbund aufgleisen. Die wichtigsten Leitungen für dieses Projekt sollen parallel zur sogenannten Vorflutleitung der Stadt Zug erstellt werden. Das bedeutet für beide Parteien die Einsparung von Kosten und Bauzeit. Um nicht noch zusätzliche Verkehrsbehinderungen zu schaffen, sollen laut dem Zuger Stadt­ingenieur Jascha Hager verschiedene Strassenbaustellen im Gebiet Zug West–Gubelstrasse–Aabachstrasse und der General-Guisan-Strasse verschoben werden.

Sie sollen nach dem Bauende der Werksleitungen in Angriff genommen werden. Das heisst, dass die geplante Einebnung der General-Guisan-Strasse wohl erst im Jahre 2019 umgesetzt werden dürfte.

Marco Morosolimarco.morosoli@zugerzeitung.ch


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