Steuergelder fliessen nach Tschechien

BAUVERGABE ⋅ Das Kolingeviert wird momentan von der Stadt Zug saniert. Das ist so an der Urne beschlossen worden. Die Fensterbauarbeiten für rund 130 000 Franken gehen ins Ausland – lokale Handwerker sind verärgert.

09. Oktober 2016, 05:00

«Das ist alles andere als toll, wenn Zuger Steuergelder nach Tschechien fliessen und wenn wir damit auf diese Weise zukünftige Lehrlinge ausbilden, die uns hier fehlen.» Der Ärger sitzt tief bei dem Zuger Handwerker, der frustriert ist über die Vergabepolitik der Stadt Zug im Kolingeviert.

Dort entsteht bis November 2017 in der historischen Altstadt an der Stelle der jahrelangen Brandlücke ein Neubau – das gesamte Areal wird für 12,2 Millionen Franken saniert. So haben es die Stadtzuger Stimmbürger im März 2015 an der Urne beschlossen. Nun wurden jüngst Arbeiten für den Neubau vergeben – darunter die Fensterbauarbeiten für rund 130 000 Franken. Zum Zug ist jedoch keine heimische Firma aus der Region gekommen.

Firma löste bereits in Bern einen grossen Skandal aus

Denn die Firma Antikhaus Historische Fenster AG hat zwar ganz offiziell ihren Sitz im zürcherischen Rümlang. Doch wer sich das siebenköpfige Firmenteam genauer anschaut, dem wird schnell klar: Diese Schweizer Firma verkauft und montiert vielleicht Fenster, aber sie stellt keine her. Diese werden vielmehr im gleichnamigen Unternehmen im böhmischen Rychnov gefertigt – zu günstigeren tschechischen Löhnen, versteht sich. Seit 2009 unterhält die ursprünglich deutsche Firma Antikhaus eine Niederlassung in Zürich. Pikant: Schon der Chauffeur der Rümlanger Firma trägt einen tschechischen Namen.

«Ich bin nicht deshalb so verärgert, weil meine Firma den Auftrag nicht erhalten hat», sagt der Zuger Handwerker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Für ihn wäre es in Ordnung gewesen, wenn irgendein anderer Zuger oder Schweizer Fensterbauer den Zuschlag erhalten hätte. «Denn, wenn es dann um Reparaturen geht, sind wir heimischen Handwerker wieder recht.»

Er weist daraufhin, dass die Firma Antikhaus ja bereits vor vier Jahren einen Skandal ausgelöst habe. 2012 empörten sich Gewerbler und Gewerkschafter darüber, dass der Bund besagter Firma für neue Fenster am Bundeshaus Ost den Zuschlag für 1,5 Millionen Franken gegeben hatte – für Importfenster aus Tschechien.

Der Stadtzuger Bauchef André Wicki bestätigt die Vergabe des Auftrags im Kolingeviert an die Firma Antikhaus in Höhe von exakt 131 099.50 Franken einschliesslich der Mehrwertsteuer. «Die Stadt freut sich immer, wenn ortsansässige oder im Kantonsgebiet angesiedelte Firmen beauftragt werden können», beteuert André Wicki. Dies gelinge aber nicht immer. «Beim Kolingeviert konnten wir beim Fensterbau keine heimische Firmen berücksichtigen.»

Grund: Die Stadt Zug sei dem öffentlichen Submissionsrecht unterstellt. Da die Bausumme insgesamt höher als 8,7 Millionen Franken sei, komme eben auch Staatsvertragsrecht zur Anwendung. Wicki: «Das bedeutet, dass die Aufträge öffentlich auszuschreiben sind. Die Firma, welche das wirtschaftlich günstigste Angebot einreicht, hat Anspruch auf den Zuschlag.» Nebst dem preisgünstigsten Angebot habe die Firma auch bezüglich Referenzen, Qualität und Organisation überzeugt.

Dass das «Antikhaus» vor vier Jahren bereits für rote Köpfe gesorgt hat, beunruhigt den SVP-Stadtrat nicht. «Uns ist nichts bekannt. Da das Submissionsverfahren streng reglementiert ist, wäre das auch kein Ausschlussgrund», sagt er und fügt an: «Im Casino hat bei den Fenstern übrigens eine heimische Firma den Zuschlag erhalten – mit bedeutend höherem Auftragswert.»

Wolfgang Holzwolfgang.holz@zugerzeitung.ch


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