Zuger Taxifahrer erhalten Konkurrenz durch Uber

TRANSPORT ⋅ Der Fahrdienst Uber ist seit kurzem auch im Kanton Zug aktiv. Die einheimischen Taxifahrer nehmen dies jedoch gelassen.

30. November 2016, 07:18

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Auf der App online nachschauen, wo der nächste Fahrer verfügbar ist, diesen mit einem Klick bestellen und nach der Fahrt die Kosten direkt mit der Kreditkarte begleichen: So in etwa spielt sich eine Fahrt mit Uber ab. Der Fahrdienst ist gemäss eigenen Angaben weltweit in 541 Städten aktiv. In der Schweiz gibt es Uber bisher vor allem in Zürich, Genf und Basel. Doch auch in der Stadt Zug sind seit einiger Zeit immer wieder Uber-Fahrer unterwegs und chauffieren Gäste für 15 Franken etwa von Zug nach Allenwinden oder für 7 Franken von der Zugerbergstrasse zum Bahnhof.

In der Taxibranche hat man den neuen Dienst auf dem Radar. Die Besorgnis über die Konkurrenz hält sich aber bisher in Grenzen. «Wir behalten Uber natürlich im Auge», sagt Sven Sattler, Geschäftsführer von Taxi Keiser Zug. Bisher spüre man aber im Kanton keine allzu starke Konkurrenz. «Es sind vereinzelte Fahrer, die unterwegs sind. Oft sind es wohl auch solche, die eine Fahrt von Zürich nach Zug unternommen haben», so Sattler.

Uber sucht Fahrer in Zug

Ähnlich klingt es beim Taxistand hinter dem Zuger Bahnhof. Man wisse zwar, dass Uber-Fahrer in Zug unterwegs seien, es seien aber erst wenige, weshalb man noch nicht viel davon zu spüren bekommen habe, sagen mehrere Fahrer auf Anfrage. Allerdings scheint Uber selbst durchaus daran interessiert zu sein, dies zu ändern. Denn der Dienst wirbt aktiv Fahrer an. «Ich bekomme mindestens einmal pro Woche Mails oder SMS von Uber. Sie fordern mich darin auf, mich bei ihnen anzumelden und für sie zu fahren», sagt Kahlid Boussalham und zeigt eine Nachricht. Er ist als selbstständiger Taxifahrer im Kanton unterwegs. Er habe aber kein Interesse. «Warum sollte ich? Ich könnte viel weniger verlangen und müsste dann auch noch einen Teil davon an Uber abgeben. Das macht für mich keinen Sinn», so Boussalham.

Dass ein Kampf gegen Uber nicht leicht wäre, räumt Sven Sattler allerdings ein. Denn mit den Preisen, mit denen Uber in den Taximarkt einsteigt, können es andere Betriebe kaum aufnehmen. Uber fährt rund 30 bis 40 Prozent günstiger. «Diese Fahrer haben nicht dieselben Auflagen wie ein Taxibetrieb, beispielsweise im Bereich der Fahrzeugwartung. Zudem wird keine Zentrale geführt. Die Preise können also eigentlich nicht verglichen werden», so Sattler. Und den Fahrern bleibe am Ende nicht viel. «Sie müssen rund 30 Prozent des Fahrpreises abgeben. Dann kommen noch Benzin- und Wartungskosten für das Auto dazu. Jetzt kann man selber rechnen, wie viel da einem bei einer 15-Franken-Fahrt noch bleibt.»

Polizei führt Kontrollen durch

Und dann ist da noch die Sache mit dem Gesetz. Uber bietet verschiedene Kategorien an. Bei Uber Black und Uber X handelt es sich um Limousinen-Services. Laut Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Polizei, seien diese offiziell zugelassen. Bei Uber Pop, der günstigsten Kategorie, werden Privatpersonen für Taxifahrten akquiriert. «Wer als Taxifahrer Personen transportiert, muss ein Auto haben, das mit einem Fahrtenschreiber ausgerüstet ist. Zudem muss der Fahrer eine Bewilligung für berufsmässige Transporte haben», erklärt Kleiner. Als berufsmässig gelten Fahrten, die regelmässig von einem Fahrer oder mit einem Fahrzeug durchgeführt werden und mit denen ein wirtschaftlicher Erfolg erzielt werde. Die Zuger Polizei führe bei Taxiunternehmen regelmässig Betriebskontrollen durch. «In jüngster Zeit sind bei der Zuger Polizei vereinzelte Meldungen zu möglichen Uber-Fahrern eingegangen», sagt Kleiner. Diese würden sich aber eher weniger im Kanton bewegen, sondern führten Fahrten nach Zürich aus. «Zwei von ihnen haben nach der Kontaktaufnahme durch die Polizei ihr Fahrzeug mit einem Fahrtenschreiber nachgerüstet und haben nun die Zulassung für Personentransporte», sagt Kleiner.

Bei Uber selbst äussert man sich zum Zuger Markt zurückhaltend. «Viele Zürcher nutzen Uber, um zu Randzeiten in die umliegenden Städte zu kommen – so auch nach Zug», sagt Uber-Mediensprecher Ali Azimi. Um die Effizienz der Fahrer zu erhöhen, habe man die App in Zug freigeschaltet. So könnten die Fahrer eine unmittelbare Anschlussfahrt beispielsweise zurück nach Zürich bekommen, so Azimi. Entsprechend sei jedoch die Verfügbarkeit von Uber in Zug nicht so hoch wie in Städten wie Zürich. Dass Uber auf der Suche nach Fahrern im Kanton ist, dazu äussert sich das Unternehmen nicht.


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