Tonerde soll gegen Schädling helfen

LANDWIRTSCHAFT ⋅ Weinbauern haben mit der weissen Tonerde gute Ergebnisse im Kampf gegen die Kirschessigfliege erzielt. Auch die Chriesibauern haben das Mittel ausprobiert – mit durchzogenem Erfolg.

19. Oktober 2016, 05:00

Samantha Taylor

Das kleine Tier hat den Landwirten und vor allem den Chriesibauern im Kanton im Sommer ziemlich zu schaffen gemacht. Die Kirschessigfliege – ein Schädling, der ursprünglich aus Asien eingewandert ist – macht die feinen Früchte bei einem Befall ungeniessbar (siehe Box). Nicht nur die Obstbauern haben mit dem Schädling zu kämpfen. Auch den Winzern setzte die Kirschessigfliege in den vergangenen Wochen zu. Doch die wollen nun ein Mittel gegen den Schädling gefunden haben. Mit Kaolin, also weisser Tonerde, sind sie erfolgreich gegen den Schädling vorgegangen. Die Fliege gehe bei behandelten Reben praktisch nicht mehr auf die Traube, so die Bilanz der Winzer.

Ist mit der weissen Tonerde also auch ein wirksames Mittel für die Zuger Chriesibauern gefunden? «Wir haben gemeinsam mit der Forschungsanstalt Agroscope mit Kaolin auch schon Versuche gemacht», sagt Louis Suter, Obstanbauverantwortlicher des Kantons Zug. Das Mittel wirke bei der Bekämpfung verschiedenster Schädlinge. So kommt es jeweils im Frühling bereits erfolgreich zum Einsatz bei Birnbäumen gegen den Birnenblattsauger. «Bei den Chriesi ist es etwas schwieriger», so Suter. Man habe gewisse Kulturen mit Kaolin besprüht, vor allem im Bereich der Hochstammbäume. «Das Mittel wirkt nicht schlecht. Aber es bietet leider keinen 100-prozentigen Schutz. 10 bis 20 Prozent der Früchte werden trotzdem befallen», sagt Suter.

Mehr Erfolg bei Trauben als bei Chriesi

Der Obstbaufachmann vermutet, dass dies in erster Linie damit zusammenhänge, wie das Mittel auf die Pflanzen aufgetragen werden könne. «Wir haben die Tonerde in Hünenberg beispielsweise im Rebbau eingesetzt. Dort waren wir sehr erfolgreich.» Die Reben seien jedoch einfacher zu besprühen als die Hochstamm-Chriesibäume. «Man kommt besser an die Reben beziehungsweise die Trauben ran», erklärt Suter. Eine weitere Schwierigkeit der Tonerde sei ausserdem, dass man mengenmässig sehr viel brauche, im Gegensatz zu modernen, chemischen Pflanzenschutzmitteln. So müsste die Tonerde beispielsweise nach Regen meist erneut aufgetragen werden. Und schliesslich kann die weisse Tonerde nur bei jenen Kirschen aufgetragen werden, die für die Verarbeitung vorgesehen sind, da das Mittel einen weissen, staubigen Film über die Frucht legt.

Weitere Versuche geplant

Ein Heilmittel gegen die Kirschessigfliege ist also im Bereich des Obstbaus auch mit dem Kaolin noch nicht gefunden. «Leider», wie Louis Suter sagt. «Wir arbeite weiterhin daran, und wir machen auch weiterhin Versuche», sagt Suter. Ziel sei es, ein wirksames biologisches Mittel gegen die Kirschessigfliege zu finden. «Wir müssen einfach alles ausprobieren», so Suter. Eine gut funktionierende Methode im Kampf gegen die Kirschessigfliege sei zudem das Einnetzen von Bäumen oder ganzen Kulturen. «Das ist allerdings sehr aufwendig und kostspielig», so Suter. Ausserdem sei es bei Hochstämmern nicht umsetzbar.

Die Kirschessigfliege macht den Bauern im Kanton seit rund drei Jahren Probleme. Im vergangenen Sommer erreichte das Ganze eine neue Dimension. Der Schädling war in neue Gebiete vorgerückt. Erstmals hatte man nämlich in den Zuger Berggemeinden Probleme mit der Kirschessigfliege. In diesem Jahr waren laut Suter auch die Bedingungen für das Ausbreiten der Fliege ideal. Der Sommer war nicht zu heiss, und es war oft feucht. Genau so mag es der Schädling.


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