Ueli Maurer spöttelt über Frauen

ABSTIMMUNGSKAMPF ⋅ Bundesrat Ueli Maurer verglich an einer Gripenveranstaltung in Zug Frauen mit «Gebrauchtgegenständen». Es sei grotesk, diesen Witz im Nachhinein als frauenfeindlich zu betiteln, sagt Willi Vollenweider, Leiter des Pro-Gripen Anlasses.

28. April 2014, 11:47

Bei den Frauen liegt der Gripen nicht hoch im Kurs. Gemäss aktueller SRG-Umfrage heissen nur 32 Prozent den Kauf des milliardenteuren schwedischen Kampfjets gut. Eigentlich Grund genug, um sie zu umgarnen. Bundesrat Ueli Maurer, der oberste Pro-Gripen-Kämpfer im Land, macht nun exakt das Gegenteil. An einem Podium in Zug sonderte er einen Frauenwitz ab. In Anspielung auf die veraltete Tiger-Flotte fragte der Verteidigungsminister, wie viele 30-jährige Gebrauchtgegenstände das Publikum noch zu Hause habe. Die Antwort lieferte er gleich selber: Bei ihm seien es nicht mehr viele. Eine Ausnahme sei die Frau, die den Haushalt schmeisse. Vor Ort applaudierte die männliche Zuhörerschaft.

Als Witz verstanden

Mit im Saal war der Leiter des Komitees, das den Pro-Gripen-Anlass organisiert hatte, Willi Vollenweider. Alle im Saal hätten diesen als Witz verstanden. Es sei grotesk, diesen Witz im Nachhinein als frauenfeindlich zu betiteln. «Ein kleiner Rest von Humor muss auch einem Politiker zugestanden werden», sagte Vollenweider, der für die SVP im Zuger Stadtparlament sitzt. Maurer werde dafür nun nur kritisiert, «weil den Gripen-Gegnern die Argumente ausgehen».

Die Grünen des Kantons Zug zeigten sich am Sonntag hingegen «entsetzt über die Gleichsetzung von Frauen und Gebrauchtgegenständen». Die Aussage Maurers sei skandalös. Alle Schweizerinnen und Schweizer, welche die Frauen noch respektierten, müssten sich fragen, ob ein solcher Bundesrat noch tragbar sei. Eigentlich können sich die Gripen-Gegner jedoch ins Fäustchen lachen. Denn strategisch war Maurers Kalauer höchst unklug – die weibliche Zustimmung zum Gripen dürfte nach dem magistralen Fauxpas kaum steigen. Und auch die Jungen Grünen Schweiz finden solche sexistische Äusserungen inakzeptabel. Sie degradiere Frauen zu Objekten und versage ihnen mit dem veralteten Familienbild Gleichstellung. Laut einer Mitteilung fordert die Partei von Bundesrat Ueli Maurer eine öffentliche Entschuldigung. Und auf Twitter schreibt der ehemalige Zuger Nationalrat und Mitgründer der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) Jo Lang: «Frauenbeleidigung in Zug: Sollte Ueli Maurer das gesagt haben, ist er als Bundesrat nicht mehr tragbar». Und weiter: «Beat Villiger (Landammann!), Nationalrat Bruno Pezzati und Ständerat Peter Bieri müssen sich davon schärfstens distanzieren.»

Auch in anderen Tweets unter dem Hashtag «#GebrauchtBR» wurde Maurer zum Rücktritt oder zu einer Entschuldigung aufgefordert. Andere nahmen die Äusserungen des SVP-Bundesrats zu Frauen und Haushaltsgegenständen mit Humor und forderten dazu auf, dem Verteidigungsminister ausgediente Haushaltsgeräte zu bringen unter dem «Motto: Hobby statt Amt».

Am 18. Mai stimmt das Stimmvolk über das Gripen-Fonds-Gesetz ab. Aus dem Fonds soll der Kauf von 22 Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab finanziert werden.

kä/rem/sda


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