Weitsicht, die sich auszahlt

JUBILÄUM ⋅ Vor 25 Jahren wurde der Panoramaweg Ägerital eingeweiht. Unzählige Wanderer, Biker oder Jogger haben ihn seither genutzt. Initiant Josef Iten ist heute noch stolz auf dieses Projekt.

05. Oktober 2016, 05:00

Carmen Rogenmoser

Atemlos bleibt der Wanderer bei der Bruhsthöchi stehen. Nicht etwa weil der Aufstieg so anstrengend gewesen wäre – ganz im Gegenteil, es handelt sich dabei um eine leichte Wanderung –, sondern wegen des Panoramas, das sich vor einem ausbreitet: Hoch über dem Ägerital eröffnet sich ein Blick, der bis zu den Urner Bergen reicht, gar die Glarner Alpen sind erkennbar, und die Rigi türmt sich hoch in den Himmel. «Diese Aussicht darf der Öffentlichkeit doch nicht verschlossen sein», sagt Josef Iten. Bruhst Sebi, wie er hier oben genannt wird, geniesst diese Aussicht täglich. Er lebt auf dem Hof gleich unterhalb der Bruhsthöchi.

Ihm gehört auch das kleine Hüttli, das den Wanderern offensteht, Feuerstelle inklusive. «Das Feuerholz muss ich oft nachfüllen. Man merkt, dass hier viele unterwegs sind», erklärt er. Dass Wandern wieder zum Trend wird, dass das Lokale und die Natur als Erholungsgebiet bei der Bevölkerung beliebt werden, haben Bruhst Sebi und seine Kollegen schon vor 25 Jahren geahnt. Damals, genau am 5. Oktober 1991, wurde der Panoramaweg Ägerital eröffnet. Ein 25 Kilometer langer Wanderweg, der rings um den Ägerisee verläuft: von Unterägeri über die Hintertann, die Bruhst­höchi und das Mangeli bis zum Raten. Dann weiter über St. Jost und den Morgartenberg, über die Rapperenflue hinweg in den Bergwald, bis man schliesslich wieder in Unterägeri ankommt. Natürlich kann auch einfach ein Teilabschnitt der Strecke absolviert werden. «Die Natur, das Panorama, ja das ganze Tal war uns schon längst gegeben. Der Weg war der kleinste Teil zu diesem Werk», sagt der 74-Jährige.

«Ein guter Stern stand über dem Projekt»

1991 feierte die Eidgenossenschaft ihr 700-jähriges Bestehen. Die Gemeinden seien in diesem Zusammenhang angefragt worden, etwas Spezielles zu machen. Iten, der damals als Bauchef im Oberägerer Gemeinderat sass, erinnert sich: «Zuerst dachten wir an einen Brunnen oder ein Feuerwerk.» Doch eigentlich wünschte sich der Gemeinderat etwas Beständiges – etwas, was nachhaltig ist und für die Bevölkerung zugänglich. «Spontan habe ich einen Spaziergang rund um das Ägerital vorgeschlagen.» Inspiriert worden sei er vom Weg der Schweiz, sagt Iten. Er sei dann beauftragt worden, diese Idee weiterzuverfolgen. Weil ein Teil des Gebiets in Unterägeri liegt, wurde die Nachbargemeinde ins Boot geholt.

Sofort wurde eine Kommission zusammengestellt. «Wir wollten den Weg schnell realisieren, immerhin sollte er ja im Jubiläumsjahr eröffnet werden können.» Bald war man sich über die Linienführung, die Kostenschätzung und die Ausführung einig. Im Sommer 1990 wurden die Kredite von 70000 Franken für Oberägeri und 57000 für Unterägeri an den jeweiligen Gemeindeversammlungen genehmigt. «Von Anfang an stand ein guter Stern über dem Projekt», erinnert sich Bruhst Sebi.

Effizient arbeiten – mit Zeit für Gemütlichkeit

Die Kommission habe gar die Kompetenz über das Budget erhalten. «So konnten wir selber wirtschaften.» Der Zivilschutz habe beispielsweise seine Herbstübungen damit verbracht, am Weg zu arbeiten. Nicht alles musste aus dem Boden gestampft werden. Ein grosser Teil des Weges bestand bereits. «Unser Omen lautete: Wir wollen zielstrebig und effizient arbeiten, es soll aber auch Zeit für die Gemütlichkeit geben», so Iten. Man habe gut zu den Arbeitern geschaut, ihnen immer wieder mal einen Kaffee vorbeigebracht oder gut für sie gekocht. «Dafür waren sie dann auch bereit, die eine oder andere Überstunde zu leisten.» Schon bei der Eröffnung stiess das Projekt auf grosses Interesse: «Für die offizielle Eröffnung haben wir mit 150 Leuten gerechnet. Gekommen sind dann fast 500.» Es sei eine richtige Volkswanderung gewesen.

Bis heute hat sich an dieser Begeisterung wenig geändert. «Es hat sich wirklich gelohnt», sagt Iten, der an der Eröffnung vom damaligen Unterägerer Gemeindepräsidenten zum «Vater des Panoramawegs» ernannt wurde. Den Wanderstock, den Iten damals als Geschenk erhielt, hat er heute noch. Er sei stolz auf das Projekt, und es funktioniere nach wie vor. «Wahrscheinlich war es eine der letzten Gelegenheiten, so ein Projekt zu realisieren», sinniert er. Heute wäre es mit all den Auflagen rund um den Wald schwierig, einen neuen Wanderweg quer durch den Wald durchzubringen. Wer einmal hier war, kommt wieder, ist sich Bruhst Sebi sicher. Es sei ihm ein grosses Bedürfnis, den damaligen Helfern aller Art, den Behördenvertretern und den Stimmbürgern zu danken. «Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal in Morgarten von der Naas in die Rapperenflue stieg, das war phänomenal. Insbesondere der Ausblick auf den Ägeriberg im Zusammenspiel mit dem See, das muss den Leuten doch einfach gezeigt werden.»


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