Weniger Bürokratie für Beistände von Angehörigen im Kanton Zug

BEISTANDSCHAFT ⋅ Eltern, die sich als private Beistände um ihre erwachsenen, geistig behinderten Kinder kümmern, werden im Kanton Zug von bürokratischem Aufwand entlastet. Sie können sich ganz oder teilweise von der Berichts- und Rechenschaftspflicht befreien lassen.
08. Juli 2016, 10:00

Die Zuger KESB schöpft damit den gesetzlichen Spielraum aus und reagiert auf ein Bedürfnis von Betroffenen, wie der Kanton Zug in einer Mitteilung vom Freitag schreibt. Die konkreten Umstände werden von Fall zu Fall geprüft, um das Wohl und den Schutz der Behinderten sicherzustellen.

Bis zur Revision des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts nahmen Väter und Mütter die verschiedenen Aufgaben im Rahmen der "erstreckten elterlichen Sorge" wahr. Nun geschieht dies im Rahmen einer Beistandschaft. Dadurch entstehe gegenüber dem Staat eine Rechenschaftspflicht und das Wohl und der Schutz der behinderten Person werde sichergestellt, heisst es in der Mitteilung.

Im Kanton Zug können Familienangehörige den damit verbundenen bürokratischen Aufwand verkleinern. Auf Antrag können sie ganz oder teilweise von der Berichts- und Rechenschaftspflicht befreit werden. Möglich ist dies etwa, wenn nur eine bescheidene Rente oder ein IV-Taggeld zu verwalten ist.

Voraussetzung für die Befreiung ist, dass die betroffene Person in einer Institution wohnt oder betreut wird. Einzelne ausserordentliche Geschäfte, wie beispielsweise Grundstücksverkäufe und Erbschaftsangelegenheiten muss weiterhin die KESB genehmigen. Dies geschieht zum Schutz der urteilsunfähigen Person und um das Risiko von Haftungsfällen zu vermeiden.

Der bürokratische Aufwand wird nicht nur für diejenigen kleiner, die sich um ihre behinderten Kinder oder Geschwister kümmern, sondern auch für die KESB. Denn weil weniger Dokumente eingereicht werden, mindert sich der Kontrollaufwand - ein willkommener Nebeneffekt. Eine ähnlich pragmatische Praxis kennt auch der Kanton Bern. (sda)


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