Weniger Wein wegen wechselhaften Wetters

STEINHAUSEN/HÜNENBERG ⋅ Die Weinlese ist voll im Gange, auch im Kanton Zug. Unsere Zeitung hat bei zwei Winzern auf privaten Weingütern nachgefragt, wie dieses Jahr die Ernte ausfällt.

05. Oktober 2016, 05:00

Die Aussicht vom Steinhauser Erli-Weingut ist fast kitschig. Man sieht auf das Dorf hinab, und im Hintergrund ist neben der Rigi auch noch der Zugersee zu erspähen. Auf der einen Seite hat es die vom Ernten schon kahlen Riesling-Reben und auf der anderen Seite die noch mit Trauben bestückten Pinot-Noir-Reben. Jedoch fällt auf, dass die sonst gewohnt blauen Trauben eine weissliche Färbung aufweisen. Konrad Buch, neuer Präsident der Rebgenossenschaft, erklärt: «Das ist ein natürliches und nicht giftiges Steinmehl, das auf die Trauben gespritzt wird, zum Schutz gegen die Kirschessigfliege. Diese fühlt sich von den blauen Trauben viel mehr angezogen und ignoriert die gefärbten praktisch.» Die Bemühungen seien sehr gross, um einen qualitativ möglichst guten Wein herzustellen. «Jede einzelne Traube wird von Hand verlesen, die schlechten werden weggeworfen.»

«Rund 50 Prozent der Trauben sind zerstört»

Und doch ist die diesjährige Ernte laut Eugen Lang, Betriebsleiter der Rebbaugenossenschaft, welche dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, eher schlecht herausgekommen. «Das liegt daran, dass wir viel Hagel und Frost hatten. Unter diesen, für die Trauben ungeeigneten Verhältnissen, wurden etwa 50 Prozent der gesamten Trauben zerstört», sagt Lang. Auch die Kirschessigfliege stelle dieses Jahr wieder ein Problem dar. Lang erklärt, dass die Fliege vor drei bis vier Jahren aus Amerika in die Schweiz gekommen sei und ihre Eier in die Trauben lege. «Die Trauben verfaulen dann und können nicht mehr zur Weinherstellung gebraucht werden.» Neben den Fliegen und dem wechselhaften Wetter sind auch Vögel eine Plage. Darum habe man ein Netz aufgebaut, doch auch dieses hält die Vögel nicht ganz ab. Trotz dieser Mängel sollte die Qualität nicht auf der Strecke bleiben, so der Zuger Hobby-Winzer. «Es ist ein guter Jahrgang, da die Beeren trocken geblieben und nicht gross aufgeschwollen sind.»

Ähnlicher Meinung ist Louis Suter. Die Ernte sei mengenmässig mittel herausgekommen, dafür sei die Qualität gut. Suter: «Das Säure-Zucker-Verhältnis sieht gut aus.» Er betreibt vor malerischer Kulisse zusammen mit seinem Team die Weinberge der Weinrebenkapelle in Hünenberg. Auf einer halben Hektare Land sind pro Quadratmeter 700 Gramm Trauben geerntet worden. Lang und Suter sind sich einig: Für ein Schlussurteil über die Weinlese ist es noch zu früh.

«Da muss man noch etwa zwei Wochen warten, bis alle Ernten abgeschlossen sind. Diese Tage sind entscheidend, ob es eine erfolgreiche Lese wird oder nicht.» Die Ernte der Rebgenossenschaft findet jeweils am Dienstagabend statt. Meistens sind 10 bis 15 Mitglieder der Genossenschaft tätig. Eine Lese dauert etwa vier Stunden. Der Wein wird dann hauptsächlich unter den Genossenschaftlern verkauft.

Jonas Indrajonas.indra@zugerzeitung.ch


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